Der Universalcomputer ENIAC I und folgende Modelle verdanken ihre Entwicklung zwei überaus umtriebigen Tüftlern, dem Elektrotechniker John Presper Eckert und dem Physiker John Mauchly. Wir beleuchten das Leben der Pioniere.
In einem zweiteiligen Feature widmen wir uns dieses Mal dem 1946 vorgestellten Großcomputer ENIAC I, wobei wir dabei im ersten Teil vorwiegend auf das Leben und Wirken der beiden Hauptentwickler eingehen werden. Im zweiten Teil behandeln wir technische Aspekte des ENIAC I, der zu den ersten universal programmierbaren Computern der Geschichte zählt. Auch werden darin die lange Zeit eher belächelten sechs sogenannten ENIAC-Girls thematisiert, die erst Jahrzehnte später als das geehrt wurden, was sie waren, nämlich waschechte Programmiererinnen.
Die beiden Hauptentwickler des ENIAC I waren John Presper Eckert und John Mauchly, die den Computer an der Universität von Pennsylvania ab 1942 entwickelten, wo er 1946 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Neben dem Leben von Eckert und Mauchly geht es um deren Computerfirma, die sie nicht zuletzt wegen einer gewissen Mischung aus Bitterkeit und Wut gründeten. Wir wollen mit den Lebensläufen der beiden Entwickler bis zu ihrem ersten Zusammentreffen starten.
John Presper Eckert – Elektrotechniker mit wohlhabendem Hintergrund
Als Sohn des erfolgreichen Immobilienmaklers John Eckert und seiner Gattin Ethel M. Hallowell kam John Presper Eckert am 9. April des Jahres 1919 in Philadelphia zur Welt. Wie wohlhabend die Familie war, zeigt die Tatsache, dass der Sohn per Chauffeur zur Schule gefahren wurde. Schon als Schüler interessierte sich Eckert für Technik und wurde Mitglied des Ingenieur-Clubs Philadelphia. Dabei verbrachte er unter anderem im Labor des Fernsehtechnik-Pioniers Philo Farnsworth (1906–1971) viel Zeit.
Nach seiner Schulzeit studierte Eckert seinen Eltern zuliebe zunächst Wirtschaft, wechselte aber 1937 an die Moore Schule der Universität von Pennsylvania, in der Elektrotechnik gelehrt wurde. Sein erstes Patent erhielt er im Jahre 1940 für ein Gerät zur Lichtmodulation. An der Moore Schule beteiligte er sich auch an der Forschung im Gebiet der Radarortung, die wegen des Zweiten Weltkriegs enorm an Bedeutung gewonnen hatte. Dabei kam auch ein analog-mechanisches Rechengerät zum Einsatz, um Berechnungen durchzuführen. 1941 nahm er an einer Schulung des Kriegsministeriums zu militärisch relevanten Themen aus den Bereichen Ingenieurwesen, Wissenschaft und Management teil. Nachdem John Presper Eckert schließlich John Mauchly kennengelernt hatte, startete die Entwicklung des ENIAC – hier ergibt es nun Sinn, zunächst auf das Leben von John Mauchly bis zum Zeitpunkt der ENIAC-Entwicklung einzugehen.
John Mauchly – Physiker mit Elektronikambitionen
John William Mauchly kam am 30. August des Jahres 1907 in Cincinnati zur Welt. Seine Eltern waren deutscher Abstammung, wobei sein Vater Sebastian zwar Deutsch sprach, es aber innerhalb der Familie nicht benutzt haben soll. Noch als John Mauchly klein war, zog die Familie nach Chevy Chase in die Nähe von Washington D.C., da sein Vater im Carnegie Institut in Washington einen Job als Physiker annahm und im Bereich des Erdmagnetismus forschte.
Seine High School-Zeit verbrachte John Mauchly in Washington D.C. Als Jugendlicher beschäftigte er sich bereits mit Technik und Elektronik und war in der Nachbarschaft bekannt dafür, dass er entsprechende Dinge reparieren konnte. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1925 begann er, ausgestattet mit einem Stipendium, ein Studium im Fach Maschinenbau, wechselte aber zur Physik und promovierte darin im Jahr 1932, übrigens ohne vorher einen Bachelorabschluss zu machen.
Sein Interesse galt der Berechnung von dynamischen Vorgängen primär rund um das Wetter, was bekanntermaßen enorm komplexe Rechenvorgänge mit zahlreichen Variablen voraussetzt. Parallel zu seiner Arbeit am Ursinus College in Philadelphia, wo er seit 1933 als Lehrkraft angestellt war, beschäftigte er sich mit elektronischen Schaltkreisen. Davon versprach er sich, herauszufinden, ob und wie sich die Datenverarbeitung beschleunigen ließe. Hier entstand dann die Verbindung zu John Presper Eckert, denn Mauchly besuchte für seine Fortbildung im Bereich der Elektrotechnik Kurse an der Moore Schule. Näher kennengelernt haben die beiden sich schließlich bei dem oben schon beschriebenen Kurs des Verteidigungsministeriums – womit wir nun zum ENIAC kommen.
Universalcomputer ENIAC I
Die Abkürzung ENIAC steht für „Electronic Numerical Integrator and Computer“. Entwickelt haben Eckert und Mauchly den ENIAC, genauer gesagt den ENIAC I, im Auftrag der US Army ab dem Jahr 1942, um Berechnungen für ballistische Tabellen durchzuführen. Der Zweite Weltkrieg war noch voll im Gange, und eine präzise Berechnung von möglichst vielen Szenarien rund um die Ballistik konnte entscheidende Vorteile in den Gefechten bringen.
Stand: 08.12.2025
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Obwohl der ENIAC I schon 1945 zum Einsatz kam, wurde er erst am 14. Februar 1946 an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia der Öffentlichkeit präsentiert, also einige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf technischer Seite war der ENIAC ein turingfähiger, universal programmierbarer Computer, wobei die Signale für die Datenverarbeitung elektronisch gesendet wurden. Der ENIAC gilt damit als der erste elektronische Universalrechner, und der elektronische Datenfluss war ein großer Fortschritt im Vergleich zu Computern wie dem Z3 von Conrad Zuse aus dem Jahr 1941, der noch mit Relais arbeitete. Zu technischen Details und der grundlegenden Funktionsweise werden wir im zweiten Teil unseres Features kommen – an dieser Stelle belassen wir es bei den Eckdaten zur Historie des ENIAC I und kommen wieder zu dessen beiden Schöpfern.
Durch Streitigkeiten zur eigenen Firma
Eckert und Mauchly wurden wegen Streitigkeiten um die Patentrechte und deren Verwertungsrechten im Jahr 1947, also ein Jahr nach der öffentlichen Präsentation des ENIAC, von der Universität von Pennsylvania entlassen. Im Jahr 1946, also vor der Entlassung, waren die Entwickler nicht mehr an der Universität tätig und hatten die EMCC (Eckert-Mauchly Computer Corporation) gegründet, um mit ihrem Wissen neue Rechner für kommerzielle Zwecke zu entwickeln und anzubieten. 1949 lieferte die EMCC eine kleinere Variante des ENIAC mit dem Namen BINAC (Binary Automatic Computer) an den Flugzeugbauer Northrop Corporation aus. Allerdings war die Kostenkalkulation alles andere als gut, sodass die EMCC an dem BINAC nicht genug Geld verdiente und in finanzielle Probleme geriet.
Zu allem Übel verstarb ein Investor bei einem Flugzeugunglück, sodass erwartete Gelder ausblieben. Schon ein Jahr vor der Auslieferung des BINAC erhielt die EMCC vom US Census Bureau den Auftrag für einen Computer zur Unterstützung der Volkszählung 1950 sowie auch weitere Aufträge der US Army und US Navy. Zum Verhängnis wurde der Firma dabei die sogenannte McCarthy-Ära. Dies war ein Zeitraum, in dem – vordergründig durch den republikanischen Politiker Joseph McCarthy angetrieben – eine geradezu hysterische Jagd nach vermeintlich kommunistisch eingestellten US-Bürgern stattfand. Ingenieure von EMCC gerieten dabei unter Verdacht, sodass die Regierungsaufträge zurückgezogen wurden. Auch gegenüber John Mauchly gab es Vorwürfe, sodass er zwei Jahre lang das Betriebsgelände nicht mehr betreten durfte.
UNIVAC, Finanzprobleme und Lebensabende der beiden Pioniere
Bezüglich der Vorwürfe gegenüber John Mauchly gab es letztlich zwar einen Freispruch, sodass der für die Volkszählung 1950 eingeplante UNIVAC I weiterentwickelt wurde. Die EMCC konnte ihn aber wegen der durch die Querelen entstandenen Verzögerungen erst im Jahr 1951 an die Behörden übergeben. Der Computer wurde dennoch genutzt. Bekannt wurde er für eine Hochrechnung bei der Präsidentschaftswahl 1952. Mit einem Datensatz von 7 Prozent der ausgezählten Stimmen sagte der UNIVAC einen klaren Sieg für Dwight David Eisenhower voraus, obwohl klassische Prognosen ein sehr knappes Ergebnis andeuteten.
Die Prognose des UNIVAC bewahrheitete sich aber am Ende beinahe exakt: Statt eines Wahlleutestimmen-Verhältnisses von 442:89 berechnete der UNIVAC ein Ergebnis 438:93. Die Genauigkeit der Berechnung des UNIVAC sowie im Gegensatz dazu das Versagen der klassischen Prognosen sorgten für weltweites Aufsehen und brachten einen großen Schwung in das Thema Computer. EMCC wurde im Jahr 1950 wegen finanzieller Probleme von der 1927 als Schreibmaschinenhersteller gegründeten Remington Rand Corporation übernommen.
John Presper Eckert blieb dort als Führungskraft, wobei die Firma durch Übernahmen und Fusionen letztlich in das Unternehmen Unisys überging, ein IT-Spezialist mit aktuell etwa zwei Milliarden Dollar Umsatz. 1989 verließ Eckert Unisys, blieb aber als Berater erhalten. Er verstarb am 3. Juni 1995 im Alter von 76 Jahren in der Kleinstadt Bryn Mawr im Südosten von Pennsylvania an Leukämie.
Auch John Mauchly blieb zunächst bei Remington Rand. Er gründete 1959 die Firma Mauchly Associates mit dem Ziel, Bauplanungen zu automatisieren, sowie im Jahr 1967 die Consulting-Firma Dynatrend. Als Berater hauptsächlich für elektronische Produkte aus dem IT-Bereich arbeitete John Mauchly bis zu seinem Tod. Nach einer Herzoperation, von der sich nicht erholte, verstarb am 8. Januar 1980 in Ambler, ebenfalls einer kleinen Stadt im Südosten von Pennsylvania. (sb)