Das Thema vernetzte Welt beschäftigt die Hersteller von Messtechnik: Vernetzte und künstliche Intelligenz, Big Data oder Breitband-Kommunikation sind Schlüsselthemen der 6. Welle, wie es Tektronix-CEO Pat Byrne formuliert.
Pat Byrne will Tektronix vom reinen Hardware-Anbieter zu einem Lösungsanbieter entwickeln. Immer im Blick des CEO: Aktuelle technische Entwicklungen wie Automobilbau und das Internet der Dinge.
(Bild: Tektronix)
Im Juni 2017 hatte der Messtechnik-Spezialist Tektronix mit seiner Oszilloskop-Serie 5 den Markt aufgemischt. Die Serie bietet Bandbreiten von 350 MHz bis 2 GHz. Zudem sind das ASIC, Trigger, der 12-Bit-A/D-Wandler oder die digitale Erfassung exklusive Entwicklungen von Tektronix. Doch wie sieht Tektronix die weitere Entwicklung in einer zunehmend vernetzten Welt? Dazu sprachen wir mit Pat Byrne, der seit Juli 2014 CEO von Tektronix ist. Themen im Gespräch sind unter anderem vernetzte und künstliche Intelligenz, Big Data sowie Breitband und Hochgeschwindigkeits-Daten.
Welche Technologien kommen Ihrer Meinung nach mit der 6. Welle der wissenschaftlichen und technologischen Revolution? Was ist der größte Unterschied im Vergleich zur 5. technologischen Revolution?
Vernetzte Intelligenz, künstliche Intelligenz, Big Data, Breitband und Hochgeschwindigkeits-Daten sind die Schlüsselthemen der 6. Welle. Die 6. Welle der vernetzten Intelligenz beginnt gerade. Bis 2020 wird es mehr als 50 Mrd. vernetzte Geräte geben und diese können fühlen, denken und handeln. Der größte Unterschied von der 5. technologischen Revolution zur 6. Welle ist die vernetzte Intelligenz oder die intelligente Verbindung. Wenn alle diese vernetzten Dinge beginnen zu fühlen, zu denken und zu handeln, dann entsteht ein neuer Wirtschaftszweig/Markt. Dieser heißt Smart Economy, ein sogenannter intelligenter Markt.
Wenn aktuelle Themen wie künstliche Intelligenz, Big Data und vernetzte Intelligenz diskutiert werden, kommen uns gewöhnlich zuerst Unternehmen wie Google, Amazon, Apple und Alibaba in den Sinn. Messtechnikunternehmen scheinen eher etwas entfernt von diesen neuen Trends. Welche Rolle spielt Tektronix?
Wir können auf eine mehr als 70-jährige Messtechnikerfahrung zurückgreifen. Es sind vor allem Themen wie Datencenter/Optik, Halbleiter/ICs, Leistungselektronik und integrierte IoT-Designs. Beispielsweise müssen Kraftfahrzeugentwickler, die sich mit intelligenten Autos befassen, sich auch mit dem Thema Energie beschäftigen. Verbunden sind die einzelnen Systeme über drahtlose Netzwerke, um schließlich die neuen Funktionen für den Fahrer zu ermöglichen.
Im Zeitalter der wachsenden Datenflut verändern sich viele Technologie-Unternehmen und Daten werden zu ihrem Hauptgeschäft. Sie bringen eine völlig neue Wertschöpfung. Wie reagiert Tektronix?
Die Welt der Embedded-Elektronik wächst schnell, das betrifft auch mehr Elektronik in Automotive-, Consumer- und Industrieprodukten und Systemen sowie dem Energiesektor. Genau hierfür bieten wir unser Oszilloskop der Serie 5.
Mit der Serie 5 haben Sie die immer komplexere Messtechnik im Blick. Ihre Kunden scheinen gerade bei den komplizierten HF-Messungen eher den einfachsten Weg zu bevorzugen.
Hier bieten wir verschiedene Lösungen: Die bereits erwähnte Serie 5 bietet das Oszilloskop erste FlexChannel-Technik, die vier, sechs oder acht Analogkanäle und bis zu 64 Digitalkanäle bietet. Hinzu kommt eine integrierte Protokoll-Analyse und ein Signalgenerator sowie ein 12-Bit-Signalerfassungssystem, ein Touchscreen und eine übersichtliche Bedienoberfläche mit Direktzugriff.
Daneben bieten wir noch den Arbiträr-Signalgenerator AWG5200, das Einsteiger-Oszilloskop TBS2000 sowie den Parameter-Analysator 4200A-SCS und das Mehrfachschaltmodul 4200A-CVIV. Abgerundet wird unser Portfolio mit dem Hochleistungs-Oszilloskop DPO7000SX.
In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage auf dem Testmarkt stark verändert. Wie hat sich das auf Tektronix ausgewirkt und welche Märkte sind für Sie nicht mehr so wichtig und wo wollen sie expandieren?
Wir sind auf dem Weg von einem produktzentrischen Hardware-Unternehmen zu einem anwendungsorientierten Technologie-Unternehmen. Im Zuge der Umstellung bieten wir unterschiedliche Technologie-Plattform für die Zielmärkte. Wachstum sehen wir in Märkten wie Datenzentren, autonome Fahrzeuge, Internet of Things, Halbleiter-Forschung und Leistungselektronik.
Wie schätzen Sie den aktuellen Wettbewerb im Markt für elektronische Messtechnik ein und wie grenzen Sie sich mit Ihren Produkten und Dienstleistungen ab?
Wir konzentrieren uns darauf, dass die komplexen Aufgaben unserer Kunden mit unseren Geräten weniger komplex sind. Unsere Kunden sollen sich mit ihren Entwicklungen beschäftigen und weniger mit den Werkzeugen. Dazu gehört es auch, dass wir Themen wie Zusammenarbeit, Integration, Einblick, Präzision, Einfachheit und Geschwindigkeit stärker fokussieren wollen.
Deutschland ist ein großer Markt für Messtechnik. Wie ermitteln Sie die aktuellen Anforderungen der deutschen Messtechnik-Anwender? Welchen Einfluss haben die lokalen deutschen Messtechnik-Hersteller auf Tektronix?
Wir sind durch eigene Teams sehr stark lokal in Deutschland vertreten. Unsere Mitarbeiter bieten umfassende Verkaufsberatung, technische Unterstützung und einen Geräteservice. Unser deutscher CTO Dr. Klaus Engenhardt ist in mehrere Forschungsprojekte und verschiedenen Experimenten eingebunden und arbeitet sehr eng mit der Industrie- und öffentlichen Forschungsinstituten zusammen. Dazu gehören die Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft.
Auf welche Strategien setzt Tektronix für EMEA und insbesondere Deutschland in den nächsten Jahren und welche Anwendungen im Besonderen sind das?
Der europäische Markt ist für uns sehr attraktiv, da hier ein gesundes Gleichgewicht bei den drei Säulen vorliegt, welche die Entwicklungen in der Test- und Messtechnikindustrie vorantreiben: eine starke Produktionsbasis, eine hohe Konzentration von lokaler, kommerzieller Forschung und Entwicklung sowie ein effektives staatliches Forschungssystem.
Die Produkte für den IoT-Markt werden jetzt kommerzialisiert. Einige europäische Unternehmen sind viel weiter als vergleichbare auf der Welt. Die europäischen Forschungseinrichtungen sind führend bei vielen physikalischen, Material-, Elektronik- und Medizin-Entwicklungen. An all den Entwicklungen wollen wir teilhaben.
Wir wollen die Anforderungen von einflussreichen Kunden besser in unserer Lösungs-Roadmap berücksichtigen. Gleichzeitig haben wir das kontinuierliche Training und den Ausbau der Fähigkeiten unserer Vertriebspartner verstärkt.
Stand: 08.12.2025
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