Vor 20 Jahren Der Apple Newton erblickt das Licht der Welt

Redakteur: Franz Graser

Vor 20 Jahren ist der Urvater aller Handhelds und PDAs an den Start gegangen – der Apple Newton. Das Gerät kann als enfernter Vorfahr von iPhone und iPad angesehen werden. Aber Steve Jobs hasste es – und machte ihm den Garaus.

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Das MessagePad 120 kam Ende 1994 auf den Markt und wetzte einige Fehler aus, die die Vorgänger geplagt hatten. Die Geräte hatten mehr Speicher und ab der Version 2.0 des Newton-Betriebssystems zeigte sich auch die Handschriftenerkennung deutlich verbessert.
Das MessagePad 120 kam Ende 1994 auf den Markt und wetzte einige Fehler aus, die die Vorgänger geplagt hatten. Die Geräte hatten mehr Speicher und ab der Version 2.0 des Newton-Betriebssystems zeigte sich auch die Handschriftenerkennung deutlich verbessert.
(Foto: ELEKTRONIKPRAXIS)

Mit dem Newton betrat Apple Neuland. Handheld-Computer gab es zu Beginn der neunziger Jahre in Science-Fiction-Serien à la Star Trek, aber eben noch nicht in der Realität. Schwerbeschäftigte Manager trugen damals dicke Filofax-Zeitplanbücher bei sich, um den Terminkalender und ihre Kontaktadressen ständig greifbar zu haben. Und in diese Kerbe versuchte Apple mit dem Newton zu hauen.

Am Steuer von Apple stand Anfang der neunziger Jahre John Sculley. Der frühere Pepsi-Manager war einst von Steve Jobs mit der Frage angeheuert worden, ob er für den Rest seines Lebens Zuckerwasser verkaufen oder die Welt verändern wolle. Allerdings erwies sich Mitte der achtziger Jahre ein Machtkampf mit dem charismatischen Apple-Gründer als unausweichlich. Sculley entschied diesen Kampf für sich, Jobs verließ das Unternehmen und gründete den Computerhersteller NeXT.

Unter Sculley erlebte Apple zunächst eine Blütezeit, allerdings begann das Unternehmen sich mit seinen Produkten zu verzetteln. Praktisch identische Produkte wurden je nach Zielmarkt – Privatkunden, Unternehmen und Hochschulen – unterschiedlich vermarktet. Es war Zeit für etwas Neues.

Eine wichtige Forderung Sculleys war, dass der neue Handheld-Rechner in eine Jackentasche passen musste. Diese Anforderung und die Batterielaufzeit bestimmten die zweijährige Entwicklungsarbeit. Deshalb wandte man sich auch nicht an Motorola oder Intel als Prozessorlieferant, sondern an den britischen Hersteller ARM, der die Chips für den britischen Acorn-Archimedes-Rechner geliefert hatte. Apple hielt damals Anteile an dem britischen Hersteller und beteiligte sich auch an der Entwicklung des ARM-Chips für den Newton.

Verglichen mit heutigen Tablets und Smartphones wies der Newton einen eher bescheidenen Funktionsumfang auf – er kommte Kontaktadressen und Notizen speichern und einen Terminkalender verwalten.

Neu war vor allem die handschriftliche Dateneingabe mit einem Stift. Allerdings erwies sich die Handschriftenerkennung in den ersten Versionen des Geräts als fehleranfällig. Mit sehr ähnlichen Buchstaben wie „t“ oder „f“ tat sich das Gerät anfangs schwer, erst spätere Software-Updates und Geräteversionen behoben das Problem. Aber die fehlerhafte Handschriftenerkennung war in IT-Kreisen schon Gegenstand vieler Witze, und von dieser schlechten Presse konnte sich der Newton nie erholen.

Als der Newton vor 20 Jahren schließlich auf den Markt kam, war John Sculley schon nicht mehr an Bord. Der deutschstämmige Michael Spindler hatte nun die Zügel in der Hand. Apple schlitterte jedoch immer mehr in Richtung Bedeutungslosigkeit – ein Trend, den erst Steve Jobs nach seiner Rückkehr als Interims-CEO im Jahr 1997 umkehren konnte.

Eine von Jobs' ersten Aktionen war es, den Produktverhau, der sich unter Sculley und seinen Nachfolgern breitgemacht hatte, zu beseitigen. Dabei geriet auch der Newton auf die Abschussliste. Laut der Biographie von Walter Isaacson hasste Jobs den Handheld-Rechner, weil er die Leistung des Geräts für ungenügend hielt, weil ihm die Eingabe mit dem Stift nicht zusagte und weil der Newton ein Lieblingsprojekt seines Intimfeindes John Sculley gewesen war.

Seinem Biographen Walter Isaacson erklärte Jobs später: „Wenn Apple damals in einer weniger prekären Situation gewesen wäre, hätte ich mir das Gerät selbst vorgenommen, um zu schauen, wie man es zu einem Erfolg hätte machen können. Ich traute den Leuten nicht, die dafür zuständig waren. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass es zum Teil wirklich gute Technik enthielt, aber das Projekt war durch Missmanagement an die Wand gefahren worden. Indem ich das Projekt beendete, machte ich ein paar wirklich gute Entwickler frei, um an neuen mobilen Geräten zu arbeiten.“

Technische Daten:

ARM-CPU

Als Herzstück diente der ARM-Prozessor 610 mit 20 MHz Taktfrequenz. Erstmals wurde eine ARM-CPU in einem Mobilgerät eingesetzt.

Speicher

Das Modell wurde mit 8 MB ROM ausgeliefert, die das Betriebssystem enthielten. Als Hauptspeicher (RAM) standen 2 MB zur Verfügung.

Touch-Display

Das berührungsempfindliche Display des Newton verfügte über 240 x 320 Pixel. Als Eingabegerät des PDA-Pioniers diente ein Stift.

Newton-OS

Das MessagePad 120 enthielt die Version 2.0 des Betriebssystems. Es wartete mit einer stark verbesserten Handschriftenerkennung auf.

Daten-Suppe

Auf die objektorientierten Datenbanken hatten alle Programme Zugriff. Apple nannte das damals neue Konzept „Soup“ (Suppe).

Batterien

Der Betrieb des Newton erforderte vier AA-Batterien. Alternativ konnte ein wiederaufladbares Batteriepack genutzt werden.

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