Irankrieg Helium-Mangel setzt koreanische Chipindustrie unter Druck

Von Sebastian Gerstl 4 min Lesedauer

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Der Krieg im Nahen Osten treibt nicht nur Energiepreise, sondern auch die Kosten für Helium: Durch die Blockade der Straße von Hormus kann der für die Halbleiterfertigung wichtige Rohstoff nicht aus Katar ausgeliefert werden. Ganz besonders für Südkoreas Halbleiterindustrie wächst damit der Druck.

Der anhaltende Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus droht die bestehende Krise im Chipmarkt zu verschärfen: Der für die Fertigung wichtige Rohstoff Helium kann derzeit nicht aus Katar ausgeliefert werden. Vor allem südkoreanische Hersteller wie Samsung und SK Hynix, aber auch Hersteller in Taiwan sind dadurch betroffen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Der anhaltende Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus droht die bestehende Krise im Chipmarkt zu verschärfen: Der für die Fertigung wichtige Rohstoff Helium kann derzeit nicht aus Katar ausgeliefert werden. Vor allem südkoreanische Hersteller wie Samsung und SK Hynix, aber auch Hersteller in Taiwan sind dadurch betroffen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Helium rückt im Zuge des Irankriegs als bislang wenig beachteter Engpassfaktor für die Halbleiterindustrie in den Fokus. Das Edelgas wird zwar in deutlich geringeren Mengen eingesetzt als Stickstoff oder Argon, ist in einzelnen Prozessschritten der Chipfertigung jedoch kaum zu ersetzen. Besonders in Südkorea wächst deshalb die Sorge vor steigenden Kosten und längerfristigen Versorgungsrisiken.

Auslöser ist die angespannte Lage in Katar, das rund ein Drittel des weltweiten Heliumangebots stellt. Weil Helium als Nebenprodukt der Flüssigerdgasproduktion anfällt, treffen Störungen an LNG-Anlagen auch den Halbleitersektor. Berichten zufolge wurde ein Teil der katarischen Exportkapazität beschädigt; eine vollständige Wiederherstellung könnte mehrere Jahre dauern.

Die unmittelbaren Folgen zeigen sich bereits am Markt. Der Spotpreis für Helium soll innerhalb einer Woche um bis zu 40 Prozent gestiegen sein. Analysten wie beispielsweise Trendforce halten bei anhaltenden Lieferproblemen sogar einen Anstieg auf bis zu 2000 US-Dollar je 1000 Kubikfuß (circa 28,3 m³) für möglich. Zuvor hatte der Preis etwa 500 US-Dollar betragen.

Helium ist klein im Volumen, groß in der Wirkung

In der Chipproduktion wird Helium vor allem zur Kühlung bei Ätzprozessen eingesetzt. Es leitet Wärme schnell ab und verhindert, dass Wafer durch hohe Temperaturen beschädigt oder verformt werden. Auch in der Lithografie spielt es eine wichtige Rolle, also bei jenem Fertigungsschritt, in dem die feinen Strukturen moderner Chips aufgebracht werden.

Gerade weil Helium nur in speziellen, aber kritischen Anwendungen verwendet wird, kann ein Mangel die Produktion empfindlich treffen. Die Industrie verweist zwar darauf, dass die absoluten Mengen vergleichsweise gering seien. Gleichzeitig lässt sich fehlendes Helium kurzfristig nur schwer ersetzen, weil neue Produktionskapazitäten eng an die Gas- und LNG-Infrastruktur gebunden sind und oft über langfristige Verträge vermarktet werden.

Für Südkorea ist die Lage besonders heikel. Nach den von Trendforce und asiatischen Medien zusammengetragenen Angaben kamen 2025 rund 64,7 bis 65 Prozent der dort verwendeten Heliummengen aus Katar. Samsung Electronics und SK hynix verfügen demnach zwar über Vorräte für mehrere Monate und suchen bereits nach Alternativen, unter anderem in den USA. Sollte die Krise jedoch länger andauern, dürften Beschaffung und Kosten unter stärkeren Druck geraten.

Die Unternehmen betonen, dass kurzfristig keine Produktionsausfälle zu erwarten seien. Aus der Branche heißt es, selbst bei Einschränkungen aus Katar könne Material auch über andere Lieferketten bezogen werden. Das mindert das akute Risiko, ändert aber wenig daran, dass ein längerer Preisschub die Herstellung verteuern würde.

Taiwan erscheint vorerst widerstandsfähiger

Abhängigkeiten von Helium-Lieferungen aus Katar: Südkoreanische Chiphersteller wie Samsung oder SK hynix sind von der aktuellen Blockade der Straße von Hormus härter getroffen als beispielsweise TSMC in Taiwan.(Bild:  Trendforce)
Abhängigkeiten von Helium-Lieferungen aus Katar: Südkoreanische Chiphersteller wie Samsung oder SK hynix sind von der aktuellen Blockade der Straße von Hormus härter getroffen als beispielsweise TSMC in Taiwan.
(Bild: Trendforce)

Anders ist die Ausgangslage in Taiwan. Dort gilt die Versorgung mit Helium als breiter aufgestellt: Rund 30 Prozent sollen aus Katar stammen, weitere 30 Prozent aus den USA, der Rest aus anderen Ländern und heimischen Quellen. Diese Streuung verschafft taiwanischen Herstellern mehr Spielraum, Ausfälle einzelner Lieferländer auszugleichen.

TSMC, der weltweit führende Auftragsfertiger und wichtiger Produzent von KI-Chips, setzt nach eigenen Angaben seit Langem auf mehrere Bezugsquellen und hält Bestände von mehr als zwei Monaten vor. Auch UMC sowie Speicherhersteller wie Winbond und Macronix sehen die Versorgung kurzfristig als gesichert an. In Taiwan wird die Entwicklung dennoch aufmerksam beobachtet, auch weil Energie- und Logistikfragen durch die Lage im Nahen Osten zusätzlich an Bedeutung gewinnen.

Damit zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen beiden wichtigen Chipstandorten. Während Taiwan vorerst von seiner diversifizierten Beschaffung profitiert, ist Südkorea stärker von Katar abhängig. Das bedeutet nicht, dass Taiwan unbeeinträchtigt bliebe, wohl aber, dass die dortigen Hersteller derzeit mit größerer Flexibilität auf Lieferstörungen reagieren können.

Kostenrisiko reicht bis zu Smartphones und PCs

In Südkorea wird inzwischen nicht nur über Versorgungssicherheit, sondern auch über mögliche Folgewirkungen für Endprodukte diskutiert. Steigende Heliumpreise könnten die ohnehin höheren Halbleiterkosten weiter anheizen und damit zu zusätzlichem Preisdruck bei Smartphones, PCs und Servertechnik beitragen. In der Branche ist daher bereits von einem möglichen weiteren Schub bei der sogenannten Chip-Inflation die Rede.

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Samsung arbeitet zugleich an Gegenmaßnahmen im eigenen Fertigungsnetz. Dazu zählt ein Wiederverwendungssystem für Helium, das verbrauchtes Gas aufbereitet und erneut in Produktionsprozessen einsetzt. Eine breitere Einführung könnte den Verbrauch spürbar senken. Dennoch dürfte technische Effizienz allein nicht ausreichen, falls der Ausfall wichtiger Liefermengen aus Katar länger andauert.

Der Konflikt im Nahen Osten macht damit erneut sichtbar, wie stark die Halbleiterindustrie von einzelnen Rohstoffen und global verzweigten Lieferketten abhängt. Für Südkorea ist die Verwundbarkeit derzeit besonders groß. Auch die Lage in Taiwan dürfte von der Elektronikindustrie aufmerksam beobachtet werden. Derzeit wirkt der Inselstaat wegen seiner breiter angelegten Beschaffung und vorhandener Lagerbestände aber vorerst besser gegen einen anhaltenden Heliumengpass abgesichert.(sg)

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