Narrative Angriffe Die unsichtbare Bedrohung, die Unternehmen zerstören kann

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Cyberangriffe können Unternehmen bereits schwer treffen. Doch eine zusätzliche Gefahr sind narrative Angriffe. Was Unternehmen tun können, um sich vor falschen oder irreführenden Informationen und der Manipulation der öffentlichen Meinung zu schützen.

Falsche und irreführende Informationen werden in der Öffentlichkeit gestreut. Ein narrativer Angriff kann Unternehmen zerstören, wenn sie keine geeigneten Gegenmaßnahmen einleiten.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Falsche und irreführende Informationen werden in der Öffentlichkeit gestreut. Ein narrativer Angriff kann Unternehmen zerstören, wenn sie keine geeigneten Gegenmaßnahmen einleiten.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Gefahr ist diffus und schwer greifbar: Während sich Unternehmen zunehmend in der komplexen Landschaft von Cyberangriffen zurechtfinden müssen, erweisen sich narrative Angriffe zusätzlich als besonders heimtückische Form, mit der Cyberkriminelle auch Unternehmen in Bedrängnis bringen können. Das besonders heimtückische: Es werden Fehlinformation gestreut oder die Öffentlichkeit wird manipuliert und gespalten. Anders als bei traditionellen Cyberangriffen, die physische oder digitale Infrastruktur betreffen, zielen narrative Angriffe auf die Manipulation der öffentlichen Meinung ab.

Mit proaktiven Maßnahmen, Aufklärung und den richtigen Tools können sich Unternehmen jedoch gegen diese Angriffe wehren und ihre Reputation und Glaubwürdigkeit bewahren. Zu den jüngsten Beispielen gehören die vermeintlichen chinesischen Wetterballons zu Beginn des vergangenen Jahres. Mit Nachrichten über „Überwachungsballons“ im amerikanischen Luftraum hatten Propagandisten aus China, Russland und dem Iran Fehlinformationen verbreitet, um in der westlichen Welt Angst und Misstrauen zu schüren.

Unzählige Medienberichte warnten vor der großen Gefahr, die von dem vermeintlichen Spionageobjekt ausgehen sollte. In ähnlicher Weise streuen Social Hacktivists beispielsweise falsche oder irreführende Informationen über Maßnahmen von Unternehmen in den Bereichen Diversität, Gleichberechtigung und Integration (DEI), um den Ruf von Unternehmen zu schädigen.

Schutz vor narrativen Angriffen

„Ein narrativer Angriff ist eine konzertierte Aktion von Cyberkriminellen, um Fehlinformationen über ein Unternehmen oder eine Organisation zu verbreiten“, sagt Jörg von der Heydt, Regional Director DACH bei Bitdefender.(Bild:  Bitdefender)
„Ein narrativer Angriff ist eine konzertierte Aktion von Cyberkriminellen, um Fehlinformationen über ein Unternehmen oder eine Organisation zu verbreiten“, sagt Jörg von der Heydt, Regional Director DACH bei Bitdefender.
(Bild: Bitdefender)

Sie beginnen mit dem Aufbau von Vertrauen durch gefälschte Online-Profile, die eine Verbindung zu den Zielgruppen herstellen. Sobald ein Ereignis ausgelöst wird, verbreiten diese Profile verzerrte Versionen des Ereignisses, verunsichern und verwirren Mitarbeiter und Kunden. Die Urheber setzen Marketing- und PR-Taktiken ein, um ihre Geschichte zu verbreiten, so dass die Nachrichten leicht konsumiert und weitergegeben werden können. Dabei spielen sie oft mit Emotionen und Unsicherheiten.

Wie sich narrative Angriffe abwehren lassen, verrät Jörg von der Heydt. Er ist Regional Director DACH bei Bitdefender: „Narrative Angriffe haben keine Signatur. Um sie zu erkennen und abzuwehren, bedarf es mehr als nur zeitgemäßer Cybersicherheit, die eine unseriöse Malware-Webseite erkennt. Jeder im Unternehmen muss für diese Art von Fehlinformationskampagnen sensibilisiert sein und gegebenenfalls darauf aufmerksam machen. Unternehmen müssen einen Überblick haben, was in den sozialen Medien und dem Internet über sie zu lesen ist. KI, maschinelles Lernen und umfangreiche Sprachmodelle können dabei helfen, indem sie nach Mustern in der Nachrichtenübermittlung und Syntax suchen, die auf einen narrativen Angriff hindeuten“.

Mögliche Gegenmaßnahmen

Wichtig ist eine Sensibilisierung. „Unternehmen sollten eine enge Verbindung zu ihrer Zielgruppe und ihren Partnern haben und darüber aufklären, wie echte Informationen von Fehlinformationen unterschieden werden können. Zudem müssen sie eine gute Cyber-Resilienz in den sozialen Medien sicherstellen“, sagt von der Heydt. Proaktives Engagement und das Melden von bösartigen Akteuren an die Moderatoren können ebenfalls hilfreich sein. Die Zusammenarbeit mit Marketing-, PR- und Krisenmanagement-Teams ist unerlässlich, um den Schaden zu begrenzen.

Organisationen sollten die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister überlegen, der über die Expertise im Umgang mit narrativen Angriffen in großem Stil hat. Letztlich zählen dazu auch Kommunikationsagenturen oder spezialisierte Dienstleister für das Reputationsmanagement im Internet. Zahlreiche Rechtsanwälte haben sich ebenfalls auf das Thema Rufschädigung spezialisiert.

Wachsamkeit und das Fachwissen

Mit proaktiven Maßnahmen, Aufklärung und den richtigen Tools können sich Unternehmen gegen diese Angriffe wehren und ihre Glaubwürdigkeit bewahren. Wachsamkeit und das Fachwissen von Cybersicherheitsexperten und Agenturen sind der Schlüssel zum Schutz vor den sich weiterentwickelnden Taktiken narrativer Angreifer. Im Rahmen von Managed-Detection-and-Response- (MDR-)Diensten können Dienste zum Schutz von Marke und Intellectual Property (IP) oder Dark Web Monitoring dazu beitragen, narrative Angriffe frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.

Eine Brand Protection überwacht etwa den Missbrauch der Marke, zum Beispiel durch Phishing-Websites, gefälschte Social-Media-Profile oder andere unautorisierte Verwendungen. Auch die unautorisierte Verwendung von geistigem Eigentum wird gemeldet, wie etwa der Verkauf von vertraulichen Informationen oder Plänen. Marken- und IP-Missbrauch können der Ausgangspunkt für narrative Angriffe sein. Auch wenn sensible Unternehmensinformationen im Dark Web auftauchen, können Attacken auf das Image des Opfers darauf aufbauen. „Zudem ermöglichen Trendanalysen, präventive Schritte einzuleiten. Eine frühzeitige Warnung bietet den Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit die Möglichkeit, ihre Kommunikationsstrategie anzupassen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und ihre Kunden und Partner zu informieren, um die Folgen einzudämmen. Bei Entdeckung solcher Aktivitäten können sie einen strukturierten Eskalationsprozess einleiten, um rechtliche Schritte zu erwägen und die Täter zu stoppen“, sagt von der Heydt abschließend. (heh)

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