Einkaufsprozesse beim Baugruppenproduzenten Ganzheitliche Materialwirtschaft schließt Preis-, Lieferanten und Logistikmanagement ein

Autor / Redakteur: Hubertus Andreae, dreiplus - praxisbegleitende Innovationsförderung / Claudia Mallok

Der Einkauf bei den Baugruppenproduzenten steht vor einer vollständigen Neuausrichtung. Verantwortlichkeiten, die weit über Liefertermine und Materialpreise hinausgehen, bestimmen das neue Tätigkeitsprofil des Einkäufers, der sich zum Prozessmanager wandeln muss. Zu seiner Aufgabe Leiterplatten und elektronischen Bauteile zu beschaffen, kommen Preis-, Lieferanten- und Logistikmanagement.

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Die Anforderungen an Baugruppenproduzenten werden immer anspruchsvoller: kurze Lieferzeiten, günstige Abgabepreise, Risikoübernahme, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit bei hoher Prozesssicherheit und Prozessqualität sind nur einige Beispiele. Einkauf und ganzheitliches Materialmanagement sind daran maßgeblich beteiligt und für den größten Kostenblock eines Baugruppenproduzenten verantwortlich: 65 bis 75% macht der Materialanteil an den Gesamtkosten einer elektronischen Baugruppe aus.

Allerdings bilden die Einkaufsorganisationen und Einkaufskonzepte bisher nicht die hohe Dynamik und Anforderungen von heute ab. Prozessverkettung, Lieferantenmanagement und die Prozessunterstützung durch die verwendeten IT-Systeme sind unzureichend. Dieses Defizit ist erkennbar an schlechten Prozesskennzahlen und Prozessstörungen:

  • Lagerreichweiten von 3 bis 4 Monaten,
  • Materialkomplettierungsgrad von geplanten Aufträgen von <80% vor Fertigungsstart,
  • Liefertreue auf Basis eigner Auftragsbestätigung von <70%,
  • Angebotskalkulationen, die durch zu teures Material nur zu ca. 20% zu Aufträgen führen,
  • Materialabschreibung von 5 bis 10% pro Jahr,
  • Fertigungsprozessstörung verursacht durch Materialwirtschaftsprobleme,
  • Wareneingangsdurchläufe von 1 bis 3 Tagen,
  • Materialgemeinkosten, die mit 10 bis 20% nur knapp die laufenden Kosten abdecken,
  • Preisschwankungen innerhalb von den Vertragslaufzeiten,
  • zu lange Materialwiederbeschaffungszeiten,
  • kein ABC-differenziertes Beschaffungs- und Lagermanagement;

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