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Gnadenlos im Projekt verschätzt?

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Es klingt absurd, aber viele Studien haben bewiesen, wie stark der Einfluss willkürlicher zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhänge sein kann. So sollten beispielsweise Studenten einer Universität in Boston auf einem Fragebogen den Wert verschiedener Produkte schätzen. Bevor sie mit der Schätzung begannen, wurden sie aufgefordert, die letzten zwei Zahlen ihrer Sozialversicherungsnummer oben auf dem Bogen einzutragen. Die Auswertung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen dieser Zahl und der abgegebenen Schätzung. Der einzige Zusammenhang zwischen der Sozialversicherungsnummer und der Schätzung bestand darin, dass es sich in beiden Fällen um Zahlen handelte, die zeitnah das Denken beschäftigten.

Weil diese Anker so gut funktionieren, ohne uns das Gefühl der Manipulation zu geben, werden sie gerne von gewieften Verkäufern und professionellen Zauberkünstlern eingesetzt. Sogar Bettler benutzen den Trick, indem sie Geldstücke als Orientierungshilfe in ihren Hut legen. Sie sehen, dass diese Anker sehr mächtig sind und durchaus geeignet, Ihre Projekte zum Kentern bringen.

Anker lichten: vier Tipps für den Projekterfolg

Wie gerade beschrieben, nehmen auch Ereignisse oder Informationen, die in keinerlei logischem Bezug zur gestellten Aufgabe stehen, Einfluss auf Abschätzungen, Prognosen und Entscheidungen. Wie haben wir nun eine Chance, den Einfluss irreführender Anker zu erkennen und zu vermeiden? Hier ein paar Hinweise:

Erkenntnis: Wie so oft ist die Erkenntnis, dass solche Anker tatsächlich wirken, bereits ein großer Fortschritt. Sie können nun Ihre Kollegen, Kunden, Verwandte und Bekannte nach Herzenslust ankern. Damit hat sich das Lesen der Kolumne schon mal gelohnt.

Hinterfragen: Da Sie nun wissen, wie stark der Einfluss dieser Anker sein kann, stellen Sie sich vielleicht künftig öfter die Frage, welche Einflussfaktoren in Ihrem Umfeld wirksam sind, die als Anker dienen könnten. Was haben Sie vorher erlebt? Was bewegt Sie derzeit besonders? Welche Assoziationen könnten durch die Umgebung, den Gesprächspartner, etc. geweckt worden sein? Warum ist etwas heute so wichtig, was gestern noch unwichtig war und umgekehrt?

Wechseln des Ankerplatzes: Jedes Umfeld und jede Situation wirft andere Anker aus. Deshalb ist es zweckmäßig, eine wichtige Überlegung oder Entscheidung unter unterschiedlichen Randbedingungen zu wiederholen. Wählen Sie dazu eine andere Umgebung, eine andere Tageszeit oder andere Darstellungsformen. Nutzen Sie alternative Informationsquellen oder versuchen Sie, sich in eine andere Rolle hinein zu fühlen.

Andere Menschen, andere Anker: Beziehen Sie Menschen ein, die einen anderen fachlichen und emotionalen Bezug zu Ihrem Projekt haben. Sie helfen Ihnen dabei, die eigenen gedanklichen Fixpunkte in Frage zu stellen. Dazu benötigen Sie lediglich die Bereitschaft anzuerkennen, dass Sie, wie alle anderen Menschen, immer irgendwo unsichtbar verankert sind.

Also liebe Leser, Anker lichten und volle Fahrt in den Projekterfolg.

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