Unternehmensspionage Valeo verklagt Nvidia: Geschäftsgeheimnisse landeten bei der Konkurrenz

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der Automobilzulieferer Valeo klagt gegen Chipsatzentwickler Nvidia, denn ein ehemaliger Angestellter von Valeo soll Geschäftsgeheimnisse mit zu Nvidia genommen haben. Das flog auf und nun beschäftigt sich ein US-Gericht mit dem Fall.

Es gibt nicht nur Angreifer von außen, für die der Einbruch in ein Unternehmensnetzwerk attraktiv ist.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Es gibt nicht nur Angreifer von außen, für die der Einbruch in ein Unternehmensnetzwerk attraktiv ist.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Datensicherheit ist in der Elektronikbranche ein großes Thema, in den meisten Fällen schauen die meisten dabei aber auf die Datenentwendung und -verschlüsselung durch Ransomware. Dass der "Feind" sich in den eigenen Reihen verbirgt, das wird da eher seltener erwartet. Aber man sollte niemals nie sagen, wie ein Fall zeigt, der Ende November 2023 bekannt geworden ist. Bereits Anfang November hat der Automobilzulieferer Valeo Schalter und Sensoren GmbH Klage gegen den US-amerikanischen Chipsatzentwickler Nvidia Corporation eingereicht. Das Dokument dazu lässt sich öffentlich einsehen.

Es handelt sich dabei um eine Klage wegen unbefugter Verwendung von Geschäftsgeheimnissen. Die Einleitung des Dokuments zeigt, dass der Diebstahl der Valeo-Ideen unter Umständen gar nicht aufgefallen wäre. Ein glücklicher Zufall hat geholfen.

Geschäftsgeheimnisse klauen – Entwicklungskosten sparen

Valeo beschuldigt die Leute von Nvidia, dass der US-amerikanische Konzern Millionen Dollar an Entwicklungskosten gespart hat, weil ein ehemaliger Valeo-Mitarbeiter beim Jobwechsel Geschäftsgeheimnisse mit zu Nvidia genommen habe.

Während Valeo bereits seit Jahrzehnten ein Innovator im Feld der automobilen Fahrassistenzsysteme ist, ist Nvidia erst vor wenigen Jahren in die Automobil-Sparte eingetreten. Bekannt ist Nvidia vor allem für die Entwicklung von GPUs und jüngst als Treiber für KI. Folgendes soll nun also laut der eingereichten Klage geschehen sein.

Nvidia hat sich nach einigen Jahren und Erfahrungen mit Hardware-Systemen für die Automobilbranche entschieden, sich bei einem großen Hersteller von Originalteilen für Automobile (OEM) zu bewerben. Dabei ging es um die Software-Entwicklung einer fortschrittlichen Einparkhilfe. Nvidia bewarb sich auf den Vertrag und erhielt den Zuschlag, „unbeeindruckt von ihrem vollständigen Mangel in der Entwicklung von Parkhilfe-Software für die Automobilindustrie“, betonen die Leute von Valeo im Dokument.

Von Valeo zu Nvidia: Wechsel der Seiten

Ein Software-Engineer von Valeo, der an der Entwicklung und dem Coding der Einparkhilfe-Software beteiligt gewesen war, erkannte zur selben Zeit, so heißt es, dass sein Wissen für die Leute von Nvidia sehr wertvoll sein würde. Dieser Angestellte, der im Dokument genannt wird, Mohammad Moniruzzaman, stahl daraufhin heimlich Zehntausende digitaler Dokumente und 6 GB an Source Code, eignete sich obendrein einen Berg von Office-Dokumenten und PDF-Dateien an.

Einige Monate später, im August 2021, beendete Moniruzzaman sein Arbeitsverhältnis mit Valeo und brachte all die wertvollen Daten zu Nvidia, wo er eine Senior-Position erhielt und an dem Projekt für den OEM arbeitete, für das Nvidia den Zuschlag erhalten hatte.

Wie der Diebstahl der Geschäftsgeheimnisse doch entdeckt wurde

Wie zuvor erwähnt, wäre der Diebstahl vielleicht gar nicht aufgeflogen, hätte nicht der Zufall eine Rolle gespielt. Denn dass die Daten gestohlen worden waren, wurde in den sechs Monate nach dem Wechsel von Moniruzzaman nicht bemerkt … bis es im März 2022 zu einer folgenschweren Videokonferenz kam.

Im Vertrag mit dem OEM war festgelegt worden, dass es Meetings mit den Ingenieuren von Valeo und Nvidia geben sollte, damit vonseiten Nvidias Fragen zu Valeos Ultraschall-Hardware und Hardware-Daten beantwortet werden konnten. Zur Erinnerung: Nvidia sollte lediglich die Software liefern. Während des Meetings teilte Moniruzzaman seinen Bildschirm, auf dem kurzzeitig eine geöffnete, originale Valeo-Datei mit Quellcode zu sehen war. Die Valeo-Leute erkannten den Source Code und machten schnell einen Screenshot, bevor Moniruzzaman sein Fehler auffiel.

Wie eine IT-Untersuchung bei Valeo daraufhin enthüllte, hatte Moniruzzaman sich Monate zuvor die Daten angeeignet. Deutsche Behörden beschlagnahmten später Moniruzzamans Nvidia-PC, auf dem die gestohlenen Daten gefunden wurden. Der Beschuldigte versuchte gar nicht erst, die Vorwürfe zu entkräften.

Obwohl Moniruzzaman geständig ist, klagt Valeo dennoch gegen Nvidia. Denn, so die Anwälte von Valeo, „die Ermittlungen werden wahrscheinlich zeigen, dass Nvidias Verwendung der Geschäftsgeheimnisse von Valeo weit über die bereits zugegebenen Anwendungen hinausgeht.“ Wenn Nvidias Verwendung der Daten und die unbefugte Aneignung ungeahndet blieben, dann wäre das Vorgehen eine Blaupause für zukünftige Fälle von Unternehmensspionage.

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Update vom 5. Dezember 2023: Es wurde ein Fehler korrigiert, Valeo ist ein französisches Unternehmen. (sb)

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