Arbeiten und Leben in der Zukunft Das Leben wird durch Digitalisierung komplexer

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Die digitale Zukunft ist komplexer und agil – das ist das Fazit einer Tagung von 50 Führungskräften der Telekommunikations-Branche in München. Unternehmen müssen sich jetzt für die digitale Arbeits- und Produktionswelt aufstellen.

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Der Alltag ändert sich durch Digitalisierung: Zukunftsforscher Harry Gatterer, Internetpublizist Tim Cole, Mediziner Marc Thom und Unternehmensberaterin Bettina Rotermund (v.l.n.r.).
Der Alltag ändert sich durch Digitalisierung: Zukunftsforscher Harry Gatterer, Internetpublizist Tim Cole, Mediziner Marc Thom und Unternehmensberaterin Bettina Rotermund (v.l.n.r.).
(Bild: Iskander Business Partner)

Etwa 50 Führungskräfte aus der Telekommunikations-Branche diskutierten einen Tag lang, wie sich unser Alltag durch Digitalisierung ändern wird. Zukunftsforscher Harry Gatterer, Internetpublizist Tim Cole, Mediziner Marc Thom und Unternehmensberaterin Bettina Rotermund vom Gastgeber Iskander Business Partner zogen in ihren Impulsvorträgen zum Kongressthema „Transforming the World As We Know It“ trotz unterschiedlicher Ansätze ein gemeinsames Fazit: Digitalisierung geht mit einer höheren Komplexität des Lebens einher, die es zu managen gilt.

Digitale Techniken helfen, uns in der neuen Welt zurechtzufinden. Für Unternehmen gilt, dass es jetzt an der Zeit ist, sich für die digitale Arbeits- und Produktionswelt aufzustellen. Nicht-Handeln ist keine Option, darin waren sich alle Redner und Teilnehmer einig. Arbeiten wird flexibler, hierarchiefreier und ungebunden von Büros, wie wir sie bisher kennen. „Die Digitalisierungswelle reißt tradierte Geschäftsmodelle um. Alte Job-Profile verschwinden. Veränderung bleibt die einzige Konstante in dieser schnelllebigen digitalen Lebenswirklichkeit“, erklärt Bettina Rotermund, Unternehmensberaterin bei Iskander Business Partner. „Rollenprofile verändern sich im digitalen Zeitalter. Fachliches Know-how rückt in den Hintergrund, gefragt ist ein enormes Maß an Offenheit und Agilität.“

Unternehmer müssen mutiger entscheiden

Über das Auflösen von territorialem Arbeiten, dem Aufsprengen hierarchischer Unternehmensordnung hin zu einem selbstbestimmten und selbstverwaltenden Arbeiten referierte auch Tim Cole. In seinem aktuellen Buch „Digitale Transformation“ und seinem Vortrag auf dem IBP Executive Day bescheinigt der Internetpublizist deutschen Unternehmen keine guten Aussichten für die digitale Zukunft, wenn sie an althergebrachten Arbeits- und Produktionsstrukturen festhalten.

Cole bezeichnet die „German Angst“ als Hemmschuh für einen vorwärts gerichteten Umgang mit Digitalisierungsphänomenen wie Big Data und plädiert für mutigere Entscheidungen der Unternehmer.

Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, beschrieb die digitale Gesellschaft als ein Schaummodell, das geprägt ist von einer polychronen Struktur: Eine Gesellschaft, die konturloser, flüssiger aber gleichzeitig immer komplexer wird.

Digitale Welt wird zunehmend komplexer

„Die Digitalisierung führt zwangsläufig zu einer Zunahme der Komplexität an Handlungsmöglichkeiten. Die Menschen müssen lernen, mit dieser neuen Situation in ihrem Alltag zurechtzukommen. Die Industrie muss daher Produkte entwerfen, die es dem Konsumenten ermöglichen, sich so einfach wie möglich in dieser neuen Welt zu bewegen.“

Eine Herausforderung für Unternehmen im digitalen Zeitalter sei es, ihre funktionale und gefestigte Struktur mit einem netzwerkartigen und sich stetig wandelnden Gesellschaftsmodell in Einklang zu bringen, sagt Gatterer. Er forderte gleichzeitig, den komplexer werdenden Alltag zu entschleunigen.

Entschleunigung sowie körperliches und seelisches Wohlbefinden standen auch bei Marc Thom, Arzt und Diplom-Psychologe, im Mittelpunkt. Für ihn liegen die Chancen der Digitalisierung auch darin, abstrakte Begriffe wie Lebensqualität, Müdigkeit oder Unbekümmertheit messen zu können.

Mit Smartgear hören wir auf unseren Körper

Wearables sind nicht nur für Sportler sinnvoll, um ihren Fitnessstatus anzuzeigen, sondern sie entwickeln sich mehr und mehr zu gesundheitsunterstützenden Anwendungen. Smartwear gibt seinem Träger Feedback über den körperlichen Zustand, den Aktivitätslevel oder den Stresspegel und erhöht die Sensibilität im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Das kann die Nutzer dazu motivieren, sich kalorienärmer zu ernähren oder mehr Bewegung in den Alltag einzubauen.

„Gefühlt dreht sich die Welt jeden Tag etwas schneller. Smartwear wird einiges verändern aber eines ganz besonders: den Zugang zu uns selbst“, sagt der Mediziner und Psychologe. Aber auch für Patienten mit Vorerkrankungen können Smartwears ein Weg sein zu mehr Lebensqualität.

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