Ferroelektrische Nanosheet-Transistoren Deutsch-taiwanesische Allianz entwickelt energieeffiziente Memory-Computing-Plattform

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Deutsch-taiwanesisches Forschungskonsortium entwickelt ferroelektrische Speicher für die führenden Chiptechnologien kleiner 3 nm. Die Nanosheet-Bauelemente ermöglichen Rechenoperationen direkt im Speicher und senken den Energieverbrauch. Grundlage sind ferroelektrische Feldeffekttransistoren (FeMFETs) auf Hafniumoxidbasis.

Nahaufnahme (Dieshot) von ferroelektrischen Speicherchips auf einem 300-mm-Wafer des Fraunhofer IPMS.(Bild:  Fraunhofer IPMS)
Nahaufnahme (Dieshot) von ferroelektrischen Speicherchips auf einem 300-mm-Wafer des Fraunhofer IPMS.
(Bild: Fraunhofer IPMS)

Die stetig steigenden Anforderungen an KI-Processing und neuromorphes Computing stellen Entwickler vor neue Probleme beim Energiemanagement. Der klassische von-Neumann-Flaschenhals zwischen Hauptspeicher und Recheneinheit wird zunehmend zum limitierenden Faktor für Edge-AI-Implementierungen.

Ein strategisches deutsch-taiwanesisches Forschungskonsortium aus Fraunhofer IPMS, Fraunhofer IMWS und dem Taiwan Semiconductor Research Institute (TSRI) adressiert diese Herausforderung mit einem Computing-in-Memory (CIM) Ansatz: Ferroelektrische Speicherbauelemente ermöglichen die Ausführung von Rechenoperationen direkt im Speicherarray und eliminieren damit den energieintensiven Datentransfer zwischen Memory und Processing Unit. Die gemeinsame 300-mm-Forschungslinie zielt darauf ab, diese Technologie für Sub-3-nm-Knoten zu industrialisieren und die Basis für energieeffiziente KI-Accelerator-Architekturen zu schaffen.

FeMFETs mit Hafniumoxid-Dielektrikum

Das Herzstück der entwickelten Lösung sind ferroelektrische Feldeffekttransistoren (FeMFETs) auf Hafniumoxid-Basis, die in modernen Nanosheet-Architekturen für Sub-3-nm-Knoten implementiert werden. Die dünnen HfO₂-Schichten ermöglichen eine vollständige Integration in bestehende CMOS-Prozesse ohne zusätzliche exotische Materialien.

Der entscheidende Vorteil: Diese Bauelemente arbeiten über ferroelektrische Polarisation (feldeffekt-basiert statt widerstandsbasiert) und erreichen dadurch einen bis zu 100-fach geringeren Energieverbrauch gegenüber konventionellen nichtflüchtigen Speicherlösungen. Das CIM-Konzept reduziert zusätzlich Latenz und Energieaufwand durch die Eliminierung von Speicher-Prozessor-Datentransfers.

Entwicklungsplattform für vielfältige Anwendungen

„Wir gestalten eine Plattform, die Speichertechnologie und Rechenleistung modernster Chips enger miteinander verknüpft. Das eröffnet neue Möglichkeiten für KI-Systeme und reduziert gleichzeitig den Energieverbrauch“, erklärt Projektleiter Dr. Maximilian Lederer vom Fraunhofer IPMS. Das Projekt zielt auf die Einrichtung einer 300-mm-Forschungslinie ab, die Entwicklern aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung stehen wird.

Die Anwendungsbereiche reichen von Consumer-Elektronik über Automotive-Systeme bis zu Industrie 4.0 und Medizintechnik. Besonders für Edge-Computing-Anwendungen, wo Energieeffizienz und schnelle Reaktionszeiten kritisch sind, eröffnet die Technologie neue Designmöglichkeiten für batteriegespeiste und mobile Systeme.

Industrielle Relevanz und Ausblick

Fraunhofer IPMS, TSRI und Fraunhofer IMWS treiben mit ferroelektrischer Technologie auf kleinsten Knoten ultraeffiziente KI voran und ermöglichen so schnelleres und umweltfreundlicheres Edge-Computing.(Bild:  Fraunhofer IPMS)
Fraunhofer IPMS, TSRI und Fraunhofer IMWS treiben mit ferroelektrischer Technologie auf kleinsten Knoten ultraeffiziente KI voran und ermöglichen so schnelleres und umweltfreundlicheres Edge-Computing.
(Bild: Fraunhofer IPMS)

Die deutsch-taiwanesische Zusammenarbeit kombiniert Expertisen in Materialentwicklung, hochauflösender Materialcharakterisierung und modernen Bauelementarchitekturen. „Gemeinsam schaffen wir eine Plattform für die nächste Generation energiesparender Speichertechnologien“, betont Dr. Chien-Nan Liu, Direktor des TSRI.

Für Elektronikentwickler bedeutet dies Zugang zu einer skalierbaren Technologie, die sowohl die Performance-Anforderungen moderner KI-Anwendungen erfüllt als auch die strengen Energieeffizienz-Vorgaben für mobile und batteriegespeiste Systeme einhält. Die CMOS-Kompatibilität der HfO₂-basierten FeMFETs ermöglicht dabei eine nahtlose Integration in bestehende Designflows und Fertigungsprozesse.

Mit dieser Forschungsinitiative positionieren sich die beteiligten Institute als Wegbereiter für die nächste Generation energieeffizienter KI-Hardware und bieten einen entscheidenden Baustein für die nachhaltige Digitalisierung von Consumer-, Automotive- und Industrieanwendungen. (heh)

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