Bei gewinkelten Leiterplatten-Steckverbindern mit einem senkrecht angeordneten Steckgesicht sind die Kontaktlängen unterschiedlich. Steht die Längendifferenz im Widerspruch zu den Symmetrieanforderungen einer differentiellen Signalübertragung?
Bild 1: Der gewinkelte SPE-Leiterplatten-Steckverbinder SPE-T1-STRM-90 von Phoenix Contact erlaubt im Vergleich mit RJ45-Steckverbindern in etwa die doppelte Packungsdichte. Das Volumen der SPE-Schnittstelle reduziert sich auf ca. 20 % des RJ45-Volumens.
(Bild: Phoenix Contact)
Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Daten-Steckverbindern steigen kontinuierlich. Das Ziel ist immer eine möglichst hohe Signalintegrität. In direktem Zusammenhang mit der Signalintegrität stehen Laufzeitunterschiede.
Die Laufzeit ist die Zeit, die ein elektrisches Signal zum Durchlaufen eines Leiterabschnitts benötigt. Laufzeitunterschiede innerhalb eines differentiellen Leiterpaares stören die Signalintegrität eines Übertragungssystems. Die Laufzeitunterschiede erhöhen die Dämpfung, weil Energie aus dem Gegentakt-Mode in den unerwünschten Gleichtakt-Mode übertragen wird.
Werden die Verluste zu groß, kann der Empfänger die Signalpegel nicht mehr sicher auswerten. Die Folge kann eine gestörte Signalintegrität des differentiellen Übertragungssystems sein. Laufzeitunterschiede werden von nicht exakt zeitgleich eingeprägten Sender-Signalen oder zu großer Asymmetrie im differentiellen Paar verursacht.
Miniaturisierung erfordert ein senkrechtes Steckgesicht
Die IEC 63171-2 spezifiziert das Steckgesicht eines geschirmten SPE-Steckverbinders für IP20-Anwendungen. Diese Bauartspezifikation überlässt dem Steckverbinder-Hersteller die Ausrichtung des Steckgesichts bezogen auf eine Leiterplattenebene.
Phoenix Contact hat sich bewusst für ein senkrecht stehendes Steckgesicht des gewinkelten SPE-Leiterplatten-Steckverbinders entschieden. Diese Anordnung erlaubt eine kompaktere Bauform als ein waagerechtes Steckgesicht und maximale Platzersparnis auf der Leiterplatte. Verglichen mit konventionellen RJ45-Steckverbindern wird so die doppelte Packungsdichte erzielt (Bild 1).
Hohe Signalintegrität mit einem senkrechten Steckgesicht?
Ein gewinkelter Leiterplatten-Steckverbinder mit einem senkrecht angeordneten Steckgesicht erfordert unterschiedliche Kontaktlängen. So betragen die gestreckten Längen der Kontakte 11,3 und 15 mm (Bilder 2 und 3). Steht die Längendifferenz von 3,7 mm im Widerspruch zu den Symmetrieanforderungen einer differentiellen Signalübertragung?
Dieser Fragestellung wurde bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung höchste Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb lag ein Schwerpunkt der Entwicklungsaktivitäten auf einer sorgfältigen Analyse der Signalintegrität und Laufzeitunterschiede. Am Anfang stand die Auswahl geeigneter Bewertungskriterien. Es folgten erste theoretische Abschätzungen sowie Simulationen an den frühen Entwicklungskonzepten. Später schlossen sich die Messungen an Prototypen und Serienartikeln mit dem eindeutigen Ergebnis an: Der gewinkelte SPE-Leiterplatten-Steckverbinder von Phoenix Contact übertrifft die Anforderungen der IEC 63171.
SPE-Steckverbinder: Bewertungskriterien für die Signalintegrität
Die IEC 63171 definiert die Anforderungen an die Signalintegrität eines SPE-Steckverbinders. Hier sind beispielsweise Grenzwerte für die Einfügedämpfung (IL) und die Unsymmetriedämpfungen (TCL, TCTL) spezifiziert. Diese Parameter ermöglichen schon eine vollständige Bewertung eines SPE-Steckverbinders im Hinblick auf die durch Laufzeitunterschiede verursachte Dämpfung und Modenkonversion.
Zur weiteren Beurteilung sind eine direkte Messung und Evaluierung des Laufzeitunterschieds entscheidend. Die Herausforderung besteht in der Auswahl eines passenden Referenzwerts, da die IEC 63171 diesen Parameter nicht konkretisiert. Ein erster Anhaltspunkt findet sich in der DIN EN 60603-7-51. Diese Bauartspezifikation aus dem RJ45-Bereich legt einen Laufzeitunterschied von max. 1,25 ns zwischen den verschiedenen Leiterpaaren eines RJ45-Steckverbinders fest.
Anwenderkongress Steckverbinder
12. - 14. Juni 2023 in Würzburg
Optimierung der Signalintegrität und Impedanz von SPE-Steckverbindern
Sebastian Stamm von Phoenix Contact referiert auf dem diejährigen Leitkongress zu Trends und Einsatz moderner Steckverbinder und beantwortet Ihnen Fragen zum Schwerpunkt Single Pair Ethernet. Erfahren Sie u.a. detailliertes Wissen zu:
Einflussgrößen auf die Impedanz von Steckverbindern,
Schnittstelle zwischen der mechanischen Auslegung und der Signalintegrität in der Steckverbinder-Entwicklung,
Welchen Mehrwert SPE bei ersten Applikationen bietet.
Verpassen Sie nicht die in Europa einzigartige Veranstaltung zu den Themen Steckverbinder-Design, Design-in, Werkstoffe, Qualifizierung und Einsatz von Steckverbindern mit Top-Referenten aus Industrie und Forschung. Freuen Sie sich zudem auf eine der umfangreichsten Fachausstellungen der Branche. Jetzt informieren und Ticket sichern!
Diese Anforderung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit dem Laufzeitunterschied innerhalb eines differentiellen Leiterpaares. Offensichtlich gibt es hier normativ keine Anforderungen – was, wie oben beschrieben, auch nicht notwendig ist, weil das System bereits vollständig durch die Übertragungsanforderungen beschrieben ist. Daher wird als weitere Referenz der Laufzeitunterschied im Paar einer hochwertigen Twisted-Pair-Leitung betrachtet.
Das Messprinzip für die Signalintegrität
Vektorielle Netzwerkanalysatoren erlauben eine sehr genaue Bestimmung der Laufzeit. Eine Möglichkeit ist die Messung der Phase, aus der sich die Laufzeit berechnen lässt.
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Bild 4 zeigt den Versuchsaufbau bei der Phasenmessung einer 2 m langen Twisted-Pair-Leitung. Diese Messung ist die Basis für die Ermittlung des Referenzwerts.
In einem ersten Schritt erfolgt die Kalibrierung mit einem elektronischen Kalibrierkit an den Enden der koaxialen Messleitungen. Danach wird die Phase der Transmissions-Streuparameter zwischen den Kalibrierebenen gemessen. Bild 5 stellt die gemessenen Phasengänge der beiden Adern im Frequenzbereich von 300 bis 500 MHz dar.
In diesem Frequenzbereich ist jeweils ein vollständiger Phasensprung auf beiden Adern zu erkennen. Jeweils zu Beginn und Ende des Phasensprungs werden die Phase und die Frequenz abgelesen und in Gleichung 1 eingesetzt. Daraus ergeben sich Laufzeiten von 9,63 und 9,60 ns für die beiden Adern.
Folgerichtig liegt ein Laufzeitunterschied von 0,03 ns innerhalb des Paares der Twisted-Pair-Leitung vor. Mögliche Ursachen können kleinste Unterschiede in den Materialien oder in den Geometrien der Adern oder der Aderisolierungen sein, beispielweise durch Fertigungstoleranzen bei der Verdrillung des Leiterpaares.
Da es sich bei der betrachteten Twisted-Pair-Leitung um ein Produkt aus dem mehrpaarigen Ethernet-Bereich handelt, ist davon auszugehen, dass aktuelle Übertragungssysteme mit derartigen Laufzeitunterschieden zuverlässig arbeiten. Deshalb kann dieser Laufzeitunterschied als Referenzwert für die Bewertung des gewinkelten Leiterplatten-Steckverbinders herangezogen werden.
Kontaktlängendifferenz und Symmetrieanforderungen
Jetzt kann die oben skizzierte Frage nach einem möglichen Widerspruch zwischen der Kontaktlängendifferenz und den Symmetrieanforderungen einer differentiellen Signalübertragung sicher beantwortet werden. Dazu wird der gewinkelte Leiterplatten-Steckverbinder im gesteckten Zustand mit einem IEC 63171-2-Feldsteckverbinder vermessen. Beide Prüflinge werden mit exakt gleichlangen Semi-Rigid-Leitungen an einen vektoriellen Netzwerkanalysator angeschlossen (Bilder 6 bis 8).
Wieder wird die Phase der Transmissions-Streuparameter ermittelt (Bild 9). Im untersuchten Frequenzbereich sind jeweils zwei Phasensprünge auf beiden Leitern zu erkennen, die zur Berechnung der Laufzeiten genutzt werden. Im Frequenzbereich von ca. 790 MHz bis ca. 2,39 GHz betragen die Laufzeiten 0,649 und 0,631 ns. Die Differenz liegt bei 0,018 ns. Im Frequenzbereich von ca. 2,33 GHz bis ca. 4,1 GHz machen die Laufzeiten 0,595 und 0,583 ns aus, die Differenz beträgt 0,012 ns.
Beide Werte sind kleiner als der Referenzwert von 0,02 ns, der für den Laufzeitunterschied in einem Paar einer 2 m langen Twisted-Pair-Leitung festgestellt wurde.
Spezifizierte und gemessene Übertragungseigenschaften
Abschließend werden die von der IEC 63171 spezifizierten Übertragungseigenschaften des Steckverbinder-Paares vorgestellt. Ihre Bestimmung erfolgt durch eine Streuparameter-Messung entsprechend Bild 10.
Die Diagramme in Bild 11 veranschaulichen die gemessenen Übertragungseigenschaften des SPE-Steckverbinderpaares. Das SPE-Portfolio von Phoenix Contact ist gemäß IEC 63171 Kategorie B bis 600 MHz freigegeben. Normativ ist heute eine maximale Bandbreite von 1,25 GHz nach Kategorie C vorgesehen. Die betrachteten Steckverbinder erfüllen beide Anforderungen sicher und sind sogar bei noch höheren Frequenzen sehr performant.
Fazit: Der gewinkelte Leiterplatten-Steckverbinder übertrifft die Anforderungen der IEC 63171 und verursacht weniger Laufzeitunterschied als eine typische 2 m lange Twisted-Pair-Leitung. Eine Kontaktlängendifferenz mag aus Sicht der Signalintegrität zunächst unkonventionell erscheinen. Diese Einschätzung trifft im hohen Gigahertz-Bereich sicherlich zu.
Der Frequenzbereich aktueller und zukünftiger SPE-Applikationen wird jedoch maximal im unteren Gigahertz-Bereich liegen. Dort spielen kleine Asymmetrien keine Rolle. Phoenix Contact hat diesen Gestaltungsfreiraum gezielt zur konsequenten Miniaturisierung genutzt, um dem Markt ein kompaktes SPE-Portfolio mit höchster Packungsdichte zu präsentieren. (KR)
Literatur
[1] Ostwald, Olaf: In: Group and Phase Delay Measurements with Vector Network Analyzer ZVR. Application Note 1EZ35_1E. Rohde & Schwarz (Hrsg.): o. O.: 10.07.1997
* Sebastian Stamm ist in der Produktentwicklung für Datensteckverbinder bei Phoenix Contact in Blomberg tätig.