Angeblich getrieben durch US-Boykotte entwickelt China einen Ersatz für Wi-Fi und Bluetooth. Die Nearlink genannte Technik soll praktisch in allen Belangen besser sein – Energieeffizienz, Datenraten, Latenz. Zweifel daran sind angebracht.
Das chinesische Nearlink soll alles können, was Wi-Fi und Bluetooth können – nur besser. Auf dem heimischen Markt wird sich die Technik wohl durchsetzen, da sie unabhängig von US-Technik und US-Genehmigungen ist.
Chinas Alternative zu Wi-Fi und Bluetooth macht offenbar Fortschritte: „Nearlink“, eine neue Technologie der kabellosen Kommunikation, ist seit kurzem in ersten Handys und Tablets auf dem Markt zu finden. Marktbeobachter wie Jim Chien von Digitimes sprechen schon von der „Entstehung einer ernstzunehmenden Alternative zu Wi-Fi und Bluetooth im chinesischen Markt“.
Nearlink, manchmal auch „SparkLink“ genannt, ist eine neue Art der drahtlosen Nahbereichsverbindung. Sie kombiniert Technologien, die bei Bluetooth und Wi-Fi zum Einsatz kommen und soll schnellere Datenübertragungs-Geschwindigkeiten bei geringerem Energieverbrauch ermöglichen.
Seine Entstehung verdankt Nearlink dem Handels- und Technologiekonflikt zwischen Washington und Peking. Nachdem die USA das chinesische Tech-Unternehmen Huawei auf seine „Entity List“ für Handelssanktionen gesetzt hatte, war ihm damit vorübergehend auch der Zugang zu den Gremien versperrt, in denen die Standards für Wi-Fi und Bluetooth formuliert werden.
Seit 2019 von Huawei entwickelt
2019 begann Huawei, das darin später vom chinesischen Industrieministerium unterstützt worden ist, als Reaktion auf diese Boykotte aus den USA nach einer in China selbst entwickelten Alternative zu suchen. Dafür ist allerdings der Aufbau eines gesamten Ökosystems von Herstellern, Dienstleister, Netzwerkbetreibern und Standardisierungs-Gremien erforderlich.
Genau dieses Ökosystem nimmt nun allmählich konkrete Formen an. Bis 2023 sind der damals gegründeten „Nearlink Alliance“ schon mehr als 430 Unternehmen beigetreten, schreiben die Marktforscher der Digitimes.
Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich dabei um Firmen aus der Volksrepublik, neben Huawei etwa andere Hersteller von Verbraucherelektronik wie Lenovo, Xiaomi und Haier oder auch Netzwerkbetreiber wie China Mobile. Es sind jedoch mittlerweile auch ein, zwei ausländische Unternehmen mit dabei.
Kommt bald das erste China-Notebook mit Nearlink?
Huawei hat inzwischen Handys seiner „Mate-60“-Serie mit Nearlink ausgestattet, außerdem einen Tablet-Computer und den dazu passenden Schreibstift „M-Pencil“, sowie einige seiner drahtlosen Kopfhörer. Seit Februar gibt es das noch unbestätigte Gerücht, dass bald der erste chinesische Laptop mit Nearlink-Technologie auf den Markt kommt, das neue „Huawei MateBook X Pro“.
Außer dem aus chinesischer Perspektive klaren Vorteil, dass Nearlink ohne US-Technik oder Genehmigungen auskommt, soll Nearlink im direkten Vergleich mit Wi-Fi und Bluetooth auch einige objektive technische Pluspunkte aufweisen.
Angeblich erheblich besser als Wi-Fi und Bluetooth
Im Vergleich mit solchen „traditionellen Wireless-Technologien“ zeichne sich Nearlink in seinen Geräten durch einen „um 60 Prozent reduzierten Energieverbrauch, eine sechs Mal höhere Datenübertragungsgeschwindigkeit und eine Verdoppelung der Übertragungsdistanz“ aus, heißt es bei Huawei.
Außerdem habe Nearlink „ein Dreißigstel der Latenz“ und die Funkentstörung sei um 7 dB besser, was eine stabilere Verbindung zwischen verschiedenen Endgeräten ermögliche, so Huawei. Pro Gerät seien zudem zehn Mal so viele Netzwerkverbindungen möglich.
Doch bereits die Angabe der maximale Datenrate offenbart, dass Nearlink nicht anführt, sondern deutlich hinterherhinkt: Das aktuelle, breit im Markt verfügbare Wi-Fi 6 schafft je nach Betriebsart bis zu knapp 10 Gbps, Nearlink maximal 1,2 Gbps – gerade einmal so viel wie Wi-Fi 6 im langsamsten Betriebsmodus. Und Wi-Fi 7, das voraussichtlich im Dezember 2024 veröffentlicht wird, soll Daten mit bis zu 46 Gbps übertragen.
„revolutionär“ – falls die Technik erfolgreich ist
Zumindest aus technischer Sicht sind daher die großen Hoffnungen verständlich, die es in Teilen der chinesischen Elektronikindustrie für Nearlink gibt. „Diese Technologie, die immun gegen US-Sanktionen sein wird, könnte sich als revolutionär erweisen, falls sie sich als Erfolg herausstellt,“ zitiert die Global Times den Analysten Zhang Hong.
Trotz der nun begonnenen Kommerzialisierung steckt der Aufbau des Nearlink-Ökosystems allerdings zurzeit noch in den Kinderschuhen. Für chinesische Hersteller gibt es noch viele technische Hürden zu überwinden. Für einfache Anwendungen wie Kopfhörer etwa reichen Halbleiter der Generationen, die mittlerweile ohne amerikanische Teile oder Software in China selbst hergestellt werden können.
Chips mit 7-Nanometer-Technologie erforderlich
Doch für fortgeschrittene Nearlink-Chips, die dann auch für industrielle Anwendungen geeignet wären, etwa in der Automobilindustrie, sind nach der Einschätzung der Digitimes-Experten Chips mit 7-Nanometer-Technologie erforderlich. Bislang haben chinesische Chip-Hersteller erst die Produktion von Nearlink-Kommunikationschips auf der Basis von 14-Nanometer-Prozessen gemeistert.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Es ist aber möglicherweise irreführend, Nearlink allein als Gegenspieler oder Bedrohung für amerikanische Standards wie Wi-Fi oder Bluetooth zu sehen. Obwohl es theoretisch denkbar ist, dass Nearlink mit seinen vermeintlichen technischen Vorteilen diese Kommunikationstechnologien eines Tages ersetzt, ist eine Koexistenz auf dem Markt wahrscheinlicher.
Nearlink könnte sich für spezifische Anwendungen durchsetzen, für die es besonders gut passt. Mit Datenübertragungsraten von bis zu 1.200 Mbps eignet es sich beispielsweise gut für HD-Videostreaming, Online-Spiele, AR- und VR-Geräte sowie den Transfer von großen Dateien. In anderen Szenarien könnte weiterhin Wi-Fi und Bluetooth ausreichen. (me)