Fragmentierung des Chipmarkts Führende europäische Chiphersteller besorgt über zunehmend nationalistische Politik

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Im Zuge der Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen haben sich die CEOs von Infineon, ST Microelectronics und NXP in einer gemeinsamen Erklärung besorgt über die zunehmende nationalistische Industriepolitik in den USA und China, aber auch im EU-Raum gezeigt. Die Forderung, dass jeder dieser Märkte seine eigene Halbleiterproduktion haben müsse, stelle ein immer größeres Hindernis für die Wirtschaft dar.

Die Geschäftsführer Jean-Marc Cheri (ST Microelectronics), Jochen Hanebeck (Infineon) und Kurt Sievers (NXP) sprachen zum Start der Fachmesse Electronica mahnende Worte hinsichtlich der zunehmend nationalistischen poltischen Maßnahmen und der damit Verbundenen Fragmentierung des Halbleitermarkts.(Bild:  Messe München GmbH)
Die Geschäftsführer Jean-Marc Cheri (ST Microelectronics), Jochen Hanebeck (Infineon) und Kurt Sievers (NXP) sprachen zum Start der Fachmesse Electronica mahnende Worte hinsichtlich der zunehmend nationalistischen poltischen Maßnahmen und der damit Verbundenen Fragmentierung des Halbleitermarkts.
(Bild: Messe München GmbH)

Der Umstand, dass Donald Trump bei den jüngsten Wahlen in den Vereinigten Staaten erneut zum US-Präsidenten berufen wurde, hat die Geschäftsführer der drei führenden europäischen Chiphersteller zu einem seltenen gemeinsamen Statement bewogen. Die CEOs von Infineon, STMicroelectronics und NXP sprachen auf dem Electronica-Forum in München den Umstand an, dass ihre Unternehmen unter der Unsicherheit und dem Trend zu einer nationalistischen Industriepolitik der letzten zehn Jahre merklich gelitten hätten - und, dass sich diese Tendenz durch den Ausgang der Präsidentschaftswahl nur noch weiter verschärfen dürfte.

Die Fragmentierung des Marktes erhöht die Preise und erschüttert die Lieferketten

„Die Gefahr ist, dass wir diese Fragmentierung beschleunigen werden“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck im Rahmen der diese Woche gestarteten Elektronikmesse Electronica in München. „Die Fragmentierung findet auf der Angebotsseite statt, und mit den Zöllen, die an die Wand geschrieben sind, wird sie möglicherweise noch schlimmer“.

Infineon, ST Microelectronics und NXP sind wichtige Lieferanten von Chips, die in Autos, Stromsteuerungen und der Industrie eingesetzt werden. Alle drei Unternehmen machen derzeit gute Geschäfte in China, da der dortige Markt für Elektrofahrzeuge boomt. Im Vergleich dazu schwächeln andere Chip-Märkte auf der ganzen Welt weiterhin. Alleine High-End-Chips für fortschrittliche Anwendungen in der künstlichen Intelligenz stellen hier einen Wachstumsmarkt dar.

Jean-Marc Chery, CEO von STMicroelectronics, erklärte, dass die Wiederherstellung von Liefer- und Produktionsketten auf verschiedenen Kontinenten zur Herstellung von Chips „aus China für China und aus dem Westen für den Westen“ sowohl materiell als auch technisch sehr kostspielig gewesen sei. „Herzlichen Glückwunsch an den neuen US-Präsidenten.“ Chery sagte zum Geschäft in China: „Das ist der Markt, dem wir nicht entkommen wollen, sondern den wir weiterhin unterstützen wollen. Wir wollen nur, dass die Welt uns Stabilität bietet. Wir können uns an Veränderungen anpassen, aber wenn wir uns alle sechs Monate ändern, ist es schwierig“.

Kurt Sievers, CEO von NXP Semiconductors, betonte, dass kein Land in der Lage sein wird, die Chipindustrie zu dominieren oder vom Rest der Welt unabhängig zu sein. „Wenn es möglich wäre, würde es so teuer werden, dass sich kein Verbraucher ein Gerät leisten könnte, das Chips verwendet“, sagte er. „Und ich bin sicher, dass jede Regierung das mit der Zeit verstehen wird. (sg)

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