Projektcoaching

Don‘t Panic — Wie die Hormone Ihre Projektarbeit beeinflussen

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Lage des Hypothalamus im Gehirn (Archiv: Vogel Business Media)

Nach allem, was man heute weiß, verdient der Hypothalamus den Titel des Stellwerksleiters. Es handelt sich um eine verglichen mit der Gehirngröße (ca. 1,3kg) leichte, ca. 15g Ansammlung von Nervenzellen, die es in sich hat. Der Hypothalamus hat eine herausragende Funktion, wenn es um unser Gefühlsleben geht: er ist die Schnittstelle zwischen Denken und Fühlen. Einerseits beeinflusst er das Hormonsystem, und andererseits spielt er eine wichtige Rolle im Motivationssystem des Gehirns. Ob wir uns gut, schlecht, oder konkreter ausgedrückt hungrig, durstig, aggressiv, erregt, ängstlich oder müde fühlen, wird durch diesen Zellhaufen maßgeblich bestimmt. Er schätzt schon bevor unser Verstand tätig wird anhand der im verfügbaren rudimentären Informationen die Gesamtsituation ein und versetzt den Körper über das Hormonsystem in Erregung.

Ebendiese biochemisch ausgelösten Erregungszustände stellen die Vorstufe für unsere Einschätzung von dringend und wichtig dar. Sie werden von wesentlich komplexeren Bereichen des Gehirns, die für unsere Psyche zuständig sind, als Empfindungen wie Angst oder Freude interpretiert. Das Ergebnis dieser Interpretation hängt wesentlich von unseren bisher gemachten Erfahrungen ab, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein können. Der Sprung ins Wasser ist für einen guten Schwimmer das reinste Vergnügen, aber für den Nichtschwimmer reiner Stress.

Wann Projekte gefahr laufen, außer Kontrolle zu geraten

Entscheidend ist, inwieweit unsere Psyche die Situation als kontrollierbar oder beherrschbar einschätzt. Je unkontrollierbarer die Situation erscheint, desto stärker steigt die Erregung. Je stärker die Erregung, desto mehr treten panikartige und unorganisierte Verhaltensmuster auf.

Ähnliche Auswirkungen hat es, wenn wir Erregungszustände als sehr angenehm oder gar euphorisch erleben. Auch dies führt tendenziell zu unreflektiertem Verhalten, da in diesem Fall die Fähigkeit, eine Situation zu kontrollieren zu können, falsch eingeschätzt wird. Ein mittlerer Erregungszustand, den wir z.B. als Vorfreude, gespanntes Interesse, Neugierde oder auch Trauer wahrnehmen, ist für Aufgaben, die Mitdenken erfordern, am besten geeignet.

Die optimale Leistung bei Aufgaben, die ein Mitdenken erfordern, erzielen wir in einem mittleren Erregungszustand. (Archiv: Vogel Business Media)

Damit ist klar, wann Projekte Gefahr laufen, außer Kontrolle zu geraten: Bei hohem Stress, bedingt durch das Gefühl des Kontrollverlusts, oder übertriebener Euphorie als Folge überschätzter Kontrollfähigkeit. Also immer dann, wenn überlegtes Handeln durch hormonell bedingte Denknotstände erschwert wird. Und das alles wegen eines 15g schweren, nur 2 Cent großen Zellhaufens namens Hypothalamus, den es schon länger gibt als Menschen logisch denken können.

Was man gegen hormonelle Notstände tun kann, erfahren Sie im Abschnitt „Projekte in der Hormonkrise: Vorbeugung und Erste Hilfe“.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:299322)