Nanomaterialien Das Touchdisplay, das ohne Berührung auskommt

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Wissenschaflter haben Kristalle aus dünnen Nanoschichten entwickelt, die auf Feuchte reagieren. Damit sollen sich künftig berührungslose Touchdisplays bauen lassen.

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Die Serie zeigt, wie sich mit dem photonischen Sensor die Fingerbewegungen farblich abbilden lassen. Hierbei reagiert der photonische Kristall berührungslos auf die feuchte Atmosphäre des Fingers.
Die Serie zeigt, wie sich mit dem photonischen Sensor die Fingerbewegungen farblich abbilden lassen. Hierbei reagiert der photonische Kristall berührungslos auf die feuchte Atmosphäre des Fingers.
(Bild: LMU München)

Chemiker der Ludwig-Maximilians-Universität aus München haben erstmals photonische Kristalle aus dünnsten Nanoschichten entwickelt, die extrem sensitiv auf Feuchte reagieren. „Sie ändern ihre Farbe abhängig von der Feuchtigkeit. Das prädestiniert sie für die Entwicklung von sogenannten Touchless-Endgeräten, die sich ohne Berührung steuern lassen“, sagt Professor Bettina Lotsch vom Department Chemie der LMU. Über ihre Ergebnisse berichten die LMU-Chemiker aktuell im Fachmagazin Advanced Materials.

Touch-Display reagiert ohne ihn zu berühren

„Der menschliche Finger ist von einer Feuchtigkeitsatmosphäre umgeben“, erläutert Katalin Szendrei aus der Arbeitsgruppe von Professor Lotsch das Prinzip des neuen photonischen Sensors. „Unser Sensor erfasst den Grad der Feuchtigkeit und reagiert darauf mit einer entsprechenden Änderung der Farbe – und das ohne Berührung.“

Das macht das neue Nanomaterial für die Anwendung in berührungslosen Touchscreens interessant. „Vor allem bei Bildschirmoberflächen, die von vielen Menschen genutzt werden, etwa von Fahrkarten- oder Bankautomaten, hätte eine berührungslose Navigation deutliche Hygienevorteile“, beschreibt Szendrei eine mögliche Anwendung.

Hoch empfindlich und schnelle Reaktionszeiten

Photonische Kristalle kommen in der Natur beispielsweise in Perlmutt oder den Farben von Schmetterlingsflügeln vor. Dem Team um Lotsch ist es gelungen, photonische Kristalle auf Basis von zweidimensionalen Antimonphosphaten als aktive Materialien zu entwickeln.

Das neue Nanomaterial ist chemisch stabil, transparent und einfach herzustellen. Gegenüber anderen Sensoren auf Nanoschicht-Basis überzeugt das photonische Kristall durch kürzere Ansprechzeiten, eine deutlich höhere Empfindlichkeit und gute Langzeitstabilität. „Diese einmalige Kombination von Eigenschaften ermöglicht es, Fingerbewegungen farbkodiert in Echtzeit abzubilden“, sagt Pirmin Ganter aus der Arbeitsgruppe von Bettina Lotsch. Zudem ist das neue System luftstabil und damit nicht nur im Labor, sondern auch unter natürlichen Umweltbedingungen voll funktionsfähig.

Die LMU-Chemiker haben bereits ein Patent für ihre Neuentwicklung eingereicht. Inzwischen arbeiten sie gemeinsam mit dem Fraunhofer EMFT in München an einem Prototyp, der zusätzlich zur Farbkodierung einen elektronischen Auslesevorgang erlaubt.

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