Kunststoff-Kreislaufwirtschaft igus: Dieses Rad macht den Kreis(lauf) rund

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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igus hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein korrosionsfreies Fahrrad mit einem hohen Anteil an recycelten Kunststoff in Serie zu bringen - und diese Herausforderung gemeistert. Gemeinsam mit Partner MTRL ist der Kunststoffspezialist die Produktion der ersten Kleinserie von 100 igus:bikes angegangen. Vorbestellt wurde das Konzeptrad bislang 1.200 Mal.

Die ersten, neuen igus Fahrräder gehen jetzt auf die Straße und können in Zukunft nicht nur in Städten, sondern können auch als Hotelfahrräder, auf Campingplätzen oder auf Messen zu sehen sein. (Bild:  igus GmbH)
Die ersten, neuen igus Fahrräder gehen jetzt auf die Straße und können in Zukunft nicht nur in Städten, sondern können auch als Hotelfahrräder, auf Campingplätzen oder auf Messen zu sehen sein.
(Bild: igus GmbH)

Kunststoffrecycling ist in den meisten Fällen löblich und in den wenigsten Fällen simpel und wirtschaftlich rentabel. Plastik kann durch Verunreinigungen wie Lebensmittelreste, Farbstoffe oder andere Materialien kontaminiert sein. Dann gibt es eine unüberschaubare Menge unterschiedlicher Kunststoffe mit unterschiedlichen chemischen Eigenschaften und Zusammensetzungen. Dies erschwert das Recycling, da nicht alle Kunststoffe gleich behandelt werden können.

Bedeutet: Der Kunststoff muss sortiert werden. Das ist wiederum wenig wirtschaftlich, weil der Vorgang oft komplexe und teure Sortieranlagen sowie manuelle Arbeit erfordert, um die verschiedenen Arten von Kunststoffen zu trennen. Hat der Kunststoff es schließlich bis in den Recyclingvorgang geschafft, können einige Arten nur eine begrenzte Anzahl von Malen recycelt werden, bevor ihre Qualität stark abnimmt. Und dann … na ja … Umweltschutz ist eine schöne Angelegenheit, die wir alle großschreiben sollten. Doch wenn wir uns mit der Realität auseinandersetzen, braucht es einen ganz großen Anreiz. Das Recycling von Kunststoffen muss schlichtweg wirtschaftlich rentabel sein, damit Unternehmen überhaupt in Recyclinganlagen investieren.

Dennoch schwingen sich Tüftler und Entwickler dazu auf, dem Plastikberg mit Ideen zu begegnen, so etwa Kunststoffspezialist igus. Üblicherweise konzentriert sich das Unternehmen auf Energieführungssysteme, Gleitlager und Leitungssysteme. Mit dem igus:bike für den urbanen Raum haben sich die Mitarbeitenden allerdings einer anderen Herausforderung gestellt, nämlich der Entwicklung eines Fahrrads mit möglichst wenig Metallteilen und dafür ganz viel Kunststoff mit einem hohen Recyclinganteil.

Urban-Rad für unkomplizierte Mobilität

Als Frank Blase, Geschäftsführer von igus, die Weichen für das Projekt stellte, ging es darum, aus Plastikmüll ein Kunststoff-Fahrrad herzustellen, das langlebig, wartungsfrei, schmutzresistent und korrosionsfrei ist, sodass es über viele Jahre Wind und Wetter überstehen kann. „Ich freue mich, dass wir dieser Vision nun ein großes Stück nähergekommen sind“, so Frank Blase. „Das igus:bike kommt jetzt unter einem neuen Namen in erster Kleinserie endlich auf die Straße.“

Gemeinsam mit dem niederländischen Partner MTRL werden 100 Exemplare gefertigt, die dann für den Straßenverkehr zugelassen werden können. Sobald das geschehen ist, wird mit der Produktion der inzwischen rund 1.200 vorbestellten Räder in einer Produktionsstraße bei igus in Köln begonnen. Wer sich von dem Rad überzeugen will, kann das erstmals auf der Messe Cyclingworld Europe tun, die vom 15. bis zum 17. März 2024 in Düsseldorf veranstaltet wird.

Denn das igus:bike soll unter anderem auf Campingplätzen, für Hotels, auf dem Firmengelände und bei Messen eingesetzt werden. Probefahrten mit dem rund 1.200 EUR teuren und etwa 17 Kilogramm schweren Rad auf der Cyclingworld Europe können bei igus gebucht werden. Eine E-Bike-Version gibt es zwar noch nicht, doch man arbeitet dran.

igus:bike besteht zu 92 Prozent aus Kunststoff

Als der Kunststoffspezialist, der igus ist, war es dem Unternehmen wichtig, so wenig Metallteile wie möglich für das Rad zu nutzen. In früheren Prototypen bestanden etwa Sattelstütze und Bremshebel noch aus Metall; inzwischen wurden Kunststofflösungen für diese Teile gefunden. „Mittlerweile besteht das igus:bike, das rund 17 Kilogramm auf die Waage bringt, zu 92 Prozent aus Kunststoff“, sagt Sven Terhardt, Head of Sales & Marketing igus:bike. „Vom Rahmen, über die Lager bis hin zum Antriebsstrang, was in der Branche lange Zeit als fast unmöglich galt.“

Für das Rad kommen beim Bau 50 Prozent Kunststoffe zum Einsatz, die aus einem Granulat aus recyceltem Plastikmüll bestehen. Mittels Rotations- und Spritzgussverfahren wird das Granulat in Form gebracht. Es wird vonseiten igus weiter in Forschung und Entwicklung investiert, um den Anteil an Neu-Kunststoff noch unter die 50-Prozent-Marke zu drücken. Das nächste Ziel ist es, 75 Prozent recycelter Kunststoffe für das Rad einzusetzen; perspektivisch wolle man gar an den 100 Prozent arbeiten. „Wir beschleunigen durch diesen hohen Recyclinganteil die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Plastik auf den Müllhalden der Welt wird somit zu einer immer wertvolleren Ressource“, so Terhardt.

Wie erwähnt: Wenn Sie mit dem igus:bike eine Runde drehen wollen, um sich von dem Konzept eines Fahrrads zu überzeugen, das fast komplett aus Kunststoff besteht, dann sollten Sie einen Probefahrttermin für die Cyclingworld Europe vereinbaren. Sie finden igus dann in Halle 27 / Kaltstahlhalle / O7. (sb)

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