EDA-Software

Entscheidungshilfe beim Kauf einer Software zur Leiterplattenentflechtung

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Aus der Sicht eines Praktikers möchte ich auf einige Punkte hinweisen, die ich für besonders wichtig erachte. Und nur noch wenige davon gehören zu den Wünschen, welche die Software offen lässt, mit der ich selbst seit vielen Jahren arbeite:

  • Unbedingt notwendig ist eine Echtzeit-Forward-Back-Annotation zwischen Stromlaufplan und Layout, um bereits während der Arbeit zuverlässig Fehler auszuschließen. Die Übereinstimmung zwischen Schaltung und Layout muss ohne mühsame zusätzliche Arbeitsschritte ständig erhalten bleiben. Bei Unternehmen, die nach ISO 9000 zertifiziert sind oder diese Zertifizierung anstreben, ist dies einer der wichtigsten Schritte zu fehlerfreien Erzeugnissen.
  • Eine unbeschränkte Undo-Redo-Funktion, mit der man sich die ausgeführten Arbeitsschritte nochmals anschauen oder bis zu einem bestimmten Punkt zurückkehren kann, ist kein Luxus, sondern notwendiges Werkzeug.
  • Wenn das zu entwickelnde Erzeugnis hohe Spannungen verarbeiten muss, ist das bequeme Definieren von Sperrzonen Voraussetzung. Und zwar so, dass man sie sowohl auf dem Bildschirm sehen als auch ausdrucken (z.B. für ein Zertifizierungsinstitut) oder als Datei (z.B. für den Leiterplattenhersteller) ausgeben kann. Die verschiedenen Zonenbreiten sollten dabei zuverlässig und einfach bei jeder dieser drei Ausgabemöglichkeiten unterscheidbar sein.
  • Die Darstellung aller Layout-Details muss während der Entflechtung auf dem Bildschirm möglich sein. Dazu gehört auch die Lötstopp-Maske, die sich bei manchem Programm erst durch Erzeugen von Gerberdaten visualisieren lässt oder in den Bibliotheken mühsam für jedes Bauteil definiert werden muss.
  • Polygone in allen Variationen müssen sich bequem handhaben lassen.
  • Bibliotheken mit Standardteilen sind angenehm. Trotzdem muss man schnell und einfach auch solche mit Spezialteilen anlegen können, und dies mit hoher maßlicher Präzision.
  • Alle Erzeugnisvarianten, die auf einer Leiterplatte bestückt werden können, sollten in einem einzigen Datei-Paar-Schaltung/Leiterplatte verwaltet werden können.
  • Das schnelle Erstellen von Leiterplatten-Filmen für Labormuster mit „Körnerpunkten“ in den Lötaugen muss möglich sein.

Gerberdaten direkt kontrollieren können

  • Dateinamen mit wesentlich mehr als 8 Zeichen (und auch durch Leerzeichen unterbrochen) sollten heute kein Problem mehr darstellen.
  • Die mit dem Programm erzeugten oder auch fremde Gerberdaten sollten sich ohne Zusatzsoftware auf dem Bildschirm darstellen und kontrollieren lassen. Auch dies wäre ein Schritt zum fehlerfreien Erzeugnis und zu einer kürzeren Entwicklungszeit.
  • Ein Dongle als Software-Schutz ist nicht mehr Stand der Technik. Erfahrungsgemäß kann es dadurch zu Unverträglichkeitsproblemen mit anderen Komponenten des Gesamtsystems kommen.
  • Die Programmoberfläche muss benutzerfreundlich sein und eine intuitive Bedienung ermöglichen. Die einzelnen Befehle oder Funktionen sollten unmittelbar zugänglich sein, ohne daß man sich durch zahlreiche (Pull-Down-) Menüs hindurch „hangeln“ muss, bevor man das gewünschte Resultat erzielen kann. F-Tasten und Short-Cuts sollten individuell mit Funktionen belegbar sein.
  • Die Hilfefunktion und ein einziges, nicht zu umfangreiches Handbuch in der Muttersprache des Anwenders (Nicht jeder Layoutspezialist kann ein Fremdsprachen-Genie sein!) müssen genügen, um mit dem Programm arbeiten zu können. Nur so lassen sich aufwändige Spezial-Schulungen vermeiden.
  • Eine Hotline darf nicht mehr kosten als die normalen Telefongebühren. Da keine Software völlig fehlerfrei ist und durch den Hersteller ständig verbessert wird, sollte über dessen Homepage immer der jeweils am wenigsten fehlerhafte Stand gratis verfügbar sein.
  • Die Bildschirmdarstellung – auch des Bildhintergrundes – muss jeder Benutzer seinen ganz individuellen Bedürfnissen anpassen können. Dies gilt auch für das Raster, weil der eine ein Gitter, der andere Punkte und ein dritter am liebsten gar nichts davon sehen möchte.
  • Für Umsteiger ist es äußerst wichtig, dass die neue Software alle relevanten Dateien der alten detailgetreu importieren und weiterverarbeiten kann. Dies gilt vor allem auch für Bib-liotheken, die man sich oft über Jahre hinweg aufgebaut hat. Anderenfalls macht man die ganze Arbeit noch einmal und muss womöglich seine Datenbestände über sehr lange Zeit in zwei Systemen pflegen. Das Umsteigen sollte man sich also besonders gut überlegen.
  • Häufig wiederkehrende Vorgänge, Datenausgaben oder Einstellungen müssen sich automatisieren lassen, ohne dass gleich eine Schar Programmierer erforderlich ist. Dies wird oft durch einfache Script-Files, User-Language- oder Visual-Basic-Programme realisiert. Deshalb ist meist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie komfortabel auch ein preiswerteres Programm sein kann.
  • Gängige (Grafik-) Datenformate sollten sich einlesen und ausgeben lassen, um z.B. einem Gehäusekonstrukteur einen Platinenumriss direkt als Datei für dessen CAD-Programm übergeben oder ein Kundenlogo in die Platine einfügen zu können. Auch eine Bemaßungsfunktion ist äußerst hilfreich, wobei sich diese den regional geltenden Zeichnungsnormen anpassen lassen sollte. Diese Anpassungsfähigkeit ist auch bei den Schaltsymbolen erforderlich, wenn fertige Bibliotheken mitgeliefert oder gegen Aufpreis angeboten werden.
  • Kundenwünsche sollte der Hersteller schnell realisieren können. Dies ist zwangsläufig einfacher, wenn es eine eher partnerschaftliche als rein geschäftliche Verbindung zwischen Hersteller und Anwender gibt und wenn alle Programmbestandteile aus einem Hause kommen.
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