Grüne Elektronik „Grüne Elektronik“ ist mehr als die konsequente Verfolgung von Richtlinien
Auch in der Elektronik-Branche nimmt die Klimaschutz-Debatte eine immer wichtigere Position ein. Allerdings ist der grüne Gedanke hier nicht neu. Seit jeher sind die Hersteller von elektronischen Bauteilen bemüht, energieeffiziente Komponenten herzustellen und somit Kosten zu senken. Gino Böhm, Projektverantwortlicher für Umwelt bei Spoerle, erläutert das Wesen der „grünen Elektronik“ heute und zukünftig.
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Bereits in der Vergangenheit spielte Energie-Effizienz für die Industrie eine entscheidende Rolle. Auch wenn eher wirtschaftliche Motive der Antrieb waren und nicht so sehr Aspekte des Umweltbewusstseins profitieren Hersteller, Distributoren und weiterverarbeitende Kunden nun von dieser guten Ausgangslage, um aktiv einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Allerdings müssen alle Unternehmen, Organisationen und Regierungen an einem Strang ziehen. Nur so können sie den selbst gesteckten Zielen näher kommen, allem voran der Verringerung des CO2-Ausstoßes, wie bei der UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember 2007 verhandelt.
In der Elektronikindustrie müssen die Hersteller von elektronischen Bauteilen Impulsgeber für umweltfreundlichere Produkte sein. Diese greifen die Thematik zunehmend auf, wie die strategische Ausrichtung von Fairchild Semiconductor bei Power Management-ICs zeigt. Auch die Automobilbranche steht als Verursacher von umweltbelastenden Schadstoffen im Mittelpunkt des Interesses. Hier ergeben sich viele neue Potenziale in den Bereichen Leistungselektronik und Hybridtechnik.
Grüner Gedanke eint Wirtschaft, Politik und Industrie
Die Elektronikindustrie kann bereits viele konkrete Ergebnisse im Umweltschutz vorweisen. So haben die betroffenen Unternehmen innerhalb weniger Jahre umfangreiche RoHS-Datenbanken aufgebaut und die Richtlinien der Politik umgesetzt.
„Grüne Elektronik“ ist mehr als die konsequente Verfolgung von Richtlinien, auch wenn sich der Bereich Umweltschutz bei elektronischen Bauteilen zu einem Großteil über die bestehende Umweltgesetzgebung zu RoHS, WEEE, EuP, REACH und Batterierichtlinie definiert. Die Bestimmungen sind in einem sich schnell wandelnden Markt genau zu beobachten und in einem sinn- und wirkungsvollen Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft kontinuierlich zu überprüfen.
Aus diesem Grund tagt beispielsweise regelmäßig das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), um der Industrie ein vorausschauendes Handeln zu ermöglichen. Mehr als 70 Unternehmen analysieren seit 14 Jahren Produktentwicklung und Recycling, um die Erkenntnisse in sinnvolles unternehmerisches Handeln umzumünzen. So diskutierten die Teilnehmer auf der jüngsten Tagung im Dezember in Stuttgart den Status Quo der RoHS-Umsetzung, etwa die Einbeziehung medizinischer Geräte beziehungsweise Kontroll- und Überwachungsinstrumente (Gerätekategorien 8 und 9) oder weitere Stoffgruppen, auf die ein Verbot ausgedehnt werden könnte. Im Blick ist ebenso der aktuelle Status der anderen Richtlinien gemäß ElektroG.
Nationale Besonderheiten wie China-RoHS werden vor dem Hintergrund zunehmend globalisierter Märkte immer wichtiger. Somit arbeiten Wirtschaft und Forschung Hand in Hand, um ein gemeinsames Umweltbewusstsein auch über die gesetzgeberischen Anforderungen hinaus zu schaffen. Die Richtlinien sind ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn es noch zahlreiche Unsicherheiten bei Unternehmen gibt, etwa inwiefern sie betroffen sind und welche Relevanz die Bestimmungen für sie haben. Hierbei ist noch viel Arbeit zu leisten, bespielsweise bei der Umsetzung der REACH-Verordnung.
Wachstumsfaktor Grüne Elektronik
Die Energieversorgung ist neben Stoffverboten, Zulieferbestimmungen und Regelungen für Design und Recycling ein weiteres Themenumfeld, in dem Elektronik eine tragende Rolle spielt und zunehmend spielen wird. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden neue Konzepte der zentralen oder dezentralen Energieversorgung entworfen und umgesetzt. Erneuerbare Energien wie Solar- und Geothermie sowie Windenergie eröffnen den Unternehmen neue Umsatzpotenziale.
So sagen die Auguren von Roland Berger in einer aktuellen Studie dem Marktvolumen für Umweltschutztechnik ein Wachstum von derzeit 1000 Mrd. Euro auf 2200 Mrd. Euro bis 2020 voraus. Als umwelttechnologische Leitmärkte nennt das Unternehmen Energieerzeugung, Energieeffizienz, Rohstoff- und Materialeffizienz, Wasserwirtschaft, Mobilität und Recycling. Der zunehmende Energieverbrauch weltweit und seine Auswirkungen auf die Umwelt und unser Leben fordert langfristige Lösungen für die nächsten Jahrzehnte, die wir bereits jetzt entwickelt. Der Distribution kommt dabei als Mittler zwischen herstellender und weiterverarbeitender Industrie eine zentrale Bedeutung zu.
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