Ein Team der TU München hat aus handelsüblichen Smartphone-Fotosensoren einen Hochpräzisionsdetektor für das CERN entwickelt. Damit gelingt es erstmals, die Annihilation von Antiprotonen mit Submikrometer-Auflösung in Echtzeit zu vermessen.
Antimaterieforschung am CERN: Der optische Antimaterie-Imager mit den 60 aus Handys ausgebauten Fotosensoren.
(Bild: Andreas Heddergott / TUM)
Mit einem eigens entwickelten Megapixel-Array auf Basis modifizierter CMOS-Kamerasensoren aus Smartphones liefert ein Team der Technischen Universität München (TUM) neue Präzision für das Antimaterie-Experiment AEgIS am CERN. Die Technologie erlaubt es, Annihilationsereignisse von Antiprotonen mikrometergenau zu orten – ein entscheidender Schritt zur Messung der Gravitation von Antimaterie.
Wenn Antimaterie auf Materie trifft, kommt es zur Annihilation – einer vollständigen Umwandlung von Masse in Energie, begleitet von charakteristischen Teilchenspuren. Im AEgIS-Experiment (Antihydrogen Experiment: Gravity, Interferometry, Spectroscopy) am CERN wird gezielt untersucht, wie sich Antiwasserstoff im Schwerefeld der Erde verhält. Die zentrale Fragestellung: Fällt Antimaterie unter Gravitation genauso wie normale Materie – oder gibt es Unterschiede?
Um diese Effekte nachzuweisen, erzeugt das AEgIS-Team einen horizontalen Strahl aus Antiwasserstoff-Atomen. Diese passieren ein sogenanntes Moiré-Interferometer – ein Detektoraufbau aus mehreren hintereinander angeordneten Gitterstrukturen. Wenn sich Antiwasserstoff unter dem Einfluss der Erdanziehung leicht nach unten ablenkt, verändern sich die Interferenzmuster. Der Ort der darauffolgenden Annihilation – also der Punkt, an dem das Antiatom mit Materie in Wechselwirkung tritt – ist die Schlüsselgröße für die Gravitationsexperimente.
60 modifizierte CMOS-Sensoren
Der Detektor wurde von Dr. Francesco Guatieri, Michael Berghold und Markus Münster (v.l.) am FRM II der TUM entworfen und gebaut.
(Bild: Andreas Heddergott / TUM)
Hier kommt der neue Detektor OPHANIM (Optical Photon and Antimatter Imager) ins Spiel: ein großflächiges Array aus 60 Smartphone-Kamerasensoren, zusammen 3.840 Megapixel stark. Entwickelt und optimiert am Forschungsreaktor FRM II der TUM, detektiert das System die beim Zerfall entstehenden geladenen Pionen in bislang unerreichter lateraler Auflösung von 0,6 µm. Zum Vergleich: Bisher eingesetzte Emulsionsdetektoren erreichten maximal etwa 20 µm – allerdings nur offline und mit erheblichem Analyseaufwand. OPHANIM liefert hingegen Echtzeitdaten in hoher Auflösung.
Die CMOS-Bildsensoren, ursprünglich für mobile Endgeräte konzipiert, wurden gezielt modifiziert: Farbschichten und Mikrolinsen, die in Smartphones zur Bildoptimierung dienen, wurden entfernt, um die Sensorsubstrate direkt für die Detektion geladener Teilchenspuren zu nutzen. Dank der Submikrometer-Pixeldichte sind diese Sensoren besonders geeignet für die Spurverfolgung (Tracking) von Zerfallsprodukten mit extrem geringer Reichweite.
Sensoren aus einem Smartphone
„Für AEgIS benötigen wir eine Detektion mit höchster räumlicher Präzision – CMOS-Sensoren aus Smartphones liefern das technisch und ökonomisch sinnvoller als viele spezialisierte Detektortypen“, erklärt Projektleiter Dr. Francesco Guatieri von der TUM. „Die Herausforderung lag in der Anpassung der Sensoren an die speziellen Anforderungen der Hochenergiephysik.“
Dass dieser Technologietransfer gelingt, verdankt sich auch der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Teilchenphysik, Mikroelektronik und angewandter Sensortechnik. Masterstudierende der TUM School of Engineering and Design waren direkt an der Entwicklung und Charakterisierung der Sensorarrays beteiligt. Das Ergebnis ist ein modular aufgebauter Detektor, der nicht nur AEgIS unterstützt, sondern auch für andere Anwendungen in der Präzisionsmesstechnik und in bildgebenden Verfahren infrage kommt.
Wissenschaftliche Bedeutung von AEgIS
Die Gravitation ist bislang die einzige fundamentale Wechselwirkung, deren Wirkung auf Antimaterie nicht experimentell bestätigt ist. Ein messbarer Unterschied im freien Fall von Antiwasserstoff – selbst im Bereich weniger Mikrometer – würde fundamentale Fragen zur Symmetrie von Naturgesetzen und zur Gültigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie aufwerfen. Das AEgIS-Experiment gehört zu den wenigen Versuchen weltweit, diese Frage experimentell anzugehen.
Mit OPHANIM steht der Kollaboration nun ein Präzisionsinstrument zur Verfügung, das Echtzeit-Tracking auf Mikrometerbasis erlaubt – mit Bauteilen, die ursprünglich für mobile Kamerasysteme gedacht waren. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Consumer-Elektronik die Grundlagenforschung beflügelt. (heh)
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.