Psychologie

Egotrips in Projektteams und wie Sie sich schützen

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Jedoch erlaubt Plan B zwar einen Aufschub, aber keine Lösung. Im Gegenteil, er reißt Gräben auf, die z.B. durch Schuld-eingeständnisse oder Gegenleistungen wieder zugeschüttet werden müssen. Es entsteht zusätzlicher Aufwand, der die Hemmschwelle für den Wechsel zu einer der anderen Lösungsvariantenerhöht.

Teufelsspirale aus Manipulation, Selbstbetrug und Betrug

Soll Plan B mit allen Mitteln weiter durchgezogen werden, oder werden die Weichen neu gestellt? Das Ego ist stark. Es ist das Ergebnis langer und kräftezehrender Kämpfe um Anerkennung und Position. Und das soll alles aufs Spiel gesetzt werden? Von der ursprünglichen Selbstdarstellung abzuweichen birgt die Gefahr von Spott, Strafe, Vertrauensverlust und Abstieg. Die Abwägung des Egos lautet in Wahrheit: Was ist schlimmer? Wenn das Projekt scheitert, in das nur ein paar Monate investiert wurden, oder das Ego, in das ein Leben lang investiert wurde?

Bild 3: Produktive Leistung geht durch den Aufwand für die Täuschung verloren. Die notwendige Leistung, um die Erwartungen noch zu erfüllen, wächst stark an. A: Notwendige Leistung = maximal erreichbare Leistung. B: Täuschungsaufwand = verfügbare Leistung. (Archiv: Vogel Business Media)

Diese Darstellung ist keineswegs übertrieben, wie die Beispiele der Enron-Manager oder des Anlagebetrügers Madoff zeigen. Sie wählten lieber den Weg vom Selbstbetrug zum Betrug, statt sich einzugestehen, dass sie auf dem Holzweg sind. So kann Plan B in eine Teufelsspirale münden, in der sich Selbstbetrug und Betrug gegenseitig in den Abgrund treiben. Dabei gibt es zwei kritische Zeitpunkte: Punkt A), ab dem keine Möglichkeit mehr besteht, die Lücke zwischen Täuschung und Realität aus eigener Kraft, z.B. durch Mehrarbeit, zu schließen.

Spätestens jetzt wird aus Optimismus Selbstbetrug und aus Selbstbetrug Betrug. An Punkt B ist keine Kraft für weiteren Betrug mehr verfügbar. Spätestens jetztbricht das Lügengebäude zusammen. Die jüngste Finanzkrise ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass diese Dynamik nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Teams, ja sogar ganze Unternehmen und Staaten erfassen kann.

Wir alle wenden die Tricks unseres Egos an, wenn es Vorteile bringt oder uns vor Nachteilen bewahrt. In gewissen Grenzen wird dies von unseren Mitmenschen, sofern sie es überhaupt bemerken, toleriert. Die Kunst besteht darin, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen oder Menschen zu finden, die uns rechtzeitig vor dem Herausfallen bewahren.

Hier einige Lösungsansätze:

  • Jeder sollte die Gefahren des Egos kennen. Es lohnt sich, bei wichtigen Entscheidungen zu hinterfragen, was dem Ego und was dem Projekt nutzt oder schadet. Je besser sich Projekt und persönliche Interessen vereinbaren lassen, desto erfolgreicher die Arbeit.
  • Die professionelle Ermittlung und Verfolgung anspruchsvoller aber realistischer Ziele unterstützen eine gesunde Selbsteinschätzung. Metriken, Benchmarks, etc. können dabei als objektive Maßstäbe dienen.
  • Beobachter, deren Egos nicht in gleicher Weise vom Ergebnis abhängen,wirken durch ihre Rückmeldungen z.B. bei Reviews oder Krisensitzungen Fehleinschätzungen entgegen oder zeigen Alternativen auf.
  • Das Ego von Führungs- oder Schlüsselpersonen hat starken Einfluss. Deshalb ist es sinnvoll, ihre Persönlichkeitsmerkmale beispielsweise in einem AssessmentCenter zu ermitteln, ihre Selbstbeobachtung z.B. durch Rollenspiele zu schärfen und ihre Persönlichkeitsentwicklung durch Coaching zu unterstützen.

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