Der Irankrieg trifft die Elektronikbranche in einer ohnehin angespannten Situation. Was sind die Folgen für die Lieferketten elektronischer Bauteile? ELEKTRONIKPRAXIS hat die Distributoren befragt.
Der Irankrieg und die Lieferketten: Elektronische Bauelemente sind derzeit noch kaum von Engpässen betroffen.
Als die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angriffen, erfolgte die Reaktion des Irans prompt. Der Iran attackiert nicht nur Ziele seiner Nachbarn, sondern hat auch die Straße von Hormus blockiert. Die Straße von Hormus ist eine Meerenge im Persischen Golf, die an ihrer schmalsten Stelle rund 35 Kilometer misst, wobei die schiffbaren Passagen nur wenige Kilometer breit sind. Täglich wird durch die Straße von Hormus etwa 20 Prozent des global gehandelten Erdöls verschifft.
Wir haben zahlreiche Distributoren befragt, wie sie die Lage sehen. Hinweis: Die geopolitische Gemengelage ist aktuell eine sehr schwierige, da zudem auch Lufträume gesperrt sind. Die Situation der Bauelemente-Beschaffung kann sich daher rasch ändern.
Sperrung der Straße von Hormus und die Auswirkungen auf die Lieferkette elektronischer Bauteile
Klaus Kruse, Geschäftsführer der Karl Kruse GmbH & Co KG: „Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, über die täglich rund ein Drittel des weltweiten Öls transportiert wird. Eine Blockade oder massive Einschränkung des Schiffsverkehrs könnte zu einem drastischen Anstieg der Ölpreise führen und die Logistiknetzwerke erheblich stören. Unternehmen, die von Öl und Gas abhängig sind oder in der Chemie-, Automobil- oder Fertigungsindustrie tätig sind, könnten von verzögerten oder eingeschränkten Lieferungen von Rohstoffen und Zwischenprodukten betroffen sein. Außerdem könnte es zu längeren Wartezeiten im internationalen Handel kommen, was die gesamte Lieferkette verlangsamen und verteuern würde.“
Markus Krieg, Chief Marketing Officer bei der Rutronik, ergänzt: „Für Europa sind die Auswirkungen aktuell eher gering, weil der Anteil der Ölprodukte die durch die Straße von Hormus Richtung Europa gehen verhältnismäßig unbedeutend sind; Allerdings inwieweit eine schlechtere Versorgung insbesondere von China mit Ölprodukten Auswirkungen auf die dortige Fertigung hat, bleibt abzuwarten.“
Marcus Warmbier, Head of Marketing & Product Data bei Schukat, gibt zu bedenken, dass spürbare Auswirkungen eher von „Angriffen der Huthi-Rebellen im Golf von Aden drohen, weil dadurch die Weiterfahrt in Richtung Suezkanal beeinträchtigt würde“. Und diese Route ist wichtig für den Schiffstransport elektronischer Bauelemente. Allerdings war diese Route in der Vergangenheit schon mehrfach von Sperrungen betroffen, so dass einige Reedereien von Haus auf dem Weg nach Europa die Route um die Südspitze Afrikas nutzen, die etwa 14 Tage länger dauert.
Ralf Bühler, CEO Conrad Electronic SE, sieht in den geopolitischen Störungen wie die aktuelle Einschränkung der Straße von Hormus „keinen Ausnahmefall mehr – sie sind Teil einer neuen Normalität.“ Holger Ruban, Chief Executive Officer bei Bürklin fasst zusammen: „Die globalen Lieferketten sind weiterhin volatil, und das geopolitische Umfeld bleibt fragil. Entscheidend wird sein, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickelt.“
Die Folgen für die Lieferketten elektronischer Bauteile sind eher indirekt: So steigen die Kosten für Erdöl und Gas und durch die längeren Transportzeiten im Schiffsverkehr und die gesperrten Flughäfen verteuern sich die Energiepreise, die Logistik- und Versicherungskosten. Christian Gerland, Leiter Einkauf bei der TQ-Group: „Diese Faktoren führen zu einer erhöhten Risiko- und Kostenbelastung. Hinzu kommt, dass Marktteilnehmer in angespannten geopolitischen Situationen zu vorsorglicher Bevorratung neigen, was kurzfristig selbst bei stabil bleibenden Produktionskapazitäten zu zusätzlichen Verfügbarkeitsengpässen führen kann.“
Welche Bauteile sind derzeit am ehesten von Engpässen betroffen?
Marie-Pierre Ducharme, Vice President of Marketing and Business bei Mouser: „Zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir nur minimale Auswirkungen auf die Lieferkette von Mouser, obwohl es zu logistischen Störungen kommen kann, wenn Spediteure Sendungen umleiten oder einen Teil der Fracht vom Seetransport auf den Lufttransport verlagern.“
Und Karin Krumpel, Geschäftsführerin bei Codico, ergänzt: „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sind keine Produktionsstätten in unserem Liefernetzwerk unmittelbar betroffen. Die Fertigung bei unseren Herstellerpartnern läuft planmäßig weiter. Der Warenfluss nach und innerhalb Europas ist stabil; je nach Routing und Verfügbarkeit von Transportkapazitäten können interkontinentale Sendungen jedoch Verzögerungen oder kurzfristige Kostenkorrekturen erfahren. Im Einzelnen beobachten wir mögliche Umroutungen im See- und Luftfrachtverkehr auf betroffenen Handelsrouten, verlängerte Transitzeiten auf bestimmten Strecken, steigende Frachtkosten durch Risiko- und Energiezuschläge und anhaltende Volatilität auf den Energie- und Rohstoffmärkten.“
Christian Gerland, TQ-Group, gibt jedoch zu bedenken: „Besonders sensibel reagieren Bauteile mit hoher technologischer Komplexität oder begrenzter Herstellerbasis. Dazu zählen hochperformante Halbleiter wie FPGAs, High-End-SoCs oder spezialisierte Automotive-Mikrocontroller, Leistungshalbleiter (insbesondere SiC- und GaN-Komponenten), Power-Management-ICs, analoge und Mixed-Signal-Baustein sowie passive Komponenten mit langen Fertigungszyklen. Diese Produktgruppen zeichnen sich oft durch lange Produktionsvorläufe sowie begrenzte Second-Sources bei gleichzeitig hoher Nachfrage aus Industrie-, Automotive- oder KI-Anwendungen aus.“
Stand: 08.12.2025
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Und Ralf Bühler, Conrad, ergänzt: „Ehrlich gesagt war die Lage bei bestimmten Produktgruppen schon vor der aktuellen Krise angespannt – und das ist das eigentlich Beunruhigende. Der KI-Boom hat in der letzten Zeit die Nachfrage nach Speicherchips, Mikrocontrollern, Leistungshalbleitern und Grafikprozessoren massiv angeheizt. Diese Komponenten stehen ohnehin unter Druck. Die geopolitische Situation, beispielsweise rund um die Straße von Hormus, kommt jetzt als zusätzlicher Belastungsfaktor obendrauf.“
Welchen Rat haben Sie an ihre Kunden?
John Hourigan, Vice President Public Affairs & Corporate Marketing, Arrow Electronics: „Das Business Continuity Team von Arrow Electronics beobachtet die Situation, um auf mögliche Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten zu reagieren. Die geschäftskritischen Aktivitäten laufen derzeit weiter, und wir identifizieren und nutzen gemeinsam mit Transportunternehmen alternative Versandrouten, um die Auswirkungen auf die Auftragsabwicklung für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Wir beobachten die Lieferketten hinsichtlich potentieller Auswirkungen kontinuierlich und stellen unseren Kunden bei Bedarf entsprechende Updates bereit.“
Holger Ruban, Bürklin: „Wir empfehlen unseren Kunden, ihre eigene Supply Chain engmaschig zu überwachen und potenzielle Risiken frühzeitig zu identifizieren. Wo sinnvoll, kann eine vorausschauende Disposition mit erhöhten Sicherheitsbeständen helfen, Versorgungslücken zu vermeiden. Transparenz, frühzeitige Planung und partnerschaftliche Abstimmung entlang der Lieferkette sind in der aktuellen Situation entscheidend.“
Karin Krumpel, Codico: „In den vergangenen Jahren wurde unsere Lieferkette durch eine Reihe an Ereignissen auf die Probe gestellt — von der Havarie der Ever Given im Suezkanal über Huthi-Angriffe auf die Rote-Meer-Schifffahrt, Überschwemmungen in Dubai, die COVID-19-Pandemie bis hin zum Krieg in der Ukraine. Jedes dieser Ereignisse hat unsere operative Resilienz gestärkt. CODICO hat daraus konkrete Konsequenzen gezogen: Wir haben unser Dienstleisterportfolio in der Logistik systematisch verbreitert und den Zugang zu alternativen Bezugsquellen ausgebaut. Im Rahmen der global verfügbaren Gesamtkapazitäten sind wir damit gut positioniert, um flexibel zu reagieren sowie schnell in Interesse unserer Kunden zu handeln.
Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, empfehlen wir, Bestellungen früher als üblich aufzugeben und bei zeitkritischen Bedarfen zusätzliche Pufferzeiten einzuplanen. Wir unterstützen unsere Kunden gerne individuell bei der Kapazitätsplanung und Risikobewertung.“
Ralf Bühler, Conrad: „Security of Supply ist einer der am meisten unterschätzten Erfolgsfaktoren im B2B-Bereich. Mein Rat: Jetzt ist nicht die Zeit für Single-Source-Strategien. Einkaufsverantwortliche sollten ihre Lieferantenbasis überprüfen, frühzeitig auf Alternativen setzen und einen Partner haben, der auch außerhalb des Katalogs beschaffen kann. Genau das ist unser Versprechen – mit einem breiten und tiefen Sortiment, konstanter Qualität über alle Kanäle und strategischer Flexibilität, wenn es darauf ankommt.“
Klaus Kruse, Karl Kruse GmbH: „Unternehmen sollten alternative Routen und Bezugsquellen prüfen und ihre Lieferketten flexibel gestalten. Es könnte sinnvoll sein, die Lagerbestände zu erhöhen, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Um die Abhängigkeit von einzelnen, geopolitisch sensiblen Routen wie der Straße von Hormus zu verringern, könnte es langfristig klug sein, die Lieferantenstrategien zu diversifizieren. Darüber hinaus sind eine verstärkte Kommunikation mit den Lieferanten und eine genaue Planung der Vorlaufzeiten erforderlich, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können. Die Situation ist dynamisch und kann sich schnell ändern. Daher ist es wichtig, die geopolitischen Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten und die Geschäftsstrategien flexibel anzupassen.“
Marie-Pierre Ducharme, Mouser: „Wir empfehlen unseren Kunden, wie bei jeder potenziellen logistischen Störung die Lieferzeiten weiterhin zu beobachten und entsprechend zu planen.“
Markus Krieg, Rutronik: „Eine langfristige Disposition und Bevorratung hilft grundsätzlich um mögliche Engpässe zu vermeiden.“
Marcus Warmbier, Schukat: „Da wir keine Produkte aus den betroffenen Ländern beziehen und für uns keine sensiblen Logistikrouten durch die betroffenen Regionen verlaufen, sind wir derzeit nicht mit kritischen Engpässen konfrontiert. Sofern möglich, sollten Kunden vorausschauend disponieren mit einem Vorlauf von drei bis sechs Monaten. Bei Bedarf stimmen wir mit unseren Kunden zusätzliche Logistikvereinbarungen ab, um die Liefersicherheit jederzeit zu gewährleisten.“
Christian Gerland, TQ-Group: „Unser wichtigster Rat ist vorausschauende Bedarfsplanung. Unternehmen sollten Forecasts regelmäßig mit ihren Distributions- und Fertigungspartnern abstimmen und zeitlich weiter nach vorn blicken – idealerweise 12 bis 18 Monate. Zudem empfehlen wir Stücklisten systematisch auf Risiken zu prüfen, Single-Source-Komponenten zu identifizieren, alternativer Bauteile (wo technisch möglich) zu qualifizieren und eine gezielte, differenzierte Lagerstrategie für besonders kritische Komponenten aufzubauen. Darüber hinaus sind eine enge und transparente Kommunikation sowie strategische Resilienz innerhalb der Lieferkette entscheidend. Wer frühzeitig plant und flexibel agiert, kann auch in einem volatilen Umfeld stabil produzieren.“ (mk)