Schnelle Bildwiederholrate E-Ink-Displays mit 75 Hz

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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E-Ink-Displays waren bisher vor allem für Lesegeräte bekannt, da sie wenig Energie benötigen und eine hohe Lesbarkeit bieten. Ein Start-up bietet ein Entwicklungs-Kit, das aus einem Standard-E-Ink-Display und einem FPGA-basierten Display-Controller besteht, und sorgt so für eine hohe Wiederholrate von 75 Hz.

Modus bietet ein Kit mit E-Ink-Displays mit 75 Hz und einer Latenz von unter 100 ms an. (Bild:  Modus)
Modus bietet ein Kit mit E-Ink-Displays mit 75 Hz und einer Latenz von unter 100 ms an.
(Bild: Modus)

Eine hohe Lesbarkeit bei sehr niedrigem Energiebedarf – das sind die Kennzeichen der E-Ink-Technik. Während E-Ink bislang vor allem für statische oder langsam wechselnde Inhalte genutzt wurde, sind jetzt mit 75 Hz auch flüssigere Darstellungen möglich. Damit eignet sich die Technik nun auch für produktive Arbeitsumgebungen und Anwendungen mit bewegten Inhalten.

Warum sind höhere Bildwiederholraten wichtig?

Standard-E-Paper-Displays bieten bisher Bildwiederholraten von rund 10 Hz oder weniger, was sie für Bewegungsdarstellung und schnelle Szenenwechsel untauglich machte. In der Praxis führte dies zu einer spürbaren Trägheit, die für Anwendungen wie Videowiedergabe oder reaktive Nutzerschnittstellen unzureichend war.

Eine höhere Wiederholrate wie etwa 75 Hz bedeutet, dass E-Paper-Displays nun in Anwendungen eingesetzt werden können, die zuvor LC-Displays vorbehalten waren. Das betrifft beispielsweise die Darstellung von dynamischen Inhalten oder Anwendungen, in denen Latenz eine wichtige Rolle spielt.

Technologischer Durchbruch von Modos

Das Startup Modos hat mit seiner Entwicklung einen bemerkenswerten Beitrag geleistet: Der Modos Paper Monitor and Dev Kit kombiniert ein offenes FPGA-basiertes Display-Controller-Design mit handelsüblichen E-Paper-Panels.

Das Herzstück des Kits ist ein Xilinx Spartan-6 FPGA, ergänzt durch einen STM32H750 Mikrocontroller und DDR3-Framebuffer-Speicher, womit eine pixelgenaue Steuerung und Bildaufbereitung möglich ist. Alle Features, die bisher eher LC- und OLED-Displays vorbehalten waren.

Dieses offene Hardware-Konzept ermöglicht Entwicklern, vielfältige Panelgrößen zwischen vier Zoll und 42 Zoll zu experimentieren und eigene Anpassungen vorzunehmen, ohne auf proprietäre Controller-Beschränkungen angewiesen zu sein.

Die Displays des Kits erreichen Bildwiederholraten von bis zu 75 Hz bei einer Latenz von unter 100 ms und unterstützen verschiedene Modi, darunter Binärmodus, 4- und 16-stufige Graustufen sowie hybride Modi für dynamische Bildverfeinerung. Die Bildschirme können über HDMI oder USB-C angeschlossen werden, wobei USB-C auch die Stromversorgung übernimmt.

Eigenschaft Details
Bildwiederholrate Bis zu 75 Hz
Latenzzeit Unter 100 ms
Displaygröße Erhältlich in 6 und 13 Zoll
Auflösung 1.600 x 1.200 (13 Zoll) / 1.448 x 1.072 (6 Zoll)
Display Controller FPGA-basiert, Open Source (Caster)
Konnektivität HDMI und USB-C
API-Unterstützung C-Programmiersprache für dynamische Betriebsmodi
Nutzersteuerung Pixelgenau, flexible Update-Regionen mit Dithering

Maßgeschneidertes Display für kreative Projekte

Für Entwickler, die maßgeschneiderte Lösungen bevorzugen, bietet Modos ein robustes API mit Unterstützung für dynamische Display-Modi. Von textbasierten Anwendungen in binären Farben bis hin zu detailreichen Graustufen-Visualisierungen und sogar Videodarstellung lässt das Dev Kit nahezu keine Anwendungswünsche offen.

Ein weiteres Highlight ist, dass sowohl der Caster Display Controller als auch die begleitende Software Open Source und auf GitHub verfügbar sind. Das bedeutet, dass Entwickler weltweit direkt auf die Technologie zugreifen und diese weiterentwickeln können. Besonders Elektronikentwickler profitieren von diesem offenen Ansatz, da sie neue Anwendungen für die höherwertigen, latenzarmen E-Ink-Displays realisieren können

Crowdfunding-Kampagne von den Pionieren der E-Paper-Innovation

Modos hat sich für den Launch seiner wegweisenden Entwicklungskits für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden, bei der Entwickler und Technikenthusiasten aktiv eingebunden werden. Die Kampagne startete auf Crowd Supply und erreichte breite Unterstützung sowohl von Einzelpersonen als auch von Fachleuten aus der Elektronikbranche. Durch die Crowdfunding-Initiative wird es Modos ermöglicht, ihre Technologie weiter zu verfeinern und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Open-Source-Komponenten des Projekts der Entwicklergemeinschaft zugänglich bleiben.

Die Kampagne lief planmäßig bis zum 18. September, und die Auslieferung der ersten Kits ist für Januar 2026 vorgesehen. Dieses Vorgehen reflektiert das Engagement von Modos, innovative Technologien in enger Zusammenarbeit mit der Community zu entwickeln und zu verbreiten. Es unterstreicht zugleich die zukunftsorientierte Vision des Unternehmens, E-Paper-Displays jenseits konventioneller Einsatzmöglichkeiten zu positionieren. (heh)

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