eCarTec 2014 e-clearing.net erlaubt grenzenloses Laden von Elektrofahrzeugen
Auf der eCarTec 2014 ging e-clearing.net an den Start. Die internationale Datendrehscheibe sorgt für grenzüberschreitende Interoperabilität beim Laden von Elektrofahrzeugen. Mehr als 4500 Ladepunkte sind bereits angeschlossen.
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Elektrofahrzeuge sind im Kommen – darüber sind sich die Experten einig. Vor allem im europäischen Ausland gibt es schon heute eine relevante Anzahl elektrisch betriebener Fahrzeuge: In den Niederlanden sind bereits insgesamt 40.000 rein elektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride zugelassen, in Norwegen 38.000. Dies entspricht 5,5% der Neuzulassungen 2013 in den Niederlanden und sogar über 6% in Norwegen.
Dass Deutschland das ambitionierte Ziel der Bundesregierung von 1 Mio. E-Fahrzeugen im Jahr 2020 erreicht, wird allerdings bezweifelt. Als Begründung für den eher schleppenden Markthochlauf hierzulande wird immer wieder auch die unzulängliche Ladeinfrastruktur genannt: Zu viele unterschiedliche Betreiber schaffen Inselnetze, die nicht interoperabel sind und somit nicht über einen einzigen Zugangsschlüssel schnell und einfach genutzt werden können.
Datendrehscheibe erlaubt Austausch aller relevanten Daten
Hier möchte eine Initiative der deutschen smartlab Innovationsgesellschaft mbH und der niederländischen Stiftung ElaadNL Abhilfe schaffen: Auf der diesjährigen eCarTec, der Münchener Leitmesse für Elektromobilität, brachten die beiden Unternehmen gemeinsam mit ersten Industriepartnern e-clearing.net an den Markt.
„Mit unserer Datendrehscheibe e-clearing.net möchten wir die relevanten Marktakteure miteinander vernetzen, indem wir ihnen die Möglichkeit bieten, alle relevanten Daten untereinander auszutauschen. Den Elektromobilisten eröffnet dies unkompliziertes Roaming im In- und Ausland“, erläutert Hauke Hinrichs, Technischer Leiter der smartlab, das Konzept der Plattform. Ziel von e-clearing.net sei der ungehinderte und netzübergreifende Zugang zur gesamten Ladeinfrastruktur in Europa.
Die Funktionalitäten und Vorteile von e-clearing.net

Arjan Wargers, Manager Development and Innovation bei ElaadNL, betont das praxisorientierte Vorgehen: „Wir haben die B2B-Plattform e-clearing.net genau auf die Anforderungen des Marktes zugeschnitten und nach dem Bedarf der verschiedenen Marktteilnehmer programmiert, so dass sie für die Partner sehr einfach zu nutzen ist. Sie erlaubt den teilnehmenden Akteuren den Austausch von Daten zur Authentifizierung der Nutzer und zur Abrechnung der abgegebenen Strommengen. Dazu ermöglicht sie sowohl die Übertragung ganzer Authentifizierungslisten als auch einzelne Autorisierungsabfragen.“
Auch dynamische Informationen über die Ladestationen lassen sich austauschen
Neben den abrechnungsrelevanten Daten können die Marktpartner über e-clearing.net auch Mehrwertdienstleistungen untereinander austauschen, so zum Beispiel dynamische Informationen über die Ladestationen der angeschlossenen Betreiber. „Vom Start weg sind Echtzeitangaben zu rund 4500 Ladepunkten auf der Plattform abrufbar, die andere Marktteilnehmer nutzen und in ihre Apps und Internetseiten einspeisen können. So sehen ihre Kunden über diese Medien nicht nur den genauen Standort und die Ausstattung der Säulen, sondern auch, ob ein geeigneter Ladepunkt frei und nutzbar ist“, unterstreicht Hinrichs die Vorteile für die Konsumenten.
IT-System mit offener Schnittstelle
Besondere Bedeutung hat neben der Funktionalität von e-clearing.net die offene Schnittstelle des IT-Systems. Diesem liegt das OCHP-Protokoll zugrunde (Open Clearing House Protocol), das offen für alle ist und auch außerhalb von e-clearing.net genutzt werden kann, zum Beispiel direkt zwischen einzelnen Marktpartnern. „Dies ist für uns zentral. Ein offenes Protokoll geht deutlich über eine Veröffentlichung im Internet hinaus: Es muss auch frei von Schutzrechten und Gebühren sein. Unser erklärtes Ziel ist die gemeinschaftliche Weiterentwicklung des Protokolls mit allen Marktpartnern“, so Wargers.
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Kein Kontrahierungszwang zwischen den Teilnehmern
Auch das hinter e-clearing.net liegende Marktmodell ist ein offenes Modell, das heißt, zwischen den Teilnehmern besteht kein Kontrahierungszwang, die Marktteilnehmer sind frei in der Wahl ihrer Partner. Somit kann jeder Ladesäulenbetreiber mit dem Elektromobilitätsdienstleister seiner Wahl bilateral Roaming-Verträge abschließen – oder auch nicht.
„Wir stellen als Betreiber von e-clearing.net Vertragsmuster zur Verfügung“, so Hinrichs. Durch diese bilateralen Verträge können die Teilnehmer ohne Zwischenhändler Geschäfte abschließen und somit transaktionsbasierte Gebühren vermeiden. Die Marktpartner zahlen nur eine jährliche Gebühr für ihre Mitgliedschaft bei e clearing.net und können in diesem Rahmen mit beliebig vielen Partnern eine Roaming-Beziehung eingehen.
Das Geschäftsmodell und die Partner von e-clearing.net
Die smartlab und ElaadNl betreiben die Plattform ohne eine Gewinn-erzielungsabsicht. Finanzieren soll sich e-clearing.net über die Mitglieds-beiträge der angeschlossenen Teilnehmer, die auf Basis der entstehenden Kosten erhoben werden. Es ist geplant, die Beiträge jährlich festzulegen und nach Unternehmensgröße sowie Marktaktivität in den Kategorien „klein“, „mittel“ und „groß“, zu bemessen. Wächst die Zahl der Mitglieder und übersteigen dadurch die Einnahmen die Ausgaben, wird der Mitgliedsbeitrag im kommenden Jahr gesenkt. Hinrichs bringt es auf den Punkt: „Je mehr Mitglieder es gibt, desto geringer sind die Beiträge.“ Die Plattform ist ein offenes System, alle Marktpartner sind eingeladen, an e clearing.net teilzunehmen. Auch die Vernetzung mit anderen Plattformen ist geplant.
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Die Entstehung und die Zukunft von e-clearing.net
e-clearing.net ist hervorgegangen aus zwei Forschungsprojekten, die sich mit der Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) für Elektromobilität beschäftigt haben. Auf deutscher Seite war es Bestandteil des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Leuchtturmprojekts „econnect Germany“. In den Niederlanden hat die Netherlands Enterprise Agency (Rijksdienst voor Ondernemend Nederland) das Projekt finanziell unterstützt.
Die smartlab und die Stiftung ElaadNL blicken auf zweieinhalb Jahre gemeinsamer Entwicklungszeit zurück: Der erste Meilenstein war der „Treaty of Vaals“, mit dem im April 2012 eine erste Pilotanwendung für grenzüberschreitendes Laden im Dreiländereck von Deutschland, den Niederlanden und Belgien an den Start ging. Im Juni 2013 wurde der Test des dahinter liegenden IT-Systems erfolgreich ausgeweitet auf den niederländischen E-Mobilitätsdienstleister The New Motion (TNM) und den luxemburgischen Ladeinfrastrukturbetreiber Estonteco.
Im Mai dieses Jahres gaben dann als erste Industriepartner E.ON, Vattenfall, T-Systems, Mitsubishi und der österreichische Energiedienstleister VERBUND Absichtserklärungen ab, der Datendrehscheibe beizutreten. Des Weiteren haben bereits mehrere Automobilhersteller ihr Interesse an einer Mitgliedschaft bei e-clearing.net bekundet und begonnen, die Schnittstelle zu implementieren. Dazu stehen sie in intensivem Austausch mit den Initiatoren.
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