Lidar steht der Durchbruch in der westlichen Welt noch bevor, in China wird bereits ein Höhenflug nach dem anderen gefeiert. Nicht nur in der Automotive-Branche, sondern auch in der industriellen Robotik fährt der führende Hersteller Hesai beeindruckende Erfolge ein.
Im Segment der industriellen und humanoiden Roboter verzeichnet der chinesische Hersteller Hesai rasantes Wachstum.
Wenn es eine Technologie gibt, die lange angezweifelt worden ist, jetzt aber mit Riesenschritten den Weltmarkt erobert, dann ist es Lidar. Die Sensoren, die Lichtwellen zur Messung von Entfernungen und Geschwindigkeiten nutzen, sind mit der wachsenden Popularität der ADAS-Fahrassistenz endgültig im Markt angekommen. Gleichzeitig entsteht dank der „Embodied Intelligence“ in humanoiden und anderen Robotern ein weiterer, ebenfalls schnell wachsender Markt.
Der wohl prominenteste Gegner von Lidar ist Elon Musk, der die Technik bei verschiedenen öffentlichen Auftritten über mehrere Jahre hinweg als „freaking stupid“, als „teuer und unnötig“ und als „fool's errand“ bezeichnet, also als vergebliche Liebesmüh, zumindest für den Einsatz in Autos. Bis heute gibt es kein Tesla-Modell mit Lidar. Doch die chinesische Industrie ging mehrheitlich einen anderen Weg. Und so ist die Erfolgsgeschichte der Lidar-Technologie heute eine vorwiegend chinesische Geschichte, die aber anders als bei den E-Autos nicht vom Pionier Elon Musk inspiriert worden ist, sondern sich gegen sein Urteil durchgesetzt hat.
Höhenflug für Lidar
Dass 2025 ein neuer Höhepunkt für Lidar-Hersteller wird, lässt sich an den aktuellen Plänen der Hesai Group ablesen. Wie der CFO des chinesischen Unternehmens kürzlich in einem Interview mit der Financial Times enthüllte, plant Hesai noch in diesem Jahr den Bau der ersten Fabrik außerhalb Chinas, die bereits nächstes Jahr mit der Produktion beginnen soll. Der Standort wurde noch nicht verraten. Das Geschäft von Hesai ist in jüngster Zeit explodiert. 2024 hat das Unternehmen den stolzen Titel des ersten börsennotierten Lidar-Herstellers der Erde erarbeitet, der ein volles Jahr lang profitabel war.
Die Firma beliefert inzwischen (Stand Februar 2025) schon 22 chinesische und internationale Autobauer, die ihre Lidar-Geräte in 120 verschiedenen, in der Volksrepublik produzierten Modellen verbauen. Immer noch ist dieser Markt relativ klein, aber er wächst sehr, sehr schnell. 2024 hat Hesai 501.900 seiner Produkte ausgeliefert, 126 Prozent mehr als im Jahr davor. Im Dezember 2024 wurde Hesai der erste Lidar-Hersteller der Erde, der in einem einzigen Monat mehr als 100.000 Stück verkauft hat.
Hesai und Mercedes-Benz
Am 11. März 2025 hat Reuters exklusiv berichtet, dass Hesai einen Liefervertrag mit Mercedes-Benz abgeschlossen hat, angeblich für den Einsatz seiner Lidar-Geräte auch in außerhalb Chinas produzierten Fahrzeugen. Auch damit hätte, sofern die Meldung bestätigt wird, Hesai wieder eine Weltneuheit zu feiern - es wäre der erste chinesische Lidar-Hersteller, dessen Geräte serienmäßig von einem internationalen Autobauer außerhalb Chinas verbaut werden.
Reuters zitiert eine Quelle, die sagt, Mercedes habe monatelang mit seiner Entscheidung für den chinesischen Zulieferer gerungen, weil es legale und geopolitische Risiken zu bedenken gab. Die USA versuchen seit Beginn der zweiten Regierungszeit von Donald Trump noch stärker als zuvor, nicht nur amerikanische, sondern auch europäische Autohersteller vom Kauf chinesischer Komponenten abzubringen. Der amerikanische Lidar-Hersteller Luminar ist ein direkter Konkurrent von Hesai.
Doch am Ende hätten die Qualität und der Preis der Lidar-Geräte von Hesai den Ausschlag für den Zuschlag von Mercedes-Benz gegeben, so Reuters. Hesai selbst hat am 12. März in einer Presseerklärung einen „mehrjährigen, exklusiven Vertrag mit einem europäischen OEM“ bestätigt, ohne den Hersteller beim Namen zu nennen – vermutlich wegen der besagten geopolitischen Sensibilität.
Ein weiterer Teil des Produkt-Portfolios der Firma – Sensoren für “embodied intelligence“ – wächst sogar noch schneller als das Geschäft mit den Geräten für ADAS oder Robotaxis. In dieses Segment fällt eine Reihe von Lidar-Geräten für industrielle und humanoide Roboter, Robot-Hunde, smarte Rasenmäher und ähnliche Geräte, deren Absatz gerade schnell zunimmt. Derzeit machen Lidar für die Robotik und die Automatisierung von Fertigungsbetrieben rund 20 Prozent des Umsatzes von Hesai aus – Tendenz schnell steigend. Auch in diesem Bereich gewinnen die Chinesen immer mehr Kunden, weil sie preislich unschlagbar sind und trotzdem gute Qualität liefern.
Stand: 08.12.2025
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BMW ist ebenfalls an Bord
Im Januar dieses Jahres konnte Hesai bekannt geben, dass es Lidar-Sensoren für das Programm „Automatic Driving In-Plant“ (AVM) von BMW liefert. An dem Projekt sind auch der System-Zulieferer Embotech und das Software-Unternehmen Outsight beteiligt. AVM bedeutet, dass bei der Produktion der 5er- und 7er-Serie von BMW im Werk Dingolfing und bei der Produktion des MINI Countryman und anderer BMW-Modelle in Leipzig gerade fertig gebaute Autos autonom von der Produktionsstraße zum ersten Fahrtest und dann zu ihrem Parkplatz gefahren werden, was hohe Personalkosten spart.
Man sei „stolz“ darauf, gemeinsam mit Embotech und Outsight führende Lidar-Technologie an BMW zu liefern, sagte David Li, CEO und Mitgründer von Hesai gegenüber Reportern in China. Der nächste große Schub beim Absatz von Lidargeräten wird allerdings in China selbst erwartet, weil sich die Regulierungsbehörden hier bereits auf die Zulassung des autonomen Fahrens der Stufe 3 vorbereiten. Autos ohne Lidar dürften dafür nur schwer eine Genehmigung erhalten.
Für das laufende Jahr rechnet Hesai mit einem Absatz von 1,2 bis 1,5 Millionen Lidar-Geräten. 200.000 davon werden Lidar für Roboter sein. Damit wäre das Geschäft des Herstellers erneut innerhalb eines Jahres nach Stückzahlen gerechnet um 139 bis 200 Prozent gewachsen. Was die Profite angeht, so rechnet der CFO von Hesai, Andrew Fan, für 2025 mit einem 14-fachen Anstieg von 14 Millionen Yuan (rund 1,8 Millionen Euro) im vergangenen Jahr auf 200 bis 350 Millionen im laufenden Jahr (auf 25,5 bis 44,4 Mio. Euro). Entweder sind all diese Kunden „freaking stupid“ … oder Elon Musk hat sich geirrt. (sb)