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Neue Einfallstore für Cyberangriffe auf das Energienetz
Dieser radikale Umbruch in der Systemlandschaft wird in den kommenden Jahren noch weiter voranschreiten. Denn durch die Anbindung weiterer Elemente, etwa aus Smart City- oder Smart Home- Umgebungen, wächst das Smart-Grid-Ökosystem immer weiter an und schafft neue Einfallstore für Cyberangriffe auf das Energienetz. Die Situation ist vergleichbar mit den Anfangszeiten des WLANs, als Millionen von PCs plötzlich ungeschützt am Netz hingen. Heute sind es Industrieanlagen, wie Umspannwerke, Pipelines oder Biogasanlagen, die, etwa über ungesicherte Industriesteuerungssysteme (ICS), Zugang zum Netz haben. [4] Auch im Fall des durch Hacker herbeigeführten Stromausfalls in der Ukraine könnten die Angreifer über das Industriesteuerungssystem (ICS) per VPN-Verbindung bösartige Befehle ausgeführt haben.
Dass Vorfälle, wie die Attacke auf den ukrainischen Netzbetreiber auch in Deutschland möglich sind, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Ettlingen. Im Jahr 2014 drang ein Hacker-Team im Rahmen eines Penetrationstests in die Leitstelle des Unternehmens ein und übernahm sicherheitsrelevante Kontroll- und Steuerfunktionen. Die Bundesregierung hat mittlerweile auf das gestiegene Sicherheitsrisiko reagiert: So enthält das im Juli 2015 in Kraft getretene IT-Sicherheitsgesetz eine Pflicht zur Einführung von technischen und organisatorischen Mindestmaßnahmen sowie Meldepflichten im Fall von Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen.
Zum Nachweis darüber, dass die Anforderungen des IT-Sicherheitskataloges korrekt umgesetzt wurden, haben die Betreiber von Energieversorgungsnetzen bis zum 31. Januar 2018 Zeit, ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) gemäß DIN/IEC 27001 einzuführen und zu zertifizieren. Ein knappes Jahr vor Ablauf der Frist fällt die Bilanz durchwachsen aus. Gerade kleinere Energieversorger, wie etwa Stadtwerke haben teilweise große Schwierigkeiten bei der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen im Rahmen des ISMS, wie etwa eine Studie aus dem Jahr 2016 belegt. [5] Vor allem personelle und finanzielle Engpässe gefährden dort oftmals die frist- und fachgerechte Umsetzung.
Dabei wird oft übersehen, dass die Einführung des ISMS alleine noch keinen adäquaten Schutz von Cyberangriffen gewährleistet. Richtig implementiert, kann es zwar dazu beitragen, Sicherheitsrisiken besser zu erkennen und diese durch entsprechende Prozesse zu managen. Jedoch erst die konkrete Umsetzung von technischen Schutzmaßnahmen erhöht tatsächlich die IT-Sicherheit im Unternehmen. Beim Aufsetzen und Betreiben der dafür notwendigen Soft- und Hardware-Lösungen bietet das ISMS leider keine konkrete Anleitung oder Unterstützung. Betreiber von kritischen Infrastrukturen sind daher weitgehend auf sich gestellt.
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