Innovatives Herstellungsverfahren Gesamte Verschaltung von Touch-Displays in einem Schritt
Das Saarbrücker Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) hat eine Produktionsmethode entwickelt, die die Herstellung der Leiterbahnen von Touch-Displays in einem Arbeitsgang erlaubt.
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Wenn Nutzer ihre Smartphones und Tablets bedienen, machen sie sich über die dahinter steckende Elektronik keine Gedanken. Hauptsache, das Wischen und Tippen klappt einwandfrei. Damit die Touchscreens funktionieren, sind sie auf der Oberfläche mit mikroskopisch kleinen elektrischen Leiterbahnen versehen, die auf den Druck der Finger Schaltkreise öffnen und schließen.
In den Rändern der Geräte laufen diese mikroskopischen Bahnen zu größeren Leiterbahnen zusammen. Bisher mussten die Leiterbahnen in mehreren Produktionsstufen erzeugt werden. Die Forscher des INM stellen jetzt ein neues Verfahren vor, das die Herstellung mikroskopischer und makroskopischer Leiterbahnen in einem Schritt ermöglicht.
Für das Verfahren nutzen die Entwickler die Möglichkeit der Photometallisierung: Farblose Silberverbindungen wandeln sich mit einer photoaktiven Schicht beim Einwirken von UV-Licht in elektrisch leitendes Silber um. Über unterschiedliche Methoden lässt sich die Silberverbindung in Form von Bahnen oder anderen Strukturen auf Kunststoff-Folien oder Glas aufbringen.
Dabei lassen sich verschieden große Bahnen bis zur kleinsten Größe von einem Tausendstel Millimeter darstellen. Durch Belichtung mit UV-Licht entstehen dann die entsprechenden Leiterbahnen. Zuerst werden die Folien oder Glas mit einer photoaktiven Schicht aus Metalloxid-Nanopartikeln überzogen. „Anschließend bringen wir die farblose, UV-stabile Silberverbindung auf“, erklärt Peter William de Oliveira, Leiter des Programmbereichs Optische Materialien.
Durch die Belichtung dieser Schichtfolge zersetzt sich die Silberverbindung an der photoaktiven Schicht und die Silber-Ionen werden zu metallischem, elektrisch leitendem Silber reduziert. Dieses Verfahren berge mehrere Vorteile: Es sei schnell, flexibel, größenvariabel, kostengünstig und umweltfreundlich. Weitere Prozess-Schritte für die Nachbehandlung entfielen.
Mit diesem Grundprinzip können die Forscher am INM sehr individuell Leiterbahnen aufbringen. „Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, die wir je nach Anforderung nutzen können: Das Schreiben von Leiterbahnen mittels UV-Laser eignet sich besonders gut für die erste, maßgeschneiderte Anfertigung und das Austesten eines neuen Leiterbahn-Designs. Für die Massenproduktion ist diese Methode jedoch zu zeitaufwendig“, erläutert der Physiker de Oliveira.
Eingabesysteme
Der Siegeszug des kapazitiven Touchdisplays
Auch Photomasken, die nur an den gewünschten Positionen UV-durchlässig sind, können für die Strukturierung genutzt werden. „Für einen „semikontinuierlichen Prozess“ eignen sie sich besonders für das Aufbringen der Leiterbahnen auf Glas“, sagt der Materialexperte.
Zurzeit arbeiten die Forscher intensiv an einer dritten Methode, der Nutzung durchsichtiger Stempel: „Diese Stempel verdrängen die Silberverbindung mechanisch; Leiterbahnen entstehen dann nur dort, wo noch Silberverbindung vorhanden ist“, meint de Oliveira.
„Da die Stempel aus einem weichen Kunststoff bestehen, kann man sie auf einer Rolle anordnen. Weil sie durchsichtig sind, arbeiten die Forscher am INM nun daran, die UV-Quelle direkt in die Rolle einzubetten. Somit wären die ersten Schritte für ein Rolle-zu-Rolle Verfahren getan“, fasst der Programmbereichsleiter zusammen. Damit ließen sich Leiterbahnstrukturen unterschiedlicher Größe auf Folien im Großmaßstab herstellen.
Das Saarbrücker INM zeigt dieses und weitere Forschungsergebnisse am 16. und 17. Juni als eines der wenigen deutschen Institute, die auf der TechConnect World in der US-Hauptstadt Washington D.C. vertreten sind. In Kooperation mit dem Verein Deutscher Ingenieure präsentiert es seine aktuellen Entwicklungen.
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