Die Wahl eines EMS-Dienstleisters Electronic Manufacturing Service ist viel mehr als nur Bestücken
EMS-Anbieter gibt es mit unterschiedlichen Spezifikationen. In unserem Beitrag erfahren Sie, worauf bei der Wahl eines EMS-Partners zu achten ist und welche Fragen Sie sich stellen sollten.
Anbieter zum Thema

Jeder EMS- (Electronic-Manufacturing-Service-)Anbieter ist individuell. Sei es seiner Erfahrungen, seiner Technologien und seiner räumlichen und wirtschaftlichen Größe wegen. Es ist nicht sinnvoll, seinen Partner ausschließlich anhand des Angebotspreises zu bestimmen. Wer genauer hinschaut, die richtigen Fragen stellt und sich den potenziellen Partner vor Ort ansieht, erkennt neue Möglichkeiten und bisher ungenutzte Potenziale. Gelebte Servicequalität beginnt mit der Aufarbeitung und Umsetzung der Anfrageunterlagen. An der Art der Angebotserstellung werden Unterschiede erkennbar:
- Wird eine Eingangsbestätigung verschickt?
- Wann beginnt die Angebotsbearbeitung? Das lässt sich an den ersten Rückfragen erkennen.
- Erkennt der Anbieter Schwächen in den Unterlagen?
- Werden Alternativen bei schwer beschaffbaren Komponenten vorgeschlagen?
- Bekommt der Interessent Hinweise auf Optimierungspotenzial der Konstruktion?
- Welche technologischen Alternativen werden angeboten?
Ein EMS-Anbieter mit Serviceanspruch erbringt schon in der Angebotsphase nicht unerhebliche und kostenlose Beratungsleistungen. Anfragen, die ohne Rückfrage und ohne weitere Informationen mit einem Standard-Text als Preis- und Lieferzeitangabe beantwortet werden, sollten deshalb nur dann ernsthaft in die engere Wahl genommen werden, wenn der Anbieter die angefragten Produkte aus gemeinsamer Zusammenarbeit schon kennt.
Die Anfragebearbeitung und der Einkauf
Bei dresden elektronik werden alle Anfragen durch drei Fachabteilungen (Konstruktion, Einkauf und Technologie) bewertet. Alle Kaufteil-Preise, die nicht sofort aus firmeneigenen Datenbanken gezogen werden können, werden bei internationalen Distributoren oder Herstellern angefragt. Auftretende Fragen werden durch den Vertrieb mit den Kunden geklärt und danach wird unter Beachtung aller Besonderheiten ein individuelles Angebot abgegeben. Der Kunde hat oft nur einen sehr geringen Einblick in den Einkauf eines EMS-Anbieters. Preis, Qualität und Lieferzeit werden aber in erheblichem Maß dort bestimmt. Vier Produktkategorien müssen regelmäßig eingekauft werden:
- Standard-Teile lt. Herstellerdatenblatt und Kundenstückliste
- Leiterplatten nach CAD-Daten von Auftraggebern
- Zeichnungsteile
- Verbrauchsmaterial für die Fertigung
Unterschiede sind an dem absoluten Einkaufsvolumen und der regionalen oder globalen Ausrichtung des Einkaufs erkennbar.
- Wie erfolgt die Lieferantenauswahl und -Auditierung?
- Wird die Lieferqualität laufend bewertet?
- Dominiert Projekteinkauf oder eine Bedarfsbündelung mit Vorschauplanung?
- Ist die Beschaffung automatisiert? (EDI-Anbindung an Hauptlieferanten)
- Qualität der Prozessüberwachung (Terminverzögerungen, Lieferqualität)
- Gibt es eine proaktive Kundeninformation bei Termin- oder QS-Problemen?
- Effektives Obsolescence-Management
- Ist die Weitergabe von Hersteller PCNs an Kunden als Prozess geregelt?
Obwohl der Einkauf immer wieder die gleichen Prozesse wiederholt, ist dort die Motivation der Mitarbeiter zur Erzielung besserer Einkaufs- und Lieferkonditionen der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. dresden elektronik kauft jährlich für etwa 5 Millionen Euro vorzugsweise projektgebunden ein. Auswahl und Freigabe von Lieferanten erfolgt nach QS-Kriterien. Lieferanten mit mangelnder Lieferqualität oder Termintreue werden gesperrt. Der Status aller Aufträge wird wöchentlich bereichsübergreifend der Geschäftsführung mitgeteilt und sich abzeichnende Probleme werden durch geänderte Auftragsbestätigungen oder im persönlichen Kontakt mit den Auftraggebern kommuniziert.
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