Letzte Chance Datenrettung Medizingeräte mit defekten Festplatten erhalten neues Leben

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Defekte Festplatten können in der Medizintechnik oft das Aus von teuren diagnostischen Geräten sein. Doch was passiert, wenn das Betriebssystem eines Röntgengeräts oder Endoskop nicht mehr startet? Ausgeklügelte Datenrettung kann oftmals die letzte Chance sein.

Die Western Digital Raptor aus dem Endoskop im Reinraum. Nach dem Austausch der defekten Schreibleseköpfe musste CBL Datenrettung noch mit über 1.000 Lesefehlern fertig werden, bevor ein bootfähiger Klon erzeugt werden konnte. (Bild:  CBL Datenrettung)
Die Western Digital Raptor aus dem Endoskop im Reinraum. Nach dem Austausch der defekten Schreibleseköpfe musste CBL Datenrettung noch mit über 1.000 Lesefehlern fertig werden, bevor ein bootfähiger Klon erzeugt werden konnte.
(Bild: CBL Datenrettung)

In der Medizin sind hochspezialisierte Geräte wie Röntgengeräte und Endoskopie unverzichtbar für die Diagnose und Behandlung. Doch wie bei der Konsumerelektronik können die Geräte ausfallen oder es sind keine Ersatzteile mehr verfügbar. Oft heißt das dann für die teure Medizintechnik, sie muss abgeschrieben und ersetzt werden. Ein möglicher Defekt kann eine kaputte Festplatte sein.

Doch eine defekte Festplatte in einem Endoskop oder einem Röntgengerät muss nicht das Ende der Technik bedeuten. Eine Firma konnte die Daten der defekten Festplatte rekonstruieren und sogar das Betriebssystem wiederherstellen. Somit waren beide Geräte vor einer möglichen Verschrottung verschont. Vor allem wenn auf den Festplatte wichtige Informationen liegen. Ein IT-Berater aus dem Saarland bekam von einem Krankenhaus sowie einer Zahnarztpraxis die Anfrage, die Daten auf defekten Festplatten zu retten. I

In beiden Fällen war die Ursache ein defekter Schreib-/Lesekopf, der den Datenverlust verursacht hatte. Nach dem Austausch brauchte es viel Geduld, um trotz gravierender Lesefehler alle Systemdateien zu klonen und bootfähige Ersatzdatenträger zu erstellen, die von den Maschinen akzeptiert wurden.

Eine alte Festplatte wird zu neuem Leben erweckt

Das ältere Endoskop der Firma Karl Storz war ein unersetzliches Einhorn unter den Geräten des betroffenen Krankenhauses. Die Maschinensteuerung des Diagnosegeräts startete von einer Western Digital Raptor. Der Tausch der Schreibleseköpfe dieser bis 2015 gebauten Hochleistungslaufwerke, die mit 10.000 Umdrehungen pro Minute laufen, ist nicht immer erfolgreich, wie Yang Yu, Geschäftsführer von CBL Datenrettung, zugeben muss. Doch in diesem Fall konnte die Festplatte wieder zum Leben erweckt werden.

Allerdings wies sie mehr als tausend Lesefehler auf. Über einen halben Monat lang wurde die Festplatte immer wieder mit reduzierter Geschwindigkeit vor- und rückwärts gelesen, bis die Zahl der Lesefehler unter 50 sank. Schließlich bootete der forensische Klon der Festplatte und die Datenretter wussten, dass sie gewonnen hatten.

Kaputte Festplatte und ein Forschungsprojekt

Die Erleichterung beim Kunden war groß, denn die Wiederherstellung des Systems durch das Klonen der Festplatte war die letzte Chance, das Gerät mit seiner für ein laufendes Forschungsprojekt benötigten Messapparatur am Leben zu erhalten. Ein Ausfall des Prototyps hätte die Forschungsgruppe um Jahre zurückgeworfen, denn der exakt gleiche Versuchsaufbau ist die Voraussetzung für Ergebnisse, die die von den Forschern entwickelte Methode etablieren können.

Die Vergleichbarkeit der erzielten Ergebnisse ist nur möglich, wenn eine kalibrierte Labortechnik zur Verfügung steht, die auf dem exakt gleichen methodischen Aufbau basiert. Ein vergleichbares Gerät hätte mit einem hohen finanziellen Aufwand von weit über 60.000 Euro rekonstruiert werden müssen.

Ein altes Betriebssystem retten

Beim Röntgengerät der Zahnarztpraxis war das zu rekonstruierende Betriebssystem Windows NT und es wurde eine passende IDE-Festplatte als Ersatz benötigt. Zum Glück hatte das Datenrettungslabor geeignete Platten im Fundus. Auch hier machte nach dem Tausch der Leseköpfe im Reinraumlabor ein Lesefehler Probleme: nur einer, aber dafür im Bootbereich. Geduld und Manipulationen führten auch hier dazu, dass dem Kunden ein voll funktionsfähiger Ersatz seiner Gerätesteuerung bereitgestellt werden konnte.

„Normalerweise retten wir Daten und keine Betriebssysteme – diese setzt der Anwender sonst einfach wieder neu auf“, sagt Yang. „Die Rekonstruktion alter Gerätesteuerungen ist extrem aufwendig, lohnt sich aber im Vergleich zur Neuanschaffung eines Röntgengeräts oder anderer teurer Maschinen.“ (heh)

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