Leiterplattentechnik

Der Fortschritt kam gedruckt: Die Geschichte der Leiterplatte

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Die Idee blieb erst unter Verschluss

So offensichtlich auch der militärische Nutzen der Erfindung war, das damalige britische Ministerium für Rüstungsindustrie sperrte sich gegen den Einsatz. Die Folge: Kein privates Unternehmen getraute sich, die Idee aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Anders die Amerikaner. Routinemäßig meldeten die Briten zur damaligen Zeit jede Erfindung auch an das amerikanische Bureau of Standards.

Dort entwickelte man mit einer gedruckten Schaltung einen Annäherungszünder für Luftabwehrgeschosse. Jetzt ließ sich Elektronik in größeren Mengen preiswert herstellen. Noch vor Kriegsende erfolgte dann auch der erste massenhafte Einsatz, und zwar in Fernost.

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Die Leiterplatte wurde 1948 öffentlich

Im Jahr 1948 erfuhr dann auch die Öffentlichkeit von der Idee der gedruckten Schaltung. Der Siegeszug der Leiterplatte begann, zumal zu der Zeit auch das Prinzip des Massenlötens per Lotwelle entwickelt wurde. Eine weitere wichtige Voraussetzung für eine preiswerte Massenfertigung von Elektronik.

Doch Eisler brachte das nicht viel. Und auch Harold V. Strong hatte nicht den finanziellen Erfolg, den er sich anfangs erhofft hatte. Sein Unternehmen Technograph vermarktete die Lizenzen für Leiterplatten. Eisler, obwohl im Vorstand des Unternehmens, wurde dennoch kein reicher Mann, denn ein Monopol für Leiterplatten ließ sich nie erreichen.

Heute werden in der ganzen Welt unzählbare Mengen von Leiterplatten gefertigt. Auch wenn Leiterplatten immer kleiner werden, eine moderne Massenfertigung elektronischer Geräte wäre ohne die Leiterplatte nicht denkbar.

Als Erfinder erst spät anerkannt

Die amerikanische Elektronikindustrie griff die Idee der gedruckten Schaltung in den 1950er Jahren auf und entwickelte sie zügig weiter. Mitte der 1950er Jahre kam die Erfindung dann wieder zurück nach Europa. Und auch deutsche Unternehmen begannen 1957 mit der Produktion von Leiterplatten.

Eisler, anfangs noch im Vorstand von Technograph, trat 1957 aus dem Unternehmen aus. Er war weniger verbittert über den ausbleibenden finanziellen Erfolg, sondern darüber, dass man ihm nicht die Ehre zuteil werden ließ, die ihm gebührte: Urheber einer der bedeutendsten Erfindungen des Jahrhunderts zu sein.

Erst 1971, Eisler hat lange dafür gekämpft, wurde er als Erfinder der gedruckten Schaltung anerkannt. Die letzte bedeutende Ehrung wurde ihm sogar noch später zuteil: Erst 1992 verlieh ihm das Institute of Electrical Engineers die Nuffield Silber Medaille, kurz bevor Eisler am 26. Oktober 1992 als 85-Jähriger in einem Vorort von London verstarb.

Auch weitere wichtige Erfindungen ersonnen

Was in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt ist: Neben seiner weltberühmten Erfindung der Gedruckten Schaltung ersann Paul Eisler weitere wichtige Produkte für die Elektrotechnik. So meldete er unter anderem Patente für elektrische Sicherungen, für Multilayerwerkstoffe oder für eine Folienbatterie an.

Ohne gedruckte Schaltung könnten wir weder mit Mobiltelefonen kommunizieren, hätten keinen Fernsehempfang, könnten weder am Computer spielen, noch könnten wir im Internet surfen. Preiswerte und erschwingliche Elektronik gibt es dank der Erfindung von Paul Eisler.

* Reinhard Kluger ist freier Redakteur in Höchberg.

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