Bolzenklemme Einfache Lösung fürs Extreme

Autor / Redakteur: Torsten Schloo* / Kristin Rinortner

Die Bolzenanschlusstechnik erfährt in zahlreichen Projekten eine Renaissance. Bolzenklemmen sind heute modular aufgebaut und auf die Normschiene rastbar. Einer breiteren Bauform und einer aufwändigeren Verdrahtung stehen extreme Robustheit und hohe Leiterauszugskräfte entgegen, die sie für viele Anwendungsgebiete prädestinieren.

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In den Anfangszeiten der elektrischen Verbindungstechnik sollten zunächst zwei Drahtenden in einer Klemmstelle verbunden werden. Neben der leitenden Verbindung stand die Isolation gegen fremde Potenziale sowie eine mechanische Fixierung im Vordergrund.

Eine der einfachsten Lösungen bestand im Biegen zweier Ösen, die anschließend auf eine Schraube aufgefädelt und über eine Distanzhülse in die Grundplatte aus Holz oder Pertinax geschraubt wurden.

(Archiv: Vogel Business Media)

Der Vorteil dieser „Verbindungstechnik“ lag in ihrem einfachen Aufbau. Die Schraube fungierte dabei nicht als stromführendes Element – sie sollte nur die beiden leitenden Drahtenden zusammenpressen. Nachteilig war, dass die Qualität der Verbindung stark durch den Bediener beeinflusst wurde. Eine korrekt angefertigte Verbindung besaß jedoch eine gute mechanische Festigkeit (Bild 1).

Moderne Bolzenanschlussklemmen

Mit dieser ursprünglichen Bolzenanschlusstechnik hat die heutige nur noch das Prinzip gemeinsam. Mechanische Schwächen wurden durch die Konstruktion geeigneter Isolationskörper eliminiert, die eine auf dem Kopf stehende Schraube oder einen Bolzen aufnehmen. Für eine hohe Zuverlässigkeit sorgen Normgewinde und Drehmomentschlüssel. Bolzenanschlussklemmen sind heute modular aufgebaut und auf die Normschiene rastbar. Die Isolation und Trennung zu benachbarten Potenzialen erfolgt durch entsprechendes Zubehör.

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Das Biegen von Drahtösen ist nicht mehr notwendig – vercrimpte Ringkabelschuhe und Crimpwerkzeuge sorgen für eine standardisierte Anschlussqualität. Der Anwender findet die Leistungsmerkmale in den DIN EN Normen 46234, 46235 und 46237 sowie in der IEC 60352-2. Ringkabelschuhe stellen eine mechanisch feste und nur bedingt lösbare Verbindung zum Drahtende her. Sie lassen sich je nach Applikation einfach auf dem Bolzen verschrauben und sind für fast alle Querschnitte bis 1000 mm² erhältlich (Bild 2).

Technische Leistungsfähigkeit der Klemmen

Auch der Isolationskörper der Klemme – das Bindeglied zwischen Normschiene und Schraubbolzen – wurde weiterentwickelt. Früher verwendete man zunächst Keramik, später Duroplaste.

Konstante Vibrationen, kräftige Schocks sowie die starke Belastung bei der Beschaltung der Bolzenanschlussklemme stellen hohe mechanische Anforderungen an das Bauteil. Daher werden die Füße heute wegen der besseren Flexibilität aus Thermoplasten wie Polyamid (PA 6 oder PA 6.6) hergestellt.

Verbesserte Werkstoffparameter der Kunststoffe haben zu dünneren Wandstärken, kleineren Bauformen sowie einer vereinfachten Herstellung geführt. Die guten Isolationseigenschaften ermöglichen in der Kombination mit der hohen mechanischen Stabilität und Flexibilität einen universellen Einsatz. Umweltfreundlichkeit und Recycling-Fähigkeit von Polyamiden sind weitere Vorteile.

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