Mit technischen Upgrades Chinesische Chiphersteller erobern schrittweise den Automarkt

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Chinesische Hersteller von Mikrocontrollern arbeiten sich aus dem Low-Cost-Segment beständig in lukrative Märkte vor – etwa den Automotive-Markt.

In modernen (Elektro-)Autos sind zum Teil hunderte von Mikrocontrollern verbaut. Besonders chinesische Fahrzeuge setzen bei den Bausteinen verstärkt auf heimische Hersteller.(Bild:  Geely Zeekr)
In modernen (Elektro-)Autos sind zum Teil hunderte von Mikrocontrollern verbaut. Besonders chinesische Fahrzeuge setzen bei den Bausteinen verstärkt auf heimische Hersteller.
(Bild: Geely Zeekr)

Aufgepasst Infineon, hier kommt die chinesische Konkurrenz: Anfang Dezember hat der chinesische Chip-Hersteller GigaDevice seinen bislang leistungsstärksten Kontrollchip für die Automobilindustrie auf den Markt gebracht. „GD32A490“ heißt die Mikrocontroller-(MCU-)Serie und laut einem Bericht im Fachmagazin EET China zeichnet sie sich durch „eine hohe Taktfrequenz, große Kapazität, hohe Integration und hohe Verlässlichkeit“ aus.

Aktuell wird der globale MCU-Markt von fünf Großunternehmen dominiert – und keines davon ist chinesisch: Renesas, STMicroelectronics, Infineon, NXP und Microchip kontrollieren gemeinsam knapp 70 Prozent des Weltmarktes für Mikroprozessoren und Mikrocontroller, die in millionenfach in unterschiedlichsten elektronischen Applikationen – vom Auto bis zur Zahnbürste – zum Einsatz kommen.

Hunderte von MCUs in jedem Auto

Doch seit Beginn des „Chip-Krieges“ zwischen Washington und Peking hat in der chinesischen Industrie ein nahezu fieberhaftes Wettrennen um die „heimische Substitution“ ausländischer MCU-Chips begonnen. Will heißen: Wo immer möglich will China seine Halbleiter selbst produzieren. Unter anderem im Autosektor, wo der Boom der Elektromobilität und der „smarten“ Autos einen besonders schnellen Anstieg der Nachfrage ausgelöst hat, holen die chinesischen Wettbewerber von Infineon und Co. auf.

Waren in traditionellen Autos etwa 70 MCU verbaut, so sind es Daten von CITIC Securities zufolge in smarten Elektroautos und Hybriden inzwischen gut 300 Stück. Und während die leistungsstärksten MCU noch immer überwiegend von den fünf internationalen Autochip-Riesen geliefert werden, arbeiten sich Chinas Chiphersteller langsam aber sicher aus dem Marktsegment der MCU für Verbraucherelektronik wie E-Zigaretten und ähnlichen Billigprodukten in den sehr lukrativen automobilen Chipmarkt vor.

Immer mehr Funktionen

Innerhalb der Sparte von Automotive-Mikrocontrollern ist derzeit ein deutliches Upgrade der chinesischen Produkte zu beobachten. Der neue GD32A490 ist ein gutes Beispiel für diesen Trend. Nicht nur Scheibenwischer, elektrisch verstellbare Sitze oder Fensterheber können damit gesteuert werden, sondern auch bereits Komponenten im smarten Cockpit wie die Navigation, die Instrumenten-Panele und die Infotainment-Anlage.

Einem aktuellen Bericht der China Merchants Bank tauchen MCUs der chinesischen Chiphersteller GigaDevice, AutoChips und Chipsea Tech inzwischen immer häufiger auf den Bestell-Listen chinesischer OEM wie Changan Auto, Dongfeng Motor oder Seres auf.

Dabei spielen nicht nur patriotische Gefühle oder Weisungen von der Staatsführung eine Rolle, sondern auch der Preis. Chinesische Chips können fast durch die Bank kostengünstiger produziert werden als vergleichbare Produkte in Europa, den USA oder Japan. Die heimischen Produzenten nutzen „die Vorteile der lokalen Lieferkette“ und können so immer mehr Marktanteile erobern, schreibt EET China.

Nach Corona-Flaute wieder steigende MCU-Verkäufe

Die neue Konkurrenz aus China hat es dabei aber keinesfalls leicht, Infineon, Renesas und anderen führenden Autochip-Herstellern Aufträge abzujagen. Die vergangenen zwei Jahre waren im Gegenteil eine Art Achterbahnfahrt für die chinesische Chipindustrie.

2021 gab es unter dem Schock der extremen Corona-Bekämpfungsmaßnahmen und Lockdowns weltweit vorübergehende MCU-Versorgungsengpässe. Starke Preissteigerungen waren die Folge. Schon 2022 aber sorgte dann der einbrechende Verbrauchermarkt, auch in China, für volle Warenlager bei den Chipherstellern. Die MCU-Preise purzelten wieder genauso schnell, wie sie zuvor gestiegen waren.

Erst seit der zweiten Hälfte dieses Jahres beginnt sich der Markt für Verbraucherelektronik, etwa bei Mobiltelefonen, wieder leicht zu erholen. Zusätzlich boomt der Markt für E-Autos und Hybride in der Volksrepublik. Die Finanzberichte chinesischer Chiphersteller wie etwa Cmsemicon zeigen seither wieder beeindruckende Wachstumszahlen für ihre MCU-Verkäufe. (me)

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