Home-Office, unterbrochene Lieferketten und eine langsame Erholung des Display-Marktes. Das Display-Forum (DFF) gibt eine aktuelle Abschätzung zur Corona-Pandemie. Doch es gibt viele Unsicherheiten. Werden sogar Zulieferer nach Europa zurückgeholt?
Unterbrochene Lieferketten und eine komplett andere Wirtschaftswelt: Die Corona-Pandemie trifft die Industrie.
Noch vor knapp einem Monat waren die größten Sorgen der in Europa ansässigen Firmen der Elektronikindustrie die Aufrechterhaltung der Lieferketten aus dem asiatischen Raum, sitzen doch dort viele Zulieferer mit ihren Fertigungsstätten. Mit Sorge wartete man auf den Zeitpunkt, wann die dort ansässigen Firmen wieder zur Normalität zurückfinden. Heute – nicht einmal einen Monat später – hat der zuerst in China auftauchende Covid-19-Virus die komplette Welt im Griff. Das tägliche Leben eines jeden Einzelnen ist dem untergeordnet.
Die Nachrichten berichten nur noch über das eine Thema. Auch die ELEKTRONIKPRAXIS berichtet zu diesem wichtigen Thema. Die Welt steht still und je nach Land versucht man mit Ausgangssperren oder zumindest Ausgangseinschränkungen der Pandemie Herr zu werden und die Ausbreitung einzudämmen.
Die Display-Branche in Zeiten der Pandemie
Die komplette Geschäftswelt, so wie wir sie bisher gekannt haben, hat sich in kürzester Zeit komplett geändert. Noch vor kurzem war es unvorstellbar, dass selbst die größten Automobilproduktionen Europas einfach gestoppt werden. Viele Firmen haben in kürzester Zeit ihre Mitarbeiter auf einen unbestimmten Zeitraum ins Homeoffice geschickt und in den noch arbeitenden Fertigungen werden voneinander isolierte Gruppen gebildet, die unabhängig agieren und so zumindest einen Teil der Produktion aufrechterhalten.
Der Bundesfinanz- und der Bundeswirtschaftsminister versprechen unbegrenzte Corona-Soforthilfen, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen und den entstandenen wirtschaftlichen Schaden einigermaßen zu begrenzen. In kürzester Zeit werden im Bundestag 150 Mrd. Euro als Rettungspaket zur Verfügung gestellt.
Gerade die Displayindustrie in Europa war beim Aufkommen von Covid-19 in China sehr stark vom Ausfall der asiatischen Zulieferer betroffen. Heute sehen sich die Mitglieder des Displayforums (DFF) mit ganz anderen Problemen konfrontiert, wobei generell noch keine direkten Auswirkungen auf das grundsätzliche Geschäftsmodell gesehen werden. Es gibt erste positive Meldungen aus China, dass sich dort Normalität im Alltag wiedereinstellt und sich die Lage in den Produktionsbetrieben weitestgehend stabilisiert.
Die ersten Lieferungen bzw. Displaymuster treffen wieder ein. Allerdings verschiebt sich der Engpass aktuell Richtung europäische Zuliefererbetriebe wie beispielsweise zu denen aus dem stark vom Virus betroffenen Norden Italiens. Eine grundsätzliche Erholung des Marktes ist auch davon abhängig, ob eine zweite „Corona-Welle“ in China verhindert werden kann. Die zwei wichtigsten Konsummärkte Europa und Amerika sind noch nicht am Zenit ihrer Pandemiewelle. Wie weit sich der jetzige Konsumeinbruch auswirken wird, lässt sich schwer abschätzen. Geschäfte sind geschlossen und es fehlt der Anreiz bzw. die Notwendigkeit, in Neues zu investieren. Auch die Angst um einen möglichen Arbeitsplatzverlust hemmt das Konsumverhalten.
Nachhaltiger Einfluss auf die Wirtschaft?
Das Thema „Homeoffice“ hat sich innerhalb kürzester Zeit in vielen Geschäftsbereichen etabliert und Videokonferenzen sind zur Normalität geworden. Auch der Vorstand des DFF kommuniziert auf diese Weise miteinander. Mitte April sollte ein Treffen der DFF-Mitglieder in Darmstadt stattfinden, was abgesagt und als Videokonferenz neu aufgesetzt wurde. In verschiedenen Mitgliedsunternehmen wurden „Taskforces“ gebildet, die mit Gegenmaßnahmen das Risiko einer Unterbrechung der Lieferkette gewährleisten bzw. den kompletten Ausfall der Firma verhindern. So wurden die Fertigungen in Schichten unterteilt, die die Produktion aufrechterhalten, sich aber nie begegnen, um eine Ansteckung zu vermeiden.
Das Geschäft wird sich nach Meinung des Displayforums nur dann nachhaltig ändern, wenn die Auswirkungen des Virus nicht billigend in Kauf genommen werden und sich Politik und Presse nicht schnell wieder ihrem Tagesgeschäft zuwenden. Möglicherweise erfolgt eine Re-Lokalisierung der Zulieferketten, ein Aufbau von Sicherheitspuffern und das Anlegen größerer Lagerbestände. Sicherlich werden Firmen verstärkt in die IT-Infrastruktur investieren und diese erheblich verbessern. Die Unternehmen werden sich wieder stärker auf die Wertschöpfungsketten fokussieren.
Die Mitglieder des DFF sehen keine nachhaltige Veränderung im Geschäftsmodell, man wünscht sich jedoch als Effekt eine Verbesserung der „OpenSource-Forschung“ und die schnelle Offenlegung von Forschungsergebnissen für die Allgemeinheit. Das Modell der Homeoffices wird sicherlich größtenteils beibehalten
Stand: 08.12.2025
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