Gesundheit am Arbeitsplatz Digitale Demenz auf dem Vormarsch

Redakteur: David Franz

PC, Smartphone, Tablet & Co. sind feste Bestandteile der Arbeitswelt. Dies kann langfristig die geistige Gesundheit gefährden, ist der Psychiater Prof. Dr. Manfred Spitzer überzeugt. Erfahren Sie warum ständiger Gebrauch von IT „digitale Demenz“ hervorruft und was Personalverantwortliche dagegen tun können.

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Prof. Dr. Manfred Spitzer, leitet seit 1997 den Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Ulm und seit 1998 die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm.
Prof. Dr. Manfred Spitzer, leitet seit 1997 den Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Ulm und seit 1998 die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm.
(Bild: Udo Grimberg)

„Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Studien, die belegen, dass digitale Medien unser Gedächtnis beeinträchtigen können“, sagt Spitzer. Der Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie an der Universität Ulm spricht dabei auch von „digitaler Demenz“.

Den Begriff verwenden koreanische Ärzte seit 2007, um ein Syndrom zu beschreiben, das sie bei Menschen ab einem Alter von etwa 20 Jahren beobachtet haben, die sehr viel Zeit mit Computer und Internet verbringen: Störungen von Merkfähigkeit und Konzentration, Schwierigkeiten beim Lesen eines Textes, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Motivationslosigkeit.

„Wer Informationen googelt, speichert die Erkenntnisse mit nur geringer Wahrscheinlichkeit im Gehirn ab. Wer sich im Chat austauscht, statt Face to Face mit einem Gegenüber darüber zu sprechen, merkt sich Inhalte nicht so gut", erklärt der Psychiater. "Das führt dazu, dass unser Gehirn nicht präzise arbeitet. Dieser Vorgang hemmt die Gehirnbildung langfristig und könnte verfrüht Symptome einer Demenz eintreten lassen. Nach einem aktuellen Bericht der Bundessuchtbeauftragten gibt es in Deutschland 500.000 Internet- und Computersüchtige sowie weitere 500.000 Gefährdete. Deshalb liegt es nahe, dass das Problem der digitalen Demenz in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen wird“, fügt er hinzu.

Geistiger Abstieg – eine Altersfrage?

In welchem Alter die Symptome einer Demenz auftreten, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut ausgebildet das Gehirn eines Menschen ist. Degenerative Veränderungen, die bei Demenz häufig vorliegen, haben zwar selbstverständlich etwas mit dem Alter zu tun, doch diese Veränderungen führt bei gut trainierten Gehirnen nicht zwangsläufig zu einer nachlassenden Gedächtnisleistung. Es gibt Fälle bei denen die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen bis ins hohe Alter vollkommen erhalten bleibt, auch wenn nach dem Tod im Gehirn auffällige Veränderungen wie bei Alzheimerscher Demenz nachgewiesen werden konnten. „Wir kennen auch Fälle von Menschen, bei denen mehr als das halbe Gehirn nicht mehr vorhanden ist und die dennoch klinisch völlig unauffällig sind“, berichtet Spitzer.

Gehirn trainieren und Lernzeit nicht verdösen

Die geistige Gesundheit steht demnach bei mangelndem Training auf dem Spiel. „Ich halte es deshalb für sehr wichtig, dass wir uns einen anderen Umgang mit den Medien angewöhnen. Nicht jede E-Mail muss innerhalb von drei Minuten beantwortet werden. Besonders wertvoll ist die Zeit, die Beschäftigte „offline“ zum Nachdenken und zur konzentrierten Arbeit haben", betont der Psychiater.

Weitere Tipps, was sich gegen digitale Demenz tun lässt, gibt Prof. Dr. Manfred Spitzer in seinem Keynote-Vortrag am Mittwoch, 26. September, auf der Messe Zukunft Personal in Köln.

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