Im Jahr 2025 nehmen die Ransomware-Angriffe gegen große Unternehmen zu. Jüngst betroffen sind die japanischen Asahi Breweries und der britische Autohersteller Jaguar Land Rover. Der Produktionsstillstand verbrennt Unmengen an Kapital. Und kaum einer ist vor Ransomware gefeit.
Cyberattacken können die Produktion lahmlegen, manchmal für Wochen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Cyberangriffe auf Industrie- und Produktionsbetriebe nehmen weiter zu. Mit der fortschreitenden Digitalisierung wachsen die Risiken: Fertigung und IT sind enger vernetzt denn je, und die wirtschaftlichen Folgen eines Angriffs werden immer gravierender.
Was früher ein Thema für IT-Systeme in der Verwaltung eines Unternehmens war, führt inzwischen zur Stilllegung ganzer Werke, und zwar nicht nur für ein paar Stunden oder Tage, sondern oft für Wochen. Die jüngsten Fälle aus dem Jahr 2025 zeigen, wie empfindlich Produktionsprozesse auf Cyberangriffe reagieren und wie unterschiedlich Unternehmen auf die Bedrohung reagieren.
Asahi Breweries: Japans Bierproduktion unter Druck
Japans Brauerei-Riese Asahi Breweries wurde Ende September 2025 Opfer eines massiven Cyberangriffs, der Produktions- und Logistiksysteme wenigstens für eine Woche außer Betrieb setzte. Infolge der Störung musste das Unternehmen die Bierproduktion in mehreren japanischen Werken stoppen. Die internen Netzwerke für Bestellungen, Abfüllung und Versand waren tagelang nicht funktionsfähig, wodurch sich die Lagerbestände drastisch verringerten.
Medien berichteten, dass Japan binnen weniger Tage „nur noch wenige Reserven“ des beliebten Biers hatte. Nach Angaben des Unternehmens arbeitete man mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Systeme und betonte, man habe keine Hinweise auf Datendiebstahl. Der Angriff verdeutlicht die Verwundbarkeit der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, deren Lieferketten zunehmend digitalisiert sind.
Jaguar Land Rover: Stillstand in allen britischen Werken
Der britische Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR) musste ebenfalls im September 2025 seine komplette Produktion in Großbritannien vorübergehend einstellen, nachdem ein schwerer Cyberangriff zentrale IT- und Fertigungssysteme lahmgelegt hatte. Betroffen waren Werke in Solihull, Halewood und Wolverhampton, wodurch auch die Versorgung von Zulieferern ins Stocken geriet. Interne Systeme für Fertigungsplanung, Logistik und Materialnachschub wurden vorsorglich abgeschaltet, um eine weitere Ausbreitung des Angriffs zu verhindern.
Nach Unternehmensangaben waren rund 33.000 Mitarbeitende betroffen, viele Werke blieben über mehrere Wochen geschlossen. Offiziell äußerte sich JLR nicht zur Art des Angriffs, Branchenkreise gehen jedoch von einer Ransomware-Attacke aus. Der Vorfall unterstreicht, wie abhängig die Automobilproduktion von stabilen IT-Infrastrukturen geworden ist.
Nucor: Vorsorglicher Stopp in der US-Stahlproduktion
Der US-amerikanische Stahlhersteller Nucor meldete im Mai 2025 einen Cybervorfall in mehreren IT-Systemen. Aus Sicherheitsgründen fuhr das Unternehmen Teile seiner Produktion herunter und isolierte betroffene Netzwerke, um eine Ausbreitung potenzieller Schadsoftware zu verhindern. Laut internen Quellen handelte es sich um einen gezielten Angriff auf industrielle Steuerungs- und Verwaltungssysteme, der den Betrieb an mehreren Standorten beeinträchtigte.
Die Attacke steht exemplarisch für die wachsenden Risiken im Industrie- und Fertigungssektor, in dem digitale Schnittstellen zwischen Produktionssteuerung, Lieferanten und Energieversorgung als potenzielle Einfallstore gelten.
Masimo: Medizintechnikhersteller mit Fertigungsausfällen
Beim US-amerikanischen Medizintechnikunternehmen Masimo kam es zu einer nicht autorisierten Netzwerkaktivität, die den Betrieb mehrerer Werke beeinträchtigte. Das Unternehmen, bekannt für seine Überwachungs- und Diagnosesysteme in Kliniken, musste Teile seiner Produktion zeitweise drosseln und Versandvorgänge verschieben. Der Angriff betraf vor allem interne IT-Systeme im On-Premises-Bereich, nicht jedoch Cloud-basierte Dienste oder Kundendaten.
Laut Masimo konnten die Systeme nach kurzer Zeit wiederhergestellt werden, der wirtschaftliche Schaden blieb jedoch erheblich. Der Fall zeigt, dass selbst Unternehmen mit hohen regulatorischen Sicherheitsstandards in der Medizintechnikbranche nicht vor Cybervorfällen gefeit sind – und selbst kurze Produktionsunterbrechungen in diesem Sektor schnell Lieferengpässe nach sich ziehen können.
Ein neues Normal für industrielle Sicherheit
Die hier vorgestellten Ereignisse des Jahres 2025 verdeutlichen, dass Cyberangriffe längst ein operatives Risiko auf Produktionsebene darstellen – nicht nur ein IT-Problem. Unternehmen reagieren zwar zunehmend professionell mit Isolationsmaßnahmen und Wiederanlaufplänen, doch jeder Angriff zeigt, wie tief digitale Prozesse in den industriellen Alltag eingewoben sind.
Die Abhängigkeit von IT und vernetzten Steuerungssystemen bedeutet: Sicherheitsarchitektur ist Produktionsarchitektur. Wer im globalen Wettbewerb bestehen will, muss Cyberresilienz ebenso mitdenken wie Energieeffizienz oder Lieferkettensicherheit. (sb)
Stand: 08.12.2025
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