Die Fraunhofer-Gesellschaft zählt heute zu den größten Organisationen für angewandte Forschung in Europa: Rund 32.000 Beschäftigte arbeiten in einem Netzwerk aus Instituten und Standorten. Wir beleuchten, wie sich die international sichtbare Forschungsorganisation entwickelte.
Die Fraunhofer-Gesellschaft, die in Kurzform Fraunhofer genannt wird, ist ein eingetragener Verein, der am 26. März 1949 in München gegründet wurde. Der vollständige Name, nämlich „Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung“, zeigt gut, was die Arbeitsfelder der Fraunhofer sind. Die Gesellschaft arbeitet international mit Partnern und betreibt Standorte im Ausland, verfügt zu diesem Zweck über zahlreiche Institute und kooperiert mit anderen Gesellschaften wie der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gesellschaft.
Mit etwa 32.000 Mitarbeitern ist die Fraunhofer-Gesellschaft europaweit Spitzenklasse und als eine der größten Organisationen für angewandte Forschung und Entwicklung etabliert. Weltweit bekannt wurde die Fraunhofer, da sie durch ihre unmittelbare Forschungsarbeit das digitale Audioformat MP3 entwickelte. Der Todestag des Namensgebers Joseph von Fraunhofer jährt sich 2026 zum 200. Mal. An dieser Stelle geht es um die Geschichte und die Aufgaben der Fraunhofer-Gesellschaft. In diesem Jahr wird die Fraunhofer übrigens ihren 77. Geburtstag feiern.
Die Gründung der Fraunhofer in München erfolgte im Jahr 1949 durch Wissenschaftler und Industrielle, die im Zuge des Wiederaufbaus von Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gesellschaft ins Leben rufen wollten, die Wissenschaft und Produktion vereint. Beginnend mit 103 Mitgliedern, mauserte sich die Fraunhofer schon nach drei Jahren, 1952, zu einer derart wichtigen Institution, dass sie vom Bundeswirtschaftsministerium sowie dem Stifterverband den Status als eine von drei Säulen für die Forschung außerhalb von Universitäten erhielt. Die beiden anderen Säulen waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft.
Mitte der 1950er kamen erste eigene Institute zur Fraunhofer dazu, unter anderem auch ab 1956 in Zusammenarbeit mit dem Bundesverteidigungsministerium. Dabei sprechen wir aber nicht von besonders großen Instituten: Ende der 1950er-Jahre waren es neun Fraunhofer-Institute mit insgesamt 135 Mitarbeitern, also im Durchschnitt 15 Mitarbeitern. Im Jahr 1969 zählte die Fraunhofer 1.200 Mitarbeiter, die auf 19 Institute und eine Verwaltung verteilt waren. Das Budget betrug damals 33 Millionen DM. Eine Kommission schlug damals vor, dass die Fraunhofer künftig eine Basisfinanzierung erhalten sollte, die von den Erfolgen bei der Beschaffung von Forschungsaufträgen abhängt. Der Einsatz im Bereich der militärischen Forschung wurde 1968 öffentlich stark kritisiert, was auch mit der pazifistisch motivierten 68er-Bewegung zu tun hatte.
Die 1970er- bis 1990er-Jahre
Die von der Kommission gegen Ende der 1960er-Jahre vorgeschlagene Basisfinanzierung wurde 1973 als sogenanntes „Fraunhofer-Modell“ vom Staat verabschiedet und eingeführt. Vorstand und Verwaltung, die zuvor noch räumlich getrennt waren, befanden sich nun an einer gemeinsamen Adresse. Außerdem etablierte sich ein Fraunhofer-Programm, das vertraglich vereinbarte Forschungsprojekte für kleinere und mittlere Unternehmen förderte. Ab Ende der 1970er-Jahre waren zivile und verteidigungsnahe Forschungsbereiche organisatorisch und politisch getrennt zu steuern. Was die Förderung der zivilen Forschungsbereiche der Fraunhofer anging, so waren der Bund zu 90 Prozent und die Länder zu 10 Prozent in der Verantwortung.
Mitte der 1980er-Jahre arbeiteten 3.500 Angestellte in 33 Instituten für die Fraunhofer, wobei das Budget bei 360 Millionen DM lag. Das entspricht mit Inflation heute etwa 420 Millionen Euro. Bis 1989 stieg die Mitarbeiterzahl rapide auf 6.400 an, verteilt auf 37 Institute und mit einer finanziellen Basis von 700 Millionen DM pro Jahr (mit Inflation heute etwa 770 Millionen Euro). Durch die 1991 vollzogene Wiedervereinigung kamen ehemalige DDR-Institute mit dazu. Obendrein wurden einige Forschungsstätten in einen Status als Außenstelle von bereits vorhandenen Instituten überführt.
Mit der zunehmenden Bedeutung streckte die Fraunhofer-Gesellschaft in den 1990er-Jahren ihre Fühler auch ins Ausland aus, auch nach Asien und in die USA, um ein internationales Netzwerk aufzubauen. 1993 stellte sich die Fraunhofer mit dem sogenannten „Leitbild 2000“ offiziell als weltweit agierende Organisation für angewandte Forschung auf, die markt- und kundenorientiert arbeitet.
Weltweite Aufmerksamkeit dank des MP3-Codecs
Im Jahr 2000 erreichte eine vom IIS (Institut für Integrierte Schaltungen) entwickelte Innovation weltweiten Ruhm, obgleich möglicherweise die Musikindustrie und auch manch ein Musiker darüber nicht besonders glücklich war. Weltweit bekannt wurde Fraunhofer unter anderem durch seine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung von MP3, das als Teil des MPEG-Standards 1993 als ISO/IEC-Standard veröffentlicht wurde. Mittlerweile hat ein Großteil der Menschheit dieses Format bereits einmal genutzt. Mit der immer stärkeren Verbreitung des Internets ab Mitte der 1990er-Jahre begann der Siegeszug des MP3-Formates. Selbst mit einer eher kleineren Komprimierung für eine hohe Qualität, die mit dem Hören einer CD mit einer haushaltsüblichen Stereoanlage zu vergleichen ist, belegt das MP3-Format weniger als zehn Prozent des Speicherplatzes, den das zuvor übliche WAV-Audioformat benötigt.
Stand: 08.12.2025
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Statt für den Download per in den 1990er-Jahren noch üblichem 56-K-Modem drei Stunden pro Song warten zu müssen, verringerte sich die Wartezeit bei einer typischen MP3 auf eher nur 10 bis 20 Minuten – Musik verbreitete sich daher in Windeseile über das Internet und war vor allem über Tauschbörsen kostenfrei abrufbar. Wegen eines fehlenden Unrechtsbewusstseins sowie der Tatsache, dass die Musikindustrie zunächst rechtlich nicht reagierte, luden unzählige Nutzer nun Musik herunter und verzichteten oftmals auf Albumkäufe. Die Umsätze der Musikbranche brachen ein und erholten sich erst, als immer häufiger rechtliche Schritte erfolgten und parallel dazu offizielle Download-Portale und schließlich auch Streaming-Angebote entstanden. Diese Entwicklung hatten die Forscher der Fraunhofer ganz sicher nicht im Sinn, als sie das MP3-Format erfanden.
Die 2000er-Jahre mit Querelen
Die Jahre 2000 bis 2020 waren geprägt von einer großen Vielzahl an neuen Instituten und Forschungsanlagen sowie Fusionen. Diese alle einzeln aufzuführen, würde jeglichen Rahmen sprengen. Durch die Eingliederung der GMD – Forschungszentrum für Informationstechnik und Wachstum überschritt der Haushalt Anfang der 2000er erstmals eine Milliarde Euro. Ebenso bemerkenswert ist, dass die Fraunhofer nach einem Umzug des Hauptsitzes im Jahr 2003 ein neues Leitbild bekanntgab, um den Mitarbeitern zu verdeutlichen, dass es weiterhin eher um eine Mission geht, bei der sie kreativ arbeiten können. Gleichzeitig vergaß man aber nicht den Draht zur Industrie und Wirtschaft, denn für die wissenschaftliche Weiterbildung auch von externen Fachkräften aus der Wirtschaft wurde 2006 in München zudem die Fraunhofer Academy ins Leben gerufen.
2008 geriet die Fraunhofer-Gesellschaft in Negativschlagzeilen. Der Bundesrechnungshof monierte das Reiseverhalten einiger Vorstandsmitglieder. Acht Jahre später stellte man fest, dass das Bundesreisekostengesetz in vielen Fällen von Vorstandsmitgliedern nicht beachtet wurde – unter anderem kam es zu massiv überhöhten Übernachtungskosten sowie zu einem mutmaßlichen Fehlverhalten bei der Dienstwagennutzung und dem Abrechnen von Repräsentationskosten. Ein Vorstandsmitglied der Fraunhofer zahlte im Jahr 2021 einen Betrag von 3.500 Euro zurück. Bis 2022 gab es mehrere personelle Veränderungen im Vorstand, teils ‚einvernehmlich‘ oder ‚aus persönlichen Gründen‘.
Der damalige Präsident Reimund Neugebauer verkündete im Herbst 2022 seinen vorzeitigen Abschied zum 30. September 2023, verließ sein Amt dann aber bereits im Mai 2023. Das Vorstandsmitglied Alexander Kurz wurde zudem am 1. September abberufen – gegen Neugebauer und Kurz stehen noch mögliche Schadenersatzansprüche im Raum. Seit dem Ausscheiden von Reimund Neugebauer ist der Maschinenbauingenieur Holger Hanselka der Präsident der Fraunhofer.
Das Erfolgsmodell Fraunhofer-Gesellschaft
Auch wenn es in jüngster Vergangenheit einige dunkle Wolken in den Chefetagen gab, so ist die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren derzeit 75 Instituten und Forschungsanlagen kaum aus der deutschen Forschungslandschaft wegzudenken. Die Verbindung aus nicht-universitärer Forschung und Entwicklung von Innovationen für die Wirtschaft stellt einen starken Bund dar, der die Vorteile von wissenschaftlicher Arbeit und produktivem Denken versucht zu vereinigen.
Obwohl eng mit dem Staat verbunden, entfällt von dem jährlichen Budget in Höhe von 3,6 Milliarden Euro der größte Teil auf vertraglich vereinbarte Forschungsaufträge und nicht auf staatlich garantierte Basismittel. Das 1973 eingeführte Fraunhofer-Modell war dabei wegweisend und sorgt dafür, dass die Fraunhofer mehr Gelder erhält, wenn sie auch privatwirtschaftlich für höhere Umsätze sorgt. Um dies alles umzusetzen, sind die zahlreichen Institute verwaltungstechnisch gesehen nicht unabhängig, sondern stets ein Teil der Fraunhofer-Gesellschaft. Allerdings können die Institute in der Praxis sehr frei arbeiten, was in rein wirtschaftlich orientierten Unternehmen nicht immer der Fall wäre. Die Mitarbeiter in den Instituten wissen dabei, dass für die Finanzierung ihrer Arbeit stets ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wissenschaft und praktischen, kommerziell auch nutzbaren Ergebnissen wichtig ist. (sb)