Die USA haben die prestigeträchtige Initiative Stargate angekündigt, in deren Rahmen 500 Milliarden US-Dollar in die heimische KI-Infrastruktur gesteckt werden sollen, dank der Unterstützung von OpenAI, Oracle, Nvidia und Co. Derweil schickt sich das chinesische offene KI-Modell DeepSeek an, OpenAI enorme Konkurrenz zu bereiten.
US-Präsident Donald Trump startet mit der Initiative Stargate massive Investitionen in die KI-Infrastruktur in den USA.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Das KI-Wettrennen zwischen den USA und China nimmt allmählich die Züge eines neuen Kalten Krieges an. Mit „Stargate“ haben der neue US-Präsident Donald Trump und eine Reihe von Großinvestoren eine 500-Milliarden-Dollar-Initiative angekündigt, um bei Datenzentren und ihrer Energieversorgung nicht hinter China zurückzufallen.
Anders als zu Zeiten der Sowjetunion, als der Wettkampf der Systeme primär im Weltall und in der nuklearen Aufrüstung stattfand, ist dieses Mal auf beiden Seiten zusätzlich die Bedeutung der KI für die künftige wirtschaftliche und militärische Stärke erkannt worden. Schon der Name der KI-Infrastruktur-Initiative in Washington, „Stargate“, erinnert an die Star-Wars-Filme und soll wohl einen Kampf „Gut gegen Böse“ suggerieren. Ob die USA aber auch aus diesem neuen globalen Armdrücken siegreich hervorgehen werden, ist mehr als ungewiss.
Große Initiative mit großem Namen
Kurz nach dem Ablegen seines Amtseides als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika stand Donald Trump im Weißen Haus neben dem Softbank-CEO Masayoshi Son, dem Oracle-Mitgründer Larry Ellison und dem OpenAI-CEO Sam Altman. Sie kündigten Stargate an. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen anfangs 100 Milliarden US-Dollar, über die kommenden vier Jahre dann insgesamt 500 Milliarden USD in das neue Unternehmen investieren.
Der Fokus von Stargate wird der Bau von fortgeschrittenen Datenzentren, die zum Trainieren von KI-Modellen gebraucht werden, und die Entwicklung der für ihren Betrieb benötigten Energie-Lösungen, die daheim in den USA liegen. In einem gerade veröffentlichten Weißbuch schreibt OpenAI, dass Investitionen in die KI-Infrastruktur in den USA sicherstellen sollen, dass US-amerikanische KI-Modelle und -Anwendungen gegenüber chinesischer Technologie die Oberhand gewinnen.
Es gehe um eine „grundlegende Strategie“, damit die USA bei KI für Investoren aus aller Welt ein attraktives Ziel sind, heißt es in dem Dokument. Es gebe 175 Milliarden USD in globalen Fonds, die derzeit darauf warten, in KI-Projekte investiert zu werden. „Wenn die USA diese Gelder nicht anziehen, dann werden sie in von China betriebene Projekte fließen – den globalen Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas stärkend“, schreibt OpenAI.
US-Präsident Trump seinerseits versprach, dass seine Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun werde, um den schnellen Bau der Stargate-Datenzentren zu ermöglichen. „Wir wollen in diesem Land sein und wir wollen es verfügbar machen“, sagte Trump über KI und nannte dabei China ebenfalls explizit als Rivalen.
Drohende Konkurrenz durch Chinas offenes KI-Modell DeepSeek
Kurz vor der Stargate-Ankündigung in Washington hatte China allerdings erneut eindrucksvoll demonstriert, wie schnell es gerade im Bereich der KI gegenüber den USA aufholt. Während man in Washington Weihnachten feierte, veröffentlichte ein Start-up namens „DeepSeek“ in der Stadt Hangzhou ein leistungsstarkes Large Language Model (LLM) namens „DeepSeek-R1“, das nicht nur chinesischen, sondern auch vielen internationalen Experten zufolge den Vergleich mit „o1“ von OpenAI nicht scheuen muss.
Vor dem Hintergrund der Chip-Boykotte, mit denen Washington seit mehreren Jahren Chinas Fortschritt gerade auch im Bereich KI aufzuhalten versucht, schlugen die Berichte über DeepSeek ein wie eine Bombe. „Es ist schockierend für mich“, sagte etwa der Software-Ingenieur und ehemalige Google-CEO Eric Schmidt, als von „DeepSeek V3“ und dem ebenfalls in China entwickelten „Qwen 2.5 72B“ von Alibaba die Rede war.
DeepSeek V3 ist ein Chatbot, den das junge chinesische Unternehmen auf der Basis seines neuen LLM entwickelt hat. Nicht nur ist er ähnlich leistungsstark wie o1 von ChatGPT, er konnte auch dank innovativer Trainingsmethoden mit sehr viel weniger Rechenleistung und Geld geschaffen werden als die meisten seiner amerikanischen Konkurrenten. DeepSeek soll es Interviews mit Mitarbeitern zufolge geschafft haben, den Rechenhunger seines LLM so zu bändigen, dass für sein Training wesentlich weniger KI-Chips von Nvidia benötigt werden als bei Konkurrenten wie OpenAI oder Meta.
Stand: 08.12.2025
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Noch dazu hat DeepSeek sein neues LLM als „Open Weight“ herausgebracht. Das ist eine bemerkenswerte offene Architektur, die Entwicklern weltweit ähnlich wie bei Open-Source-Software erlaubt, mit dem Computer-Code zu arbeiten und ihn weiterzuentwickeln. Bei einem Modell aus China sollte man das allerdings mit einer gesunden Prise Skepsis sehen, denn es ist davon auszugehen, dass Teile von DeepSeek zensiert sind.
Beobachter werteten diesen chinesischen Durchbruch als Beweis dafür, dass der von Washington initiierte „Chip-Krieg“ unvorhergesehene Folgen hat. Chinesische Computerwissenschaftler und Software-Ingenieure würden gezwungen, vollkommen neue Wege zu gehen und erzielten dabei erstaunliche Durchbrüche, hieß es.
Die Export-Kontrollen der USA gegenüber China, unter anderem bei KI-Chips von Nvidia, arbeiteten offenbar nicht, wie beabsichtigt, schrieb etwa die MIT Technology Review in ihrem Bericht über das Weihnachtsgeschenk von DeepSeek and die globale Gemeinschaft der KI-Entwickler. „Ganz im Gegensatz zur Schwächung der KI-Fähigkeiten Chinas scheinen die Sanktionen Start-ups wie DeepSeek dazu anzutreiben, Wege der Innovation zu finden, die Effizienz, Ressource-Pooling und Kollaboration priorisieren“, kommentiert die MIT Technology Review. (sb)