Im Gespräch mit Roy Wan, CEO von Adlink Europe, erhalten wir Einblicke in die strategischen Anpassungen des Unternehmens angesichts globaler Lieferkettenunterbrechungen, geopolitischer Spannungen und der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit.
Roy Wan
(Bild: Adlink Europe)
Wie haben Sie angesichts der jüngsten weltweiten Lieferketten-Unterbrechungen Ihre Lieferkettenstrategie angepasst, um Unterbrechungen der Produktion zu minimieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeit zu fördern?
Ich würde sagen, für die meisten Zulieferer wie uns waren die letzten zwei Jahre, insbesondere nach Covid, eine echte Herausforderung. Keiner kann behaupten, er hätte keine Probleme gehabt - alle hatten das gleiche Problem. Früher haben wir manchmal das Design unserer Produkte an bestimmte Komponenten angepasst, z.B. Stromversorgungen. Und das haben wir letztlich gebüßt, denn wir haben uns nur auf bestimmte Anbieter konzentriert. Was in den letzten Jahren geschehen ist, hat uns gezeigt, dass wir uns wieder breiter aufstellen müssen. Unser Plan zur Risikominderung beinhaltet auch, dass wir uns nicht auf eine einzige Lösung konzentrieren. Wir müssen ein wenig diversifizieren und mehr unterschiedliche Leistungskomponenten berücksichtigen. Diese Investition in eine belastbare Lieferkette ist unumgänglich. Wir gesagt, wir müssen in einigen Bereichen mehrere Designvarianten entwerfen und diese an verschiedene Produkte anpassen. Sollte dann wieder etwas passieren, sind nicht alle unsere Produkte betroffen. Und für den Fall, dass wirklich wieder etwas ist, müssen wir uns zudem überlegen, unsere Designs zu rollieren. Die Designs sind an sich einsatzbereit, wie schon gesagt. Wir müssen dann einfach in der Lage sein, dieses „Durchrollieren“ schneller umzusetzen.
Wie wirken sich die aktuellen geopolitischen Spannungen auf Ihr Geschäft aus, insbesondere im Hinblick auf Ihre Produktions- und Vertriebsstandorte in verschiedenen geopolitischen Regionen?
Ich denke, der geopolitische Aspekt betrifft hauptsächlich unser Geschäft in den USA. In Europa haben wir eher globale Kunden. Für viele ist "Made in China" keine Lösung; sie fragen nach "Made in Taiwan". Das ist vielen erst einmal sehr wichtig. Später stellt sich wieder die Frage: Was tun, wenn etwas passiert? Wir entwickeln deshalb gerade einen Produktionsplan für Vietnam. Anfang nächsten Jahres soll eine Pilotproduktion starten. Wir müssen selbst produzieren oder, wenn es eilt, vielleicht auch mit einem lokalen CM zusammenarbeiten. Aber wir müssen einen Dritten finden, um das Risiko zu mindern.
Wie gehen Sie mit den Herausforderungen um, die ein Technologietransfer sowie die Einhaltung lokaler Vorschriften mit sich bringen? Vor allem in einer Zeit, in der viele Länder eigene Technologiestandards festlegen.
Das hat Vor- und Nachteile, nicht wahr? Ein Nachteil ist, dass jedes Land eigene Vorschriften hat, UKCA zum Beispiel oder KCC in Korea. Dennoch haben all diese Vorschriften etwas gemeinsam. CE in den USA oder FCC bestimmen so ziemlich den Trend. Wenn wir also unser Produkt nach CE zertifizieren lassen, wird das eine UKCA-Zertifizierung vereinfachen. Darin sehe ich momentan kein großes Problem. Anders ist das bei einigen neuen Vorschriften, z.B. EU EC und die Einführung des CRA/ Cyber Resilience Acts. Dabei geht es um die kontinuierliche Senkung des Leistungsverbrauchs sowie KI-Anwendungen. Wenn wir Produkte mit einer entsprechenden Lösung anbieten, richten wir unser Augenmerk stärker darauf. Was UKCA oder KCC angeht, ist das für uns schon Routine. Bei Vorschriften, die gerade entwickelt werden, sind wir noch nicht so weit, doch wir schenken dem Thema große Aufmerksamkeit. Wir wollen auf jeden Fall vollständig zertifiziert sein, wenn die neuen Vorschriften in Kraft treten.
Erläutern Sie bitte, inwiefern Ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit und die Verringerung Ihres CO2-Fußabdrucks nicht nur zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil darstellen.
Ich würde sagen, das ist auch eine Anforderung unserer Kunden. Wenn der Kunde danach fragt, lässt sich dieses Thema nicht vermeiden. Es gibt für alles eine ESG-Politik. Bis 2025 wollen wir unsere Emissionen um etwa 50 Prozent reduzieren und bis 2030 CO2-neutral sein. Das sind die Zielvorgaben. Wir arbeiten dabei auch mit unserer Muttergesellschaft AUO zusammen, die über 30 Prozent unserer Aktien besitzt und diese Zielvorgaben ebenfalls unterstützt. Das Gleiche gilt für die Umsetzung der staatlichen Vorschriften in Taiwan.
Sie sind also zuversichtlich, dass Sie dies erreichen können?
Ja, natürlich. Dazu gehört auch eine Menge Dokumentation. Die Kunden fragen: Können Sie mir Produkte anbieten, für die es einen Nachweis über den CO2-Fußabdruck gibt? Das ist mit einigem Aufwand verbunden, aber wir arbeiten daran.
Wie sind Sie strategisch aufgestellt, um den Herausforderungen eines möglichen weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu begegnen, insbesondere im Hinblick auf Investitionen in Forschung und Entwicklung?
Genau das sehen wir im Moment. Wir müssen unser „Spielfeld“ sorgfältig wählen, also Bereiche finden, in denen noch Geld ausgegeben wird. Und wir müssen Bereiche meiden, die vom Abschwung stark betroffen sind. Vor allem müssen wir auf Technologietrends vorbereitet sein, zum Beispiel KI. Im Einzelhandel nimmt der Einsatz von KI immer mehr zu, also bereiten wir uns darauf vor. Wir arbeiten mit Intel und Nvidia zusammen, hauptsächlich, um KI in die Edge zu bringen. Ebenso entwickeln wir integrierte Produkte bzw. Komponenten zur softwaremäßigen Beschleunigung der KI-Technologien, so dass wir in Sachen Hardware und Middleware rechtzeitig gerüstet sind. Mit den entsprechenden Kunden sind hier schon mehrere Initiativen am Laufen. Auch in der Medizintechnik besteht dieser Trend, obwohl die Einsatzmöglichkeiten der KI dort noch nicht ganz klar sind. Wir müssen jedenfalls sicherstellen, dass die Leistungskomponenten zertifiziert sind. In den Bereichen Transport, Medizin und Einzelhandel besteht aktuell also noch viel Entwicklungspotential. Wenn sich eine Entwicklung vollzieht, fließt Geld hinein. Wir beobachten diese Märkte also genau und machen bei den klassischen industriellen Bauteilen eher einen Schritt rückwärts. Autonome KI- Anwendungen, Einzelhandel, Medizintechnik oder Eisenbahn - autonome Züge oder autonome Lkw - sind jedoch die Bereiche, die wir uns ganz genau ansehen.
Stand: 08.12.2025
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Wie wählen Sie Ihre Technologiepartner aus, insbesondere in kritischen Bereichen wie KI und 5G, vor dem Hintergrund sich wandelnder globaler Allianzen und Technologiestandards?
Ich würde sagen, dass Nvidia im Bereich der KI derzeit die gesamte Entwicklung dominiert. Generative KI ist der große Hype. Ich denke nicht, dass sie ohne weiteres in den Bereich Einzug halten kann, den wir heute bedienen, aber wir behalten das natürlich im Auge. Wir werden anhand einer Demo zeigen, dass wir diesem Trend wirklich Aufmerksamkeit schenken. Was aber den KI-Bereich betrifft, wollen meiner Meinung nach die meisten Chiphersteller ein Stück vom Nvidia-Kuchen bekommen. Sie integrieren z.B. VPUs und NPUs in ihre Chips und versuchen, den Stromverbrauch zu senken. Das gehört dazu, genau wie der ESG-Aspekt, den ich vorhin erwähnt habe. Auch wir müssen bei den Produkten, die wir entwickeln, darauf achten, dass im Design möglichst wenig Leistung verschwendet wird. Wir versuchen, verschiedene Technologien bestmöglich zu kombinieren und den geringstmöglichen Leistungsverbrauch herauszuholen. Und es gibt ja auch noch KI-Beschleuniger. Intel, Nvidia, MediaTek, NXP, Qualcomm - das sind die großen Namen; sie integrieren auch KI-Beschleuniger in ihre Chips. Wenn die Technologie oder die Anwendung eine höhere Rechenleistung erfordert, oder wenn man bereits viel Zeit und Geld in eine Softwareentwicklung mit der CUDA-Software von Nvidia investiert hat, wechselt man nicht so ohne Weiteres den Anbieter. Aus diesem Grund bieten wir unseren Kunden nach wie vor eine Kombination aus verschiedenen CPUs und GPUs in verschiedenen Formfaktoren an. Darüber hinaus lassen wir diese Produkte auch für vertikale Märkte zertifizieren - es gibt Zertifizierungen für Medizintechnik, für Schienenfahrzeuge, E-Zeichen und fahrzeugbezogene Zertifizierungen, also für unterschiedliche vertikale Märkte.
SEMINAR-TIPP VON ELEKTRONIKPRAXIS
Proaktives Materialmanagement für EMS-Unternehmen
Um eine zukunftssichere Material- und Lagerstrategie zu entwickeln, gilt es den ganzheitlichen Prozess von der Auftragsgewinnung über die Lagerhaltung bis zur Auslieferung des Fertigproduktes zu betrachten, zu verstehen und entsprechende Maßnahmen daraus abzuleiten. Das Seminar „Proaktives Materialmanagement für EMS-Unternehmen“ liefert Ihnen nicht nur einen umfassenden Einblick, sondern auch praktische Lösungsansätze für die Herausforderungen der Materialverfügbarkeit und des Lagerbestandsmanagements.
Kombination mit dem EMS-Tag Das Seminar findet am 9. Oktober 2024 im Vogel Convention Center statt. Sie haben die Möglichkeit, das Seminar mit der Teilnahme am Würzburger EMS-Tag (10. Oktober) zu verbinden. Teilnehmende des Seminars erhalten das Ticket für den EMS-Tag zum Vorteilspreis.
Welche Rolle spielen Schwellenmärkte in Ihrer Wachstumsstrategie, und wie passen Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen an die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen dieser Märkte an?
Schwellenmärkte - damit meinen Sie hauptsächlich Osteuropa, den Nahen Osten, Asien und Afrika. Ich würde sagen, dass diese Länder eher in der Zukunft wichtig sein werden. Im Moment tragen unsere Aktivitäten dort nicht viel zu unserem Gesamtgeschäft bei. Wir versuchen derzeit, die richtigen Partner zu finden. Dabei muss man erst herausfinden, wer gut ist und wer eher noch am Anfang steht. Wir bringen ihnen unsere Technologie und zeigen ihnen Anwendungen, die sich in den USA und in Europa bewährt haben, so dass sie diese Lösungen verkaufen bzw. einfach als fertige Lösungen auf ihren Markt bringen können. Allerdings sagen wir nicht wirklich laut. Denn hier bei uns ist das Produktportfolio sehr umfangreich; in diesen Schwellenmärkten ist das Angebot aber viel eingeschränkter. Wir haben es mit Partnern zu tun, die sich mit dem Kreditmarktsegment und speziellen Produktlinien befassen. Wir können ihnen nicht sagen, dass sie alles haben können, denn man weiß nicht, ob letztlich Gewinn generiert wird. Wir müssen uns also sehr genau mit diesem Thema befassen. Manche kopieren auch den Wachstumspfad hier in Europa, d.h. unsere älteren Produkte oder älteren Technologien können in diesen Schwellenländern verwendet und kopiert werden. So sehen wir das im Moment.
Wie stellen Sie angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe sicher, dass Ihre Produkte und Netzwerke sicher sind, insbesondere wenn sie in kritische Infrastrukturen integriert sind?
Cybersicherheit ist heute ein großes Thema und betrifft jede Hardware. Wir sprechen hier über viele Perspektiven der Readiness. Diese wird wohl nie perfekt sein, doch sie entwickelt sich weiter. Wir müssen Strategien und Methoden ausarbeiten, die sich an die neuesten Technologien anpassen lassen, um Cyberangriffe zu verhindern. Unsere Firmenzentrale ist nach ISO 27001 zertifiziert, und wir arbeiten an der Norm 61443 für die Software in der Produktentwicklung. Und bei unserem Unternehmenssystem - sowohl das IT- als auch das Produktionssystem – gewährleistet die ISO 27001 Zertifizierung, dass die von uns entwickelten und gelieferten Produkte so sicher wie möglich sind. Im Falle von Sicherheitslücken oder Ereignissen bei unseren Zulieferern beteiligen wir uns zudem an CVE-Reviews. Wir können nicht alles richtig machen, aber wir müssen uns auf die wichtigen Bereiche konzentrieren, die für Cyberangriffe verwundbar sein könnten. Daran arbeiten wir ebenfalls. Alles entwickelt sich weiter. Ich behaupte nicht, dass wir heute schon perfekt sind, aber wir sind auf dem besten Weg. (mbf)