Forschende des MIT haben einen Sensor basierend auf der Lateral-Flow-Technologie entworfen, der es Nutzenden kostengünstig und schnell erlauben könnte, den beiden schädlichen Ewigkeitschemikalien PFOA und PFBA im Trinkwasser auf die Spur zu kommen. Der Sensor könnte in Haushalten wie in Fabriken zum Einsatz kommen.
In einige Feuerlöschschäumen verbessern PFAS die Ausbreitungseigenschaften, indem sie einen dünnen Wasserfilm zwischen Brennstoff und Schaum ausbilden.
Sogenannte Ewigkeitschemikalien, auch als PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) bekannt, bringen allerhand Vorteile mit sich - und auch mindestens genau so viele Nachteile. Es handelt sich dabei um modifizierte aliphatische organische Verbindungen, die (oder deren Abbauprodukte) in der Umwelt sehr persistent sind, also zurückbleiben. Deswegen auch der Name Ewigkeitschemikalien.
Es gibt Tausende PFAS-Verbindungen, die in Industrie- und Alltagsprodukten verwendet werden, und einige davon stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Weil PFAS allerdings kaum oder gar nicht abgebaut werden können und sie aufgrund ihrer als vorteilhaft angesehenen Antihaft-Eigenschaft, wie angesprochen, für viele Alltagsprodukte eingesetzt werden, werden sie fast überall gefunden. In unseren Nahrungsmitteln, in unserem Wasser, in menschlichem wie tierischem Gewebe.
Einer sozioökonomischen Studie des Nordischen Rats aus dem Jahr 2019 zufolge entstünden im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) plus Schweiz im Jahr Kosten zwischen 821 Millionen und 170 Milliarden EUR, wenn PFAS in der Umwelt gefunden und beseitigt werden. Die Summe setzt sich aus Schätzungen der Kosten für Umweltscreening, Überwachung bei Kontamination, Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitsbewertung zusammen (Seite 190, THE COST OF INACTION: A socioeconomic analysis of environmental and health impacts linked to exposure to PFAS).
Bislang lassen sich die Mengen von PFAS im Trinkwasser lediglich via Laboruntersuchungen feststellen, was nicht gerade wenig Zeit und Geld kostet. Forschende am MIT (Massachussets Institute of Technology) haben einen Sensor basierend auf Lateral-Flow-Technology entworfen, der eine günstige und schnelle Alternative darstellen könnte.
Lateral-Flow-Test mit einem speziellen Polymer
Der Sensor, ein Teststreifen, funktioniert dabei ähnlich wie ein Schwangerschaftstest oder ein Test für COVID-19. Solche Lateral-Flow-Tests sind beispielsweise mit Antikörpern beschichtet. Im Fall des Sensors vom MIT aber wurde das Polymer Polyanilin genutzt, das zwischen einem leitenden und halbleitenden Zustand wechseln kann, wenn Protonen zu dem Material zugefügt werden. Die Forscher brachten diese Polymere auf einem Streifen Nitrocellulosepapier auf und beschichteten sie mit einem Tensid, das Fluorkohlenwasserstoffe wie PFAS aus einem Wassertropfen auf dem Streifen herausziehen kann.
„Wenn dies geschieht, werden Protonen aus den PFAS in das Polyanilin gezogen und machen es zu einem Leiter, wodurch sich der elektrische Widerstand des Materials verringert. Diese Widerstandsänderung, die mithilfe von Elektroden genau gemessen und an ein externes Gerät wie ein Smartphone gesendet werden kann, liefert ein quantitatives Maß dafür, wie viel PFAS vorhanden ist“, so die Erklärung der Forschenden.
In größeren Dimensionen denken
Dieser MIT-Ansatz funktioniert allerdings nur mit sauren PFAS - doch das betrifft immerhin zwei der schädlichsten PFAS, nämlich Perfluorbutansäure (PFBA) und Perfluoroctansäure (PFOA). Zumindest das Inverkehrbringen von PFOA und Vorläuferverbindungen ist in der EU seit Sommer 2020 verboten. Doch wie zuvor bereits angesprochen ist das „Außerverkehrbringen“ von PFAS wie PFOA schwieriger und kostspieliger.
Die aktuelle Version des Sensors der Forschenden kann Konzentrationen von bis zu 200 Teilen pro Billion für PFBA (etwa 200 pg/l) und 400 Teilen pro Billion für PFOA (etwa 400 pg/l) nachweisen. Das ist bisher nicht niedrig genug, um Richtlinien zu erfüllen; etwa die der Environmental Protection Agency (EPA) in den USA. Die ruft für Trinkwasser Richtwerte wie 4pg/l für PFOA aus.
Deswegen arbeiten die Forschenden an einem größeren Gerät, mit dem etwa ein Liter Wasser durch eine Membran aus Polyanilin gefiltert werden kann. Dieser Ansatz sollte die Empfindlichkeit um mehr als das Hundertfache erhöhen. „Wir stellen uns ein benutzerfreundliches System für den Haushalt vor“, sagt Timothy Swager, der John D. MacArthur-Professor für Chemie am MIT. „Man kann sich vorstellen, dass man einen Liter Wasser einfüllt, es durch die Membran laufen lässt und dann ein Gerät hat, das die Veränderung des Widerstands der Membran misst.“
Sobald Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser gefunden werden, lassen sich diese Mengen über Filter reduzieren. Wichtig finden die Forschenden Swager, Park und Gordon außerdem, dass ihr Ansatz für Hersteller infrage kommen könnte, die Produkte mit PFAS-Chemikalien produzieren, um ihre Abwässer vor dem Ablass in die Umwelt zu kontrollieren und gegebenenfalls zu handeln. Die Studie „Resistivity detection of perfluoroalkyl substances with fluorous polyaniline in an electrical lateral flow sensor“ finden Sie im Archiv von PNAS. (sb)
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.