Künstliche Intelligenz im Alltag Die KI steckt jetzt im Betriebssystem des Smartphones

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Bytedance und ZTE haben ein Smartphone auf den Markt gebracht, in das der KI-Agent Doubao auf Betriebssystem-Ebene integriert ist. Das Gerät war blitzschnell vergriffen. Was kann ein solches „AI-first“-Telefon?

Nubia-Smartphones stammen von ZTEs Premium-Marke Nubia Technology und sind vor allem für ihre starken Kamera-Features, Gaming-Modelle wie die „RedMagic“-Serie und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im oberen Mittel- und High-End-Segment bekannt.(Bild:  ZTE)
Nubia-Smartphones stammen von ZTEs Premium-Marke Nubia Technology und sind vor allem für ihre starken Kamera-Features, Gaming-Modelle wie die „RedMagic“-Serie und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im oberen Mittel- und High-End-Segment bekannt.
(Bild: ZTE)

Das neue KI-Handy war in China sofort ausverkauft. Bytedance, Mutterkonzern von TikTok, hat es gemeinsam mit dem Hardware-Hersteller ZTE entwickelt. Kurz nachdem beide Firmen den ersten Prototyp ihres „Nubia M153“ am 1. Dezember 2025 online zum Verkauf freigegeben hatten, waren auch schon alle Exemplare vergriffen. Anders als in bisherigen Smartphones ist der KI-Agent Doubao hier nicht nur auf der App-Ebene oder als Sprachassistent unterwegs, sondern ist auf der OS-Ebene tiefer in das Gerät integriert.

Es handele sich um ein „AI-first“-Gerät, sagen die Hersteller. Der KI-Agent namens „Doubao Mobile Assistant“ kann den Bildschirm des Handys lesen, andere Apps starten und wie ein Mensch mehrstufige Ketten von Aktionen über mehrere Apps hinweg ausführen, heißt es. Es handelt sich also beim Nubia M153 um ein Handy mit „Agentic AI“, in dem die Integration von KI und Hardware neue Nutzungsmöglichkeiten und damit auch neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Huawei und Xiaomi haben ebenfalls schon Mobiltelefone mit KI-Fähigkeiten eingeführt.

Neu ist dieses Mal die tiefergehende OS-Integration. „Anders als herkömmliche KI-Assistenten-Apps, die sich auf das Beantworten von Fragen beschränken, ist dieser Doubao-Phone-Assistant direkt in die Systemebene eingebettet und verfügt über vollständige Berechtigungen“, schreibt das Portal Pandaily.

Eine neue Datenkrake?

Das Unternehmen Bytedance, das die Anfragen des KI-Agenten auf seinen Servern verarbeitet, gewinnt also einen neuen Zugang zum Nutzer und kann die gewonnenen Daten auch monetarisieren. Man habe keine Absichten, allein Handys zu bauen, gab Bytedance bekannt. Vielmehr hofft das Unternehmen offenbar, vor allem kleineren Handy-Herstellern die Integration der künstlichen Intelligenz in ihre Endgeräte zu ermöglichen.

Doubao, der LLM-Chatbot von Bytedance, war im Oktober dieses Jahres mit 159 Millionen monatlich aktiven Nutzern führend im Markt der KI-Verbraucher-Apps, weit vor Yuanbao von Tencent (73 Mio.) und Deepseek (72 Mio.), zeigen Statistiken der Tracking-Plattform Aicpb.com.

Befehlsketten auslösen

Die Nutzer des neuen Handys können entweder per Sprachbefehl oder über einen designierten „KI-Knopf“ auf die neuen Funktionen zugreifen. Möglich sind Kommandos wie „Hilf mir, Preise über mehrere Plattformen hinweg zu vergleichen, und gebe eine Bestellung auf“.

Auch Fotos können mit dem neuen Handy einfach per Sprachkommando bearbeitet und dann verschickt werden. Für das Buchen von Zugtickets oder das Herunterladen von mehreren Dateien in einem Schwung muss keine App mehr geöffnet werden. Besonders die letzte Funktion ist für viele Chinesen interessant, weil für das Versenden von Dokumenten hier fast nur noch das Handy benutzt wird.

Für sicherheitsrelevante Funktionen, etwa das Bezahlen für Bestellungen, müsse dann noch der menschliche Nutzer „gepromptet“ werden, hieß es in mehreren Berichten. Während die KI die verschiedenen Vorgänge dann notfalls in mehreren Schritten ausführt, kann aber normal weiter telefoniert werden.

KI und Hardware vereint

Die Hochzeit von KI und Hardware im chinesischen Konsumgütermarkt hatte schon vor dem Erscheinen dieses neuen Handys begonnen. Alibaba hat eine KI-Brille namens „Quark AI“ herausgebracht. Huawei verkauft verschiedene Spielzeuge mit KI. Auch UBTECH Robotics verkauft schon „KI-Haustiere“. Mehrere weitere Unternehmen haben neue Produkte noch in diesem Jahr angekündigt.

KI müsse notgedrungen auf der Hardware-Ebene verankert werden, wenn damit mehr Umsätze gemacht werden sollen als mit Tokens, sagen chinesische Experten. Handys sind dabei nur eine von vielen möglichen Anwendungen. „Zukünftiges Wachstum wird aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, autonomes Fahren und Robotik kommen“, schreibt die Zeitung Kechuangban Ribao. Man dürfe sich darauf vorbereiten, dass es zuerst eine Welle schnellen Wachstums bei KI-Telefonen und KI-Spielzeugen geben werde, während die Adaption der KI im Auto und bei Robotern etwas komplexer sei und langsamer voranschreiten werde. Begonnen hat sie auch da.

Auf jeden Fall aber werden KI-Agenten schon bald in vielen Geräten zum entscheidenden, ersten Touchpoint mit den Verbrauchern werden, glauben viele Beobachter der chinesischen Elektronikindustrie. Dass sich das neue KI-Handy von Doubao und ZTE bei einem Preis von 3.499 Yuan (rund 425 Euro) so rasant verkauft, hatte aber niemand im Vorfeld erwartet. Es zeigt, dass die technikbegeisterten chinesischen Handynutzer bereit sind, für ein mit KI verbessertes „Nutzererlebnis“ echtes Geld zu bezahlen. (sb)

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