Robotik-Industrie in China Fabrik soll bis 50.000 Humanoide pro Jahr produzieren.

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Im südchinesischen Foshan rollen humanoide Roboter nun im industriellen Maßstab vom Band. Ein neues Joint Venture verabschiedet sich von der aufwendigen Handarbeit und verlagert die Montage in eine automatisierte Massenproduktion.

Hochautomatisierte Serienfertigung: Trotz digitalisierter Prozesse bleibt bei der filigranen Montage und Kalibrierung der humanoiden Roboter menschliche Handarbeit weiterhin unverzichtbar.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Hochautomatisierte Serienfertigung: Trotz digitalisierter Prozesse bleibt bei der filigranen Montage und Kalibrierung der humanoiden Roboter menschliche Handarbeit weiterhin unverzichtbar.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Ende März 2026 lief im Stadtteil Shishan des Bezirks Nanhai in Foshan eine neuartige Produktionslinie an. Laut übereinstimmenden Berichten chinesischer Staatsmedien handelt es sich um die landesweit erste Anlage dieser Art und Größenordnung. Das Werk in der Provinz Guangdong zielt darauf ab, zweibeinige Roboter in großen Stückzahlen effizient herzustellen und markiert damit den Übergang von der Manufaktur zur echten industriellen Serienfertigung.

Hinter dem ambitionierten Projekt stehen zwei etablierte Akteure, die ihre Expertise bündeln. Der Anlagenbauer Dongfang Jingong, ein börsennotierter Hersteller von High-End-Industrieausrüstung mit Sitz in Foshan, stellt die komplette Fertigungsinfrastruktur. Das Unternehmen übernimmt zudem die Produktion, die Montage sowie die Qualitätssicherung. Die technologische Basis liefert hingegen Leju Robotics. Das 2016 in Shenzhen gegründete Robotik-Unternehmen ist auf zweibeinige Konstruktionen spezialisiert und steuert die Roboter-Designs bei. Einem breiten Publikum wurde Leju Robotics bereits 2018 bekannt, als die Aelos-Roboter der Firma bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang auftraten. Beide Partner hatten ihre strategische Zusammenarbeit im Juli 2025 besiegelt und das Joint Venture Dongfang Yuanqi Intelligent Robot gegründet, an dem Dongfang Jingong 80 Prozent der Anteile hält.

Flexibilität prägt den Fertigungsprozess

Die Kapazitäten der neuen Anlage fallen beachtlich aus: Die offizielle Nennkapazität liegt bei über 10.000 Einheiten pro Jahr, das maximale Design-Limit erlaubt sogar bis zu 50.000 Roboter jährlich. Für das laufende Jahr 2026 peilen die Betreiber als realistisches Ziel zunächst eine Produktion von rund 500 Stück pro Monat an, was einer Jahresleistung von etwa 6.000 Maschinen entspricht.

Alle 30 Minuten verlässt ein fertiger Roboter das Band. Dafür durchläuft jede Einheit 24 präzise, digitalisierte Arbeitsschritte. Am Ende des Prozesses absolvieren die Maschinen 77 strenge Tests, welche die Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit umfassend prüfen. Die Betreiber beziffern den Effizienzgewinn gegenüber der klassischen manuellen Fertigung auf mehr als 50 Prozent. Zudem zeichnet sich die Linie durch hohe Flexibilität aus: Sie erlaubt die Mischproduktion verschiedener Modelle im fliegenden Wechsel, da sich sowohl die Länge der Linie als auch die Arbeitsstationen variabel an den jeweiligen Bedarf anpassen lassen.

Während chinesische Staatsmedien die Fabrik offensiv als „vollautomatisiert“ bezeichnen, betrachten internationale Beobachter diese Wortwahl deutlich nüchterner: Fachmedien sprechen bei der Anlage in Foshan treffender von einer hochautomatisierten Linie mit digitalisierten Prozessen.

Die filigrane Konstruktion humanoider Roboter macht menschliche Eingriffe nach aktuellem Stand der Technik weiterhin unverzichtbar. Besonders wenn es um komplexe Verkabelungen, die Feinmontage diffiziler Bauteile oder hochpräzise Kalibrierungen geht, legen Fachkräfte weiterhin manuell Hand an. Eine komplett menschenleere Anlage, eine sogenannte Lights-out-Fabrik, betreiben die beiden Partner in Südchina demnach nicht. Dennoch zeigt das Werk eindrucksvoll, wie rasant die Industrialisierung und Skalierung der Robotik voranschreitet. (mc)

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