Einst war Loewe ein Pionier der Fernsehtechnik. Nun droht dem Traditionsunternehmen nach langjähriger Krise das endgültige Aus. Ab Juli werden nahezu alle Mitarbeiter freigestellt. Mehr als 400 Arbeitsplätze sind betroffen.
Loewe-Fernsehgeräte werden bei der Elektronikmesse IFA in Berlin auf dem Stand des Unternehmens gereinigt. Nach der drohenden Insolvenz 2014 wollte das fränkische Unternehmen neu durchstarten und mit „Qualität Made in Germany“ Kunden zum Kauf von luxuriösen High-End-TVs überzeugen. Nun ist die Zukunft der verbliebenen 500 Mitarbeiter erneut ungewiss.
(Bild: Rainer Jensen/dpa)
Der insolvente Fernseherhersteller Loewe will zum Wochenende kurzfristig den Betrieb einstellen. Dem oberfränkischen Traditionsunternehmen ist das Geld ausgegangen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Geschäftsführung hervorging. Gläubiger waren nicht gewillt, ein weiteres Darlehen zur Fortsetzung des Betriebs zu geben.
„Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01.07.2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen“, erklärte Geschäftsführer Ralf Vogt am Dienstag in seiner Stellungnahme.
Den mehr als 400 Beschäftigten droht zum größten Teil der Verlust ihrer Arbeitsplätze. „Wir haben den Mitarbeitern heute in der Betriebsversammlung mitgeteilt, dass sie zum 1.7. freigestellt werden, bis auf eine Kernmannschaft, um den Investorenprozess voranzutreiben“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß am Dienstag auf Anfrage. Die Kernmannschaft bezifferte der Bayreuther Rechtsanwalt auf zehn bis fünfzehn Mitarbeiter.
Damit hat sich die Krise bei einem einstigen Pionier der Fernsehtechnik dramatisch verschärft. Bisher lief noch ein Insolvenzverfahren in Eigenregie, mittlerweile ist laut Unternehmen ein regulärer Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Geschäftsführung hofft aber nach wie vor auf einen Investor, der das Unternehmen retten könnte.
Die Gewerkschaft IG Metall hatte das bisher vorläufige Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Kronacher TV-Geräte-Hersteller massiv kritisiert. Das Verfahren sei überstürzt beantragt worden, der Investor Riverrock nur auf Profitmaximierung ausgerichtet, hieß es in einer am Montag versendeten Pressemitteilung der Gewerkschaft. Die Zukunftsängste der Beschäftigten und ihrer Familien spielten für das Unternehmen keine Rolle. Deshalb forderte die IG Metall die Einleitung eines regulären Insolvenzverfahrens. Das zuständige Amtsgericht Coburg müsse die Eigenverwaltung der Loewe-Geschäftsführung beenden und einen „qualifizierten Insolvenzverwalter“ einsetzen.
Die Gewerkschaft hatte darüber hinaus zu Demonstrationen vor dem Hauptwerk in Kronach aufgerufen. Außerdem forderte die IG Metall, alle Beschäftigten in eine Transfergesellschaft zu überführen und ihnen Kurzarbeitergeld zu bezahlen. Wenn es zu einer Fortführung des Betriebes käme, sollten die Beschäftigten zu den bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt werden.
Eine Reaktion von Loewe oder Riverrock auf die Kritik gab es zunächst nicht. Die Geschäftsführung hat noch ein Zukunftskonzept ausgearbeitet, aus dem hervorgeht, dass eine Fortführung der Produktion in Kronach unwahrscheinlich ist, auch wenn Loewe gerettet werden kann: Denn laut Vogt ist das Konzept „auf die Kernkompetenzen in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Produktdesign und R&D (Forschung und Entwicklung) fokussiert“. Von der Herstellung der Fernsehgeräte ist nicht die Rede.
Ein schleichender Niedergang eines einstigen Fernsehpioniers
Loewe hatte schon lange Zeit mit massiven Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Das 1923 gegründete Traditionsunternehmen betont bis heute seine Tradition am Produktionsstandort Deutschland. Loewe war ein Pionier der Fernsehtechnik, hat jedoch seit langem mit der übermächtigen Konkurrenz aus Südkorea, Japan und China zu kämpfen. Die Strategie, Kunden zum Kauf teurerer High-Tech-Geräte zu bewegen, ging allerdings nicht auf: Marktbeobachter gehen davon aus, dass Loewe schlicht zu klein sei, um mit den großen südkoreanischen und chinesischen Konzernen im Massenmarkt mitzuhalten und im harten Preiskampf Geld zu verdienen.
Rettung schien in Sicht, als kurze Zeit später der Gesellschafter Mark Hüsges als Miteigentümer und sein Geschäftspartner Boris Levin als Investoren bei dem fränkischen Traditionsunternehmen einstiegen. 2015 kam die britische Investmentgesellschaft Riverrock mit einem hohen fünfjährigen Darlehen hinzu. Doch die Geschäfte liefen weiter schleppend. Im Jahr 2017 wies Loewe einen Jahresverlust von rund 4,6 Millionen Euro aus. Aktuellere Branchendaten liegen nicht vor, weil Loewe als nicht-börsennotierter Konzern keine vollumfänglichen Auskunftspflichten hat.
Stand: 08.12.2025
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Anfang Mai 2019 wurde schließlich bekannt, dass Loewe Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden musste. Dieses sollte nach Plänen der Firma am 1. August eröffnet werden. (Mit Material von dpa)