Elektronikbranche verliert zwei legendäre Analog-Gurus

Peter Koller

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Mit Jim Williams von Linear Technology und Bob Pease von National Semi sind innerhalb weniger Tage gleich zwei Pioniere der Analog-Elektronik verstorben.

Ein Mann und sein Labor: Jim Williams von Linear Technology inmitten seiner Ausrüstung zur Entwicklung analoger Schaltkreise(Foto:  Linear Technology)
Ein Mann und sein Labor: Jim Williams von Linear Technology inmitten seiner Ausrüstung zur Entwicklung analoger Schaltkreise
(Foto: Linear Technology)

Der langjährige Chef-Designer von Linear Technology, Jim Williams, ist am 12. Juni 2011 verstorben. Er begann seine Laufbahn als Anwendungsentwickler kurz nach Gründung des Unternehmens. Während seiner fast drei Jahrzehnte währenden Tätigkeit war er ein legendärer analoger Schaltungstechniker, Designer, Problemlöser, Schriftsteller und Mentor.

Der aus Detroit stammende Williams interessierte sich schon früh für alle elektronische Dinge. Seine Leidenschaft für Elektronik führte ihn nach Boston, wo er einen Techniker-Job beim Apollo-Programm bekam.

Obwohl er Autodidakt in der Elektronik war, forschte er von 1968 bis 1979 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) an analoger Schaltungstechnik. Während dieser Zeit begann er seine Karriere als Schriftsteller. Er fand klare, elegante Möglichkeiten, um komplexe und scheinbar unbeschreibliche Design-Herausforderungen und -Lösungen zu beschreiben.

In fast 30 Jahren Linear Technology hatte Williams die Möglichkeit, eine übergreifende Produktpalette zu definieren, zu entwickeln und auszubauen.

In vielerlei Hinsicht leistete er einen wichtigen Beitrag, um komplexe analoge Schaltungen Ingenieuren verständlich zu machen. Er hatte die seltene Fähigkeit, eine komplizierte Schaltung für den einmaligen Gebrauch zu entwickeln und dann genügend Hintergrundinformationen für den allgemeinen Gebrauch zu erstellen, die für Ingenieure leicht zu verstehen waren.

Seine privaten Interessen galten Sportwagen, dem Sammeln alter wissenschaftlicher Instrumente, der Kunst sowie der Restaurierung und Benutzung von alten Tektronix-Oszilloskopen.

Bob Swanson, Executive Chairman bei Linear Technology: „Die ganze Welt der analogen Elektronik hat einen seiner größten Champions und Lehrer verloren.“

Jim Williams hinterlässt seine Frau Siu und seinen Sohn Michael.

Autounfall auf dem Rückweg von Williams Beerdigung

Nur wenige Tage nach Williams ist am 18. Juni der Dekan von National Semiconductors „Analog University“, Bob Pease, verstorben. Besonders tragisch: Er kam bei einem Autounfall auf dem Rückweg von der Beerdigung von Jim Williams ums Leben.

Pease trat 1976 in das Unternehmen ein und hat Generationen junger Analogdesigner im Unternehmen ausgebildet. Er hält 21 Patente und entwickelte mehr als 20 Integrierte Schaltkreise.

Nach seinem Abschluss in Elektrotechnik am MIT 1961 arbeitete Bob Pease bei George A. Philbrick Researches, die 1952 den ersten Operationsverstärker auf den Markt gebracht haben.

1976 ging er zu National Semiconductor nach Kalifornien, wo er unter anderem Temperatur- und Spannungskompensierte Frequenzwandler entwickelte, die für medizinische Testzwecke auch auf den Expeditionen zum Mont Everest in den 1980er-Jahren verwendet wurden.

Er entwickelte ebenfalls einen seismischen Vorverstärker, der bei der Apollo-Mondmission verwendet wurde. Zu weiteren Designs gehören der Spannungs-Frequenzwandler LM331 und er justierbare Spannungsregler LM331.

„Bob war einer dieser Analogentwickler, der die frühe Halbleiterentwicklung erweiterte“, erklärt der ehemalige Kollege Paul Rako. „Er begann als einer der ersten mit Vakuumröhren und diskreten Halbleitern zu arbeiten, später dann mit monolithischen Analog-Schaltkreisen, hergestellt im Planarverfahren. Später kumulierte er sein Wissen bei seiner Arbeit als Applikationsingenieur.“

Die Reputation von Pease stieg, als er die Geheimnisse des Analog-Designs mit Ingenieuren in der ganzen Welt teilte: In den Analog-Seminaren von National Semiconductor. Er beantwortete stundenlang Anrufe und E-Mails mit Fragen zur Analogentwicklung.

Er gab acht Bücher heraus, das berühmteste dürfte „Troubleshooting Analog Circuits“ sein. //KR

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