Supercomputer Top500 Der viertschnellste Supercomputer steht in Deutschland – und könnte noch zulegen

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Im Juni 2025 wurde die Top500-Liste der weltweit schnellsten Supercomputer aktualisiert. Und wer dachte, Deutschland sei abgehängt, wird eines Besseren belehrt: Auf Platz 4 rangiert Jupiter aus Jülich, Europas leistungsstärkster Supercomputer, obwohl er erst im Juli 2025 vollständig in Betrieb gehen soll.

Blick zwischen die Reihen mit Jupiter-Racks.(Bild:  Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau)
Blick zwischen die Reihen mit Jupiter-Racks.
(Bild: Forschungszentrum Jülich / Sascha Kreklau)

El Capitan bleibt im Sommer 2025 die Nummer eins auf der Top500-Liste, gefolgt von Frontier und Aurora. Alle drei Systeme überschreiten als sogenannte Exascale-Systeme die Marke von einem Exaflop Rechenleistung. Doch Jupiter, der das US-System Eagle auf Platz fünf verdrängt hat, rückt den drei US-Systemen gefährlich nahe, und zwar nicht mit Technologie von AMD oder Intel, sondern Tech von Nvidia.

Im Forschungszentrum Jülich kommen im neuen Booster-Modul rund 24.000 Nvidia GH200-Superchips zum Einsatz. Diese sind auf 1.300 zusätzliche Rechenknoten verteilt und erweitern die bereits vorhandenen 6.000 Knoten von Jupiter. Das Konzept: Modularität. „Jupiter ist ein dynamischer modularer Supercomputer“, erklärt Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert, Direktor des Jülich Supercomputing Centre. „Er besteht aus einem hochskalierbaren Booster-Modul für besonders rechenintensive Probleme, das massiv durch Grafikprozessoren unterstützt wird, und einem universell einsetzbaren Cluster-Modul für komplexe, datenintensive Aufgaben. Beide Module können getrennt oder kombiniert betrieben werden – je nach Bedarf.“

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Die Technologie ist über ein Quantum-2-InfiniBand-Netzwerk verbunden und in etwa 50 Containermodulen untergebracht, die mehr als 2.300 m² Fläche beanspruchen. Ziel ist es, mit Jupiter Exascale-Leistung zu erreichen. Zwar hat Jupiter diese Schwelle zur Veröffentlichung der Liste noch nicht überschritten – gemessen wurden 793,4 Petaflops mit einem Peak von 930,0 Petaflops – doch mit dem Vollbetrieb im Juli könnte er das noch schaffen. Gleichzeitig gilt Jupiter bereits jetzt als das energieeffizienteste System unter den Top 5.

Nicht alle machen mit

Die Top500-Liste basiert auf dem sogenannten Rmax-Wert, der mithilfe des Linpack-Benchmarks ermittelt wird – dieser misst die Leistung beim Lösen großer linearer Gleichungssysteme. Doch nicht alle Systeme werden gemeldet: Hyperscaler wie Amazon, Microsoft oder Google verzichten bewusst auf eine Teilnahme. Auch aus China wurden seit Jahren keine Supercomputer mehr eingereicht, obwohl als gesichert gilt, dass dort mindestens drei Exascale-Systeme betrieben werden.

„Es ist bekannt, dass China über diese Computer verfügt, und sie sind schon seit einiger Zeit in Betrieb. Sie haben keine Benchmarks durchgeführt, aber [die Community] hat eine allgemeine Vorstellung von ihren Architekturen und Fähigkeiten, basierend auf den Forschungsergebnissen, die mithilfe dieser Maschinen entstanden sind“, erklärte Jack Dongarra, Mitgründer der Top500-Liste, im Jahr 2023.

Blue Lion in den Startlöchern

Im Rahmen der ISC wurde auch bekannt: Der nächste deutsche Leuchtturm-Supercomputer kommt – und heißt Blue Lion. Er wird am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching bei München aufgebaut und soll Anfang 2027 in Betrieb gehen. Seine Basis wird Nvidias neue Vera-Rubin-Plattform formen, die Nachfolgegeneration der Grace-Hopper-Architektur (via ComputerBase).

Mit einer erwarteten 30-fachen Leistungssteigerung gegenüber dem aktuellen SuperMUC-NG soll Blue Lion ein neuer Meilenstein im wissenschaftlichen Rechnen werden, insbesondere für KI-gestützte Workloads. Denn schon jetzt zeigt die TOP500-Liste, wohin der Trend geht: 83 der 100 leistungsstärksten Systeme nutzen GPUs, 380 davon Nvidia-GPUs.

Blue Lion wird von HPE Cray gebaut und kombiniert flüssigkeitsgekühlte Vera-CPUs mit Rubin-GPUs und dem HP-Slingshot-Interconnect. Eine zentrale Anwendung ist ein KI-basiertes Klimamodell, das 30-Jahres-Prognosen mit 1-km-Auflösung über zwölf Parameter hinweg ermöglichen soll – laut Nvidia ein „Durchbruch für die Klimaforschung“.

Mit Jupiter in Betrieb und Blue Lion in Planung zeigt Deutschland, dass es im globalen Supercomputing nicht nur mithalten, sondern bei Energieeffizienz und KI-Forschung Maßstäbe setzen kann. (sb)

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