Chinesische Batteriehersteller Europas Autoindustrie profitiert von asiatischem Know-how

Aktualisiert am 05.08.2024 Ein Gastbeitrag von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Asiens Batteriehersteller drängen nach Europa: AESC investiert über eine Milliarde Euro in eine neue LFP-Batteriefabrik in Spanien. Dort sollen 900 Arbeitsplätze entstehen. Die Fabrik ist Teil einer umfassenden Strategie chinesischer Unternehmen, um die wachsende Nachfrage nach kostengünstigen Batterien zu bedienen.

Asiatisches Know-how kommt per Container nach Europa. Nach den Automobilherstellern folgen nun die Batteriehersteller. Dabei beschränkt sich die Expansionswelle asiatischer Batteriemarken nicht auf Europa oder Nordamerika.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Asiatisches Know-how kommt per Container nach Europa. Nach den Automobilherstellern folgen nun die Batteriehersteller. Dabei beschränkt sich die Expansionswelle asiatischer Batteriemarken nicht auf Europa oder Nordamerika.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Asiens Batteriehersteller folgen den heimischen Autobauern nach Europa. Im spanischen Cáceres hat AESC gerade den Grundstein für eine neue Batteriefabrik gelegt und investiert dafür mehr als eine Milliarde Euro. Die „Automotive Energy Supply Corporation“ (AESC) hat ihren Hauptsitz im japanischen Yokohama unweit von Tokio, gehört seit 2019 mehrheitlich der chinesischen Envision-Gruppe, stell sich aber weiterhin lieber als „japanischer Batteriehersteller“ vor. Die neue Gigafactory ist ein weiterer Beleg für das große Interesse asiatischer Batteriehersteller am europäischen Markt.

Es handelt sich um eine Fabrik für LFP-Batterien, also die kostengünstige Variante zu den derzeit marktbeherrschenden Lithium-Ionen-Batterien. LFP- oder Lithium-Eisenphosphat-Batterien enthalten kein teures Nickel oder Kobalt. Sie haben zwar eine um 20 bis 30 Prozent geringere Energiedichte als Lithium-Ionen-Batterien, kosten aber etwa genauso viel. Für den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez, der persönlich zur Grundsteinlegung in die abgelegene Region Extramadura im Südwesten des Landes gereist war, ist die neue Batteriefabrik ein „Sieg gegen Umsiedlung und industriellen Niedergang“.

Chinesische Batteriehersteller stärken europäische Präsenz

Die neue LFP-Batteriefabrik ist erst die zweite in Europa, nachdem der serbische Hersteller ElevenEs im April die erste Anlage dieser Art in Subotica in Betrieb genommen hat. AESC, 2007 als Joint Venture von Nissan Motor und Tokin gegründet und zwischen 2018 und 2019 schrittweise an den chinesischen Energiekonzern verkauft, zählt Autohersteller wie Mercedes-Benz, Toyota, Nissan und Renault zu seinen Kunden. Das Unternehmen verfügt bereits über zwei weitere Batteriefabriken in Europa, im britischen Sunderland und im französischen Douai.

Ungeachtet der geopolitischen Gesamtlage, die zunehmend von China-skeptischen bis hin zu eindeutig China-feindlichen Tönen gekennzeichnet ist, versuchen in Japan angesiedelte, mehrheitlich von chinesischen Investoren dominierte Firmen wie AESC, aber auch komplett chinesische Batteriehersteller gerade immer stärker, mit ihrer Produktion nah bei ihren Kunden zu sein - und setzen damit auch weiterhin auf eine wachsende Nachfrage nach Powerbatterien jeglicher Art auf dem Weltmarkt.

„Wer nach Übersee geht, ist ein Held“

Ob sich LFP-Batterien im Wettbewerb mit anderen Batterietypen durchsetzen werden, ist derzeit noch umstritten. Führende chinesische Hersteller wie BYD und CATL investieren jedoch in diese Technologie, um unter anderem das in China besonders stark wachsende Segment der preisgünstigen Elektro- und Hybridfahrzeuge bedienen zu können. Im globalen Kontext ist das neue AESC-Werk in Spanien, das dort 900 neue Arbeitsplätze schaffen wird und ab 2026 in Betrieb genommen werden soll, also ein weiteres Beispiel für die globale Expansion chinesischer Powerbatterie-Produzenten.

Neun rein chinesische Batteriehersteller produzieren schon in Europa oder bereiten ihre Produktion dort vor. Vier chinesische Hersteller haben Werke in den USA. CATL, CALB, SVOLT und Gotion High-Tech haben in der jüngsten Vergangenheit neue Fabriken außerhalb Chinas eröffnet.

Die Expansionswelle der chinesischen Batterie-Marken ist nicht auf Europa oder Nordamerika beschränkt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes eine „Go-Global“-Strategie. Gotion Hi-Tech hat im Dezember 2023 eine neue Fabrik in Thailand eröffnet, SVOLT ist dort im Februar dieses Jahres mit einem eigenen Werk nachgezogen. Ende vergangenen Jahres erschien plötzlich ein neuer Slogan auf den Laptops aller CATL-Angestellten, berichtet das chinesische Fachportal CNEVPOST. „Wer immer nach Übersee geht, ist ein Held unseres Unternehmens. Go out and go overseas!“.

CATL, der unangefochtene Marktführer für Autobatterien in China und weltweit, hat bereits acht Fabriken außerhalb Chinas in Betrieb oder in der Pipeline, darunter in Thüringen, Ungarn, Indonesien, Michigan, Nevada und – wie AESC – in Spanien.(heh)

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