Wireless-Kommunikation Ersatz für Wi-Fi und Bluetooth aus China?

Von Henrik Bork* 3 min Lesedauer

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Angeblich getrieben durch US-Boykotte entwickelt China einen Ersatz für Wi-Fi und Bluetooth. Die Nearlink genannte Technik soll praktisch in allen Belangen besser sein – Energieeffizienz, Datenraten, Latenz. Zweifel daran sind angebracht.

Das chinesische Nearlink soll alles können, was Wi-Fi und Bluetooth können – nur besser. Auf dem heimischen Markt wird sich die Technik wohl durchsetzen, da sie unabhängig von US-Technik und US-Genehmigungen ist.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Das chinesische Nearlink soll alles können, was Wi-Fi und Bluetooth können – nur besser. Auf dem heimischen Markt wird sich die Technik wohl durchsetzen, da sie unabhängig von US-Technik und US-Genehmigungen ist.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Chinas Alternative zu Wi-Fi und Bluetooth macht offenbar Fortschritte: „Nearlink“, eine neue Technologie der kabellosen Kommunikation, ist seit kurzem in ersten Handys und Tablets auf dem Markt zu finden. Marktbeobachter wie Jim Chien von Digitimes sprechen schon von der „Entstehung einer ernstzunehmenden Alternative zu Wi-Fi und Bluetooth im chinesischen Markt“.

Nearlink, manchmal auch „SparkLink“ genannt, ist eine neue Art der drahtlosen Nahbereichsverbindung. Sie kombiniert Technologien, die bei Bluetooth und Wi-Fi zum Einsatz kommen und soll schnellere Datenübertragungs-Geschwindigkeiten bei geringerem Energieverbrauch ermöglichen.

Seine Entstehung verdankt Nearlink dem Handels- und Technologiekonflikt zwischen Washington und Peking. Nachdem die USA das chinesische Tech-Unternehmen Huawei auf seine „Entity List“ für Handelssanktionen gesetzt hatte, war ihm damit vorübergehend auch der Zugang zu den Gremien versperrt, in denen die Standards für Wi-Fi und Bluetooth formuliert werden.

Seit 2019 von Huawei entwickelt

2019 begann Huawei, das darin später vom chinesischen Industrieministerium unterstützt worden ist, als Reaktion auf diese Boykotte aus den USA nach einer in China selbst entwickelten Alternative zu suchen. Dafür ist allerdings der Aufbau eines gesamten Ökosystems von Herstellern, Dienstleister, Netzwerkbetreibern und Standardisierungs-Gremien erforderlich.

Genau dieses Ökosystem nimmt nun allmählich konkrete Formen an. Bis 2023 sind der damals gegründeten „Nearlink Alliance“ schon mehr als 430 Unternehmen beigetreten, schreiben die Marktforscher der Digitimes.

Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich dabei um Firmen aus der Volksrepublik, neben Huawei etwa andere Hersteller von Verbraucherelektronik wie Lenovo, Xiaomi und Haier oder auch Netzwerkbetreiber wie China Mobile. Es sind jedoch mittlerweile auch ein, zwei ausländische Unternehmen mit dabei.

Kommt bald das erste China-Notebook mit Nearlink?

Huawei hat inzwischen Handys seiner „Mate-60“-Serie mit Nearlink ausgestattet, außerdem einen Tablet-Computer und den dazu passenden Schreibstift „M-Pencil“, sowie einige seiner drahtlosen Kopfhörer. Seit Februar gibt es das noch unbestätigte Gerücht, dass bald der erste chinesische Laptop mit Nearlink-Technologie auf den Markt kommt, das neue „Huawei MateBook X Pro“.

Außer dem aus chinesischer Perspektive klaren Vorteil, dass Nearlink ohne US-Technik oder Genehmigungen auskommt, soll Nearlink im direkten Vergleich mit Wi-Fi und Bluetooth auch einige objektive technische Pluspunkte aufweisen.

Angeblich erheblich besser als Wi-Fi und Bluetooth

Im Vergleich mit solchen „traditionellen Wireless-Technologien“ zeichne sich Nearlink in seinen Geräten durch einen „um 60 Prozent reduzierten Energieverbrauch, eine sechs Mal höhere Datenübertragungsgeschwindigkeit und eine Verdoppelung der Übertragungsdistanz“ aus, heißt es bei Huawei.

Außerdem habe Nearlink „ein Dreißigstel der Latenz“ und die Funkentstörung sei um 7 dB besser, was eine stabilere Verbindung zwischen verschiedenen Endgeräten ermögliche, so Huawei. Pro Gerät seien zudem zehn Mal so viele Netzwerkverbindungen möglich.

Doch bereits die Angabe der maximale Datenrate offenbart, dass Nearlink nicht anführt, sondern deutlich hinterherhinkt: Das aktuelle, breit im Markt verfügbare Wi-Fi 6 schafft je nach Betriebsart bis zu knapp 10 Gbps, Nearlink maximal 1,2 Gbps – gerade einmal so viel wie Wi-Fi 6 im langsamsten Betriebsmodus. Und Wi-Fi 7, das voraussichtlich im Dezember 2024 veröffentlicht wird, soll Daten mit bis zu 46 Gbps übertragen.

„revolutionär“ – falls die Technik erfolgreich ist

Zumindest aus technischer Sicht sind daher die großen Hoffnungen verständlich, die es in Teilen der chinesischen Elektronikindustrie für Nearlink gibt. „Diese Technologie, die immun gegen US-Sanktionen sein wird, könnte sich als revolutionär erweisen, falls sie sich als Erfolg herausstellt,“ zitiert die Global Times den Analysten Zhang Hong.

Trotz der nun begonnenen Kommerzialisierung steckt der Aufbau des Nearlink-Ökosystems allerdings zurzeit noch in den Kinderschuhen. Für chinesische Hersteller gibt es noch viele technische Hürden zu überwinden. Für einfache Anwendungen wie Kopfhörer etwa reichen Halbleiter der Generationen, die mittlerweile ohne amerikanische Teile oder Software in China selbst hergestellt werden können.

Chips mit 7-Nanometer-Technologie erforderlich

Doch für fortgeschrittene Nearlink-Chips, die dann auch für industrielle Anwendungen geeignet wären, etwa in der Automobilindustrie, sind nach der Einschätzung der Digitimes-Experten Chips mit 7-Nanometer-Technologie erforderlich. Bislang haben chinesische Chip-Hersteller erst die Produktion von Nearlink-Kommunikationschips auf der Basis von 14-Nanometer-Prozessen gemeistert.

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Es ist aber möglicherweise irreführend, Nearlink allein als Gegenspieler oder Bedrohung für amerikanische Standards wie Wi-Fi oder Bluetooth zu sehen. Obwohl es theoretisch denkbar ist, dass Nearlink mit seinen vermeintlichen technischen Vorteilen diese Kommunikationstechnologien eines Tages ersetzt, ist eine Koexistenz auf dem Markt wahrscheinlicher.

Nearlink könnte sich für spezifische Anwendungen durchsetzen, für die es besonders gut passt. Mit Datenübertragungsraten von bis zu 1.200 Mbps eignet es sich beispielsweise gut für HD-Videostreaming, Online-Spiele, AR- und VR-Geräte sowie den Transfer von großen Dateien. In anderen Szenarien könnte weiterhin Wi-Fi und Bluetooth ausreichen. (me)

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