Lambda Technology kombiniert Projektförderung und Forschungszulage, vermeidet dabei aber eine Doppelförderung, die es rechtlich nicht geben darf. Nachahmen empfohlen.
Gunther Ackermann ist Geschäftsführer vom Trocknungs- und Aushärte-Spezialisten Lambda Technology.
(Bild: Lambda Technology)
„Fördergelder sind für uns als innovatives, mittelständisches Unternehmen existenziell wichtig“, sagt Gunther Ackermann. Er ist Geschäftsführer von Lambda Technology. Der Ingenieur mit knapp 40 Jahren Berufserfahrung entwickelt mit seinem 17-köpfigen Team Trocken- und Aushärtungsverfahren für Kunststoffe, Farben und Lacke durch UV- und Infrarotlicht sowie deren Kombination.
Ein Coup aus der jüngsten Vergangenheit ist ein Strahler, der Nahes Infrarot- (NIR) und UV-Licht nicht nur kombiniert, sondern auch getrennt steuern kann. Dadurch ist es möglich, unterschiedliche Trocknungs- und Aushärtungsprozesse sowohl in zeitlicher Abfolge als auch gleichzeitig durchzuführen. Eine weitere Besonderheit: Alle Bauteile des NIR-UV-Strahlers können unkompliziert im 3D-Druck hergestellt werden.
Der Spezialist aus Grafing bei München ist nicht nur in der Elektroindustrie gefragt, weil etwa Leiterplatten um die Hälfte schneller trocknen und dadurch Prozesse optimiert sowie Kosten reduziert werden, sondern auch Druck-, Verbund- und Automobilindustrie profitieren von den variablen Komplettlösungen.
Zweimal Fördergeld für zwei Projekte
Vor vier Jahren bekam das Unternehmen durch Unterstützung des Förderverstehers Partner für Innovation und Förderung (PFIF) knapp 130.000 Euro aus dem ZIM-Fördertopf. Ein weiteres Projekt wurde 2021 bewilligt – nochmals 220.000 Euro. Viel Geld für ein Unternehmen, das pro Jahr knapp über zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. In diesem Projekt wird ein neuartiges Trocknungsverfahren für Druckstraßen bis zu 55 Metern Länge entwickelt.
Bisher werden die wasserbasierten Beschichtungen mit einem Hitzesystem getrocknet, das sehr viel Energie verbraucht. Mit der Kombination von NIR- und UV-Strahlung soll der Verbrauch auf ein Drittel reduziert werden – so das Ziel des Projektes. Durch den drohenden Gasmangel und den extremen Preisanstieg kommt ein wesentlicher Aspekt hinzu: Der Energieträger ist Strom statt Gas und leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Industrie.
NIR-Modul 10: Die Strahler von Lambda Technology kombinieren Nahes-Infrarot- und UV-Licht und können diese auch getrennt steuern.
(Bild: Lambda Technology)
Projektförderung und Forschungszulage klar getrennt
Doch mit der klassischen Projektförderung enden die Beratungsleistungen von PFIF nicht. Seit Anfang 2020 gibt es die sogenannte Forschungszulage. Im Prinzip fördert der Bund damit die Personalkosten von Mitarbeitern, die in der Produktentwicklung tätig sind, mit 25 Prozent. Das Knifflige: Projektförderung und Forschungszulage müssen klar getrennt sein, eine Doppelförderung darf es nicht geben. Auch bei der korrekten Kostenermittlung und Dokumentation unterstützt der Dienstleister aus dem badischen Lahr.
Für zwei weitere Entwicklungsprojekte, die nicht für die Projektförderung geeignet waren, erhielt Lambda Technology in den vergangenen beiden Jahren rund 360.000 Euro Forschungszulage. Weil diese Projekte bei der Beantragung gleich auf mehrere Jahre angelegt wurden, hat das Unternehmen eine rechtsverbindliche Zusage auf weitere Zuwendungen von rund einer Million Euro.
„Diese Gelder sind für uns überlebenswichtig“, sagt Ackermann. Die Kosten allein für die Testgeräte liegen seiner Schätzung nach zwischen 600.000 und 700.000 Euro. Dazu kommen in der Firma Materialwerte in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Um erfolgreich zu sein, müsse man immer einen Fuß nach vorne setzen, so der Maschinenbauer, denn mit jedem Projekt wachse das Knowhow im Unternehmen und damit auch für die Kundenlösungen.
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Doch könnten er und sein Team schwer abschätzen, ob und vor allem wann eine Entwicklung für einen Industriepartner erfolgreich abgeschlossen wird. Das finanzielle Risiko ist hoch. „Wir haben uns durch die Corona-Pandemie gekämpft und die Förderung hat uns bilanziell gerettet“, sagt Ackermann. Dass dadurch der Druck etwas geringer wurde und mehr Zeit da war, um Themen kreativ zu entwickeln und zu einem optimalen Ende zu bringen, ist die Kehrseite der Medaille.
Sven Hoogen ist technischer Berater bei PFIF mit einer Ausbildung als Industriemechaniker und Projektingenieur.
(Bild: PFIF)
Mit Sven Hoogen, einem technischen Berater bei PFIF hat Ackermann seit 2020 einen Partner auf Augenhöhe: „Er begeistert sich für die Themen“. So habe sich der 28-jährige Industriemechaniker und Projektingenieur in die industrielle Trocknungs- und Prozesstechnologie eingearbeitet, kanalisiere die Projekte so, dass sie ideal zu den Fördertöpfen passen und formuliere die Anträge erfolgreich. „Ich bin schlicht dankbar, dass ich mich um die bürokratische Abwicklung nicht kümmern muss“, sagt Ackermann, der sich zwei, drei Mal monatlich mit seinem Berater trifft – telefonisch, per Videokonferenz und vor Ort.
Stand: 08.12.2025
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Hintergrund zur Forschungszulage
Unternehmen können 25 Prozent der projektbezogenen Personalkosten in der Forschung und Entwicklung als steuerliche Zulage erhalten. Zudem werden Entwicklungsaufträge an andere Firmen mit 15 Prozent berücksichtigt. Die maximale Förderung pro Jahr beträgt eine Million Euro, die mit der Unternehmenssteuer verrechnet oder bei Überschreiten der Steuerlast sogar ausbezahlt wird. Die Forschungszulage bietet folgende Vorteile gegenüber der Projektförderung:
Die Anforderungen an die F&E-Projekte sind geringer als bei der Projektförderung und beinhalten angewandte, produkt- oder verfahrensbezogene Entwicklungen, die den technologischen Stand im Unternehmen übertreffen.
Die Anträge werden schneller technisch genehmigt – in der Regel in weniger als drei Monaten.
Es ist möglich, rückwirkend eine Förderung von Projekten ab 2020 zu erhalten.
Es besteht nach der Zusage ein Rechtsanspruch auf den Erhalt der finanziellen Mittel. Damit ist die Forschungszulage für Unternehmen besonders gut planbar.