Kolumne

Halo, wie ist Dein Projekt gelaufen?

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Da man die komplexe Realität von Märkten, Unternehmen und Projektarbeit nicht in ein plausibles, verständliches Erfolgsrezept verwandeln kann, wird gnadenlos vereinfacht. Irgendwann kommt dann eine Geschichte heraus, die sich gut erzählen lässt und das beruhigende Gefühl vermittelt, dass Erfolg nur eine Folge der beharrlichen Verfolgung des herausdestillierten Erfolgsrezepts ist: ein Halo-Märchen.

Doch der Halo-Effekt wirkt ebenso umgekehrt, auch wenn das seinem Namen nicht gerecht wird.Wehe, wenn der Held auf dem Weg zum Erfolg strauchelt und in den Dreck fällt. Schwupps, der Nimbus ist verschwunden und da liegt ein ganz normaler Mensch mit ganz normalen Fehlern! Den kann man dann gnadenlos in der Luft zerreißen. Er wird quasi dafür bestraft, dass ihm ein Heiligenschein verpasst wurde und er sich eine Weile genüsslich darin sonnen durfte. Jetzt wird aus dem Helden ein Sündenbock, und aus dem Heiligenschein werden Hörner.

Im Extremfall wird dieser Mensch geradezu verteufelt. Und wenn jemandem Hörner aufgesetzt wurden, verändert sich auch die Wahrnehmung seiner Eigenschaften: Aus Mut wird Leichtsinn, aus Selbstsicherheit wird Größenwahn, aus Charisma wird Trugbild, usw.. Der vermeintliche Held muss nun als Sündenbock geopfert werden, um die Illusion des Märchens vom Erfolgsrezept zu erhalten.

Ich finde Märchen und Geschichten großartig, und es ist eine große Kunst, sie so gut zu erzählen, dass sie in uns lebendige Bilder wecken. Ist es nicht herrlich, sich so inspiriert von seiner Phantasie treiben zu lassen?

Bei wichtigen Entscheidungen und Einschätzungen sollten wir allerdings Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden können. Doch wie soll das gehen? Ich werde Ihnen jetzt natürlich kein Erfolgsrezept geben, sondern bestenfalls eine Sichtweise anbieten: Wehren Sie sich gegen Helden- oder Sündenbockmärchen, denn sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Eine Illusion, die uns in Projekten nichts bringt.

Betrachten Sie stattdessen beispielsweise gemeinsam mit Kollegen, Kunden und Anwendern die Ereignisse und Ergebnisse Ihrer Projekte abwechselnd aus der Sicht des möglichen Erfolgs und der des ebenso denkbaren Misserfolgs. Überlegen Sie, welche Chancen und Risiken sich aus diesen verschiedenen Perspektiven ableiten lassen und wie Sie sie beeinflussen können.

Und dann treffen Sie Ihre Entscheidungen in dem Bewusstsein, dass die Wirkung einer jeden Maßnahme durch derzeit nicht vorhersehbare Faktoren beeinflusst werden kann, und vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeit mit diesen Überraschungen umzugehen. Das kommt der Realität jedenfalls näher als Halo-Märchen.

Gerne sende ich Ihnen ausführlichere Informationen zum Halo-Effekt und anderen Management-Illusionen. Eine E-Mail mit dem Betreff „Halo“ anp.siwon@die-menschliche-Seite.degenügt.

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