Die USA wollen den weltweiten Export von KI-Hardware und -Software regulieren – man wolle die Vorreiterstellung der Vereinigten Staaten so schützen. Die Reaktionen auf diese Ankündigung fallen, es überrascht kaum, wenig freundlich aus.
Ginge es nach den Vereinigten Staaten, dann wäre KI ein höchst exklusives Exportgut Made in USA.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Kurz vor der Machtübergabe in Washington hat die Regierung von Joe Biden umfangreiche Exportkontrollen für KI-Technologie vorgeschlagen. Nicht nur für China, sondern für die meisten Länder der Erde werden Beschränkungen gefordert, die den Zugang zu GPUs und Trainings-Software für KI-Modelle begrenzen.
Nur 18 Verbündete der USA, darunter Deutschland, sollen weiterhin unbeschränkten Zugang zu kritischen KI-Komponenten haben. Weil das neue Regelwerk erst nach einer Frist von 120 Tagen in Kraft treten kann, wird der neue US-Präsident Trump allerdings noch Gelegenheit haben, die Exporthürden zu verändern oder zu kippen.
„Die USA führen derzeit bei der KI – sowohl bei der Entwicklung von KI und beim Design von KI-Chips, und es ist von kritischer Bedeutung, dass wir das so lassen“, sagte die bisherige US-Handelsministerin Raimondo der zu dem Zeitpunkt im Abdanken befindlichen Regierung Biden.
Um ihren Technologie-Vorsprung im Bereich der künstlichen Intelligenz gegenüber China, der in Washington auf sechs bis 18 Monate geschätzt wird, so lange wie möglich zu verteidigen, soll dem Vorschlag der Regierung Biden zufolge die Welt in drei Zonen eingeteilt werden.
Countries of Concern
Die aus der Sicht Washingtons schlimmsten Länder, vom Weißen Haus „Countries of Concern“ genannt, sind China inklusive Hongkong und Macau, Russland, der Iran, Nordkorea, Venezuela, Nicaragua und Syrien. Sie sollen überhaupt keine fortgeschrittene Hard- oder Software für KI aus den USA mehr importieren dürfen.
120 weitere Länder, darunter etwa Singapur, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Portugal und die Schweiz, sollen nur noch fortgeschrittene Grafikkarten-Chips bis zu einer Gesamtzahl von 50.000 Stück, unter bestimmten Umständen auch bis zu 100.000 Stück aus den USA importieren dürfen. Dafür wären aber umfangreiche Anträge auszufüllen.
Die 18 Länder, die keinerlei Restriktionen unterliegen sollen, sind Großbritannien, Irland, Deutschland, die Niederlande, Italien, Spanien, Norwegen, Schweden, Südkorea, Taiwan und Australien, plus die USA selbst. Wie aus Äußerungen von US-Beamten zu erkennen ist, geht es bei dieser Dreiteilung der Welt noch immer vorwiegend um die Eindämmung Chinas. „Falls China und nicht die USA die Zukunft der KI auf dem Planeten bestimmen kann, dann stünde einfach sehr viel auf dem Spiel“, zitierte die Nachrichtenagentur AP Jack Sullivan, den nationalen Sicherheitsberater von Joe Biden.
Mit den Exportbeschränkungen in die 120 „Tier-2“-Länder will Washington Schlupflöcher schließen, über die China derzeit immer noch an fortgeschrittene KI-Technologie gelangt, beispielsweise indem es KI-Modelle in Datenzentren im Nahen Osten oder in Südostasien trainieren lässt.
Unter die Embargos fallen vorwiegend GPUs von Nvidia und kleineren US-Herstellern wie AMD. Die Hardware ist weltweit in Datenzentren beliebt, weil sie mehrere Rechenoperationen gleichzeitig ausführen lässt und so unter anderem KI-Modelle entwickelt und mithilfe großer Datenmengen in relativ kurzer Zeit trainiert werden können.
Nicht nur für die GPUs, sondern auch für kritisch wichtige Software-Module aus den USA, die „Closed Weight AI Models“, sollen dem Wunsch der Regierung Biden zufolge künftig Lizenzanträge gestellt werden müssen, sofern sie in eins der 120 Tier-2-Länder verkauft werden sollen.
Das vorgeschlagene KI-Embargo sieht auch eine Reihe von Ausnahmen vor, etwa lizenzfreie Verkäufe von kleineren Mengen der fortgeschrittenen GPUs (bis zu 1.700 Stück), wie sie häufig von Universitäten oder Forschungszentren in Auftrag gegeben werden. Auch können US-amerikanische Anbieter von Datenzentren wie Microsoft oder Google eine Art Freibrief beantragen, mit dem sie dann weltweit eine genau geregelte Menge von Datenzentren in von den USA genehmigte Länder verkaufen dürften.
Insgesamt aber würde sich um den bislang umfangreichsten Versuch Washingtons handeln, die Entwicklung der KI weltweit zu kontrollieren, um primär China, das hier auf eine Stufe mit „Schurkenstaaten“ wie Iran oder Nordkorea gestellt wird, in seiner wirtschaftlichen Entwicklung empfindlich zu schwächen.
Stand: 08.12.2025
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Antworten – aus China und der Halbleiterindustrie
China lege „entschiedenen Einspruch“ gegen die geplanten Maßnahmen ein, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Sie seien ein weiteres Beispiel dafür, wie die USA „das Konzept der nationalen Sicherheit generalisieren und Exportkontrollen missbrauchen“, so der chinesische Regierungssprecher. Man behält sich Gegenmaßnahmen vor, um die eigenen Interessen zu verteidigen.
Auch aus den Kreisen der amerikanischen Halbleiterindustrie gab es teilweise heftige Kritik an dem KI-Embargo-Plan. „Die neue Regel bringt das Risiko mit sich, der amerikanischen Wirtschaft und ihrer globalen Wettbewerbsfähigkeit unbeabsichtigte und bleibende Schäden zuzufügen“, sagte John Neuffer, der Leiter der US-amerikanischen Semiconductor Industry Association (SIA).
Der in Kalifornien beheimatete Chip-Hersteller Nvidia, der rund 90 Prozent des GPU-Weltmarktes für KI-Zwecke beherrscht, übte scharfe Kritik an dem Vorhaben. Sie hätten am Ende wohl nur den Effekt, diesen Weltmarkt den chinesischen Konkurrenten von Nvidia zu überlassen, sagte ein Firmensprecher.
Während sie unter dem Deckmantel einer „Anti-China-Maßnahme“ daherkämen, würden die Regeln „in Wirklichkeit nichts zur Förderung der Sicherheit der USA tun“, schrieb der Nvidia-Manager Ned Finkle auf der Webseite des Unternehmens. Außerdem drohe das KI-Embargo, „Innovation und Wirtschaftswachstum weltweit entgleisen zu lassen“, so Finkle. Das Unternehmen nannte das KI-Embargo wörtlich einen „sweeping overreach“ der US-Regierung.
Auch in Brüssel sorgte der neue Biden-Plan für Proteste. „Ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum Deutschland ausgenommen sein sollte, nicht aber Luxemburg“, wurde Holger Hoos, Gründer der „Confederation of Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europe“ auf dem Fachportal sciencebusiness.net zitiert.
Ein Sprecher der EU-Kommission, Thomas Regnier, äußerte sich besorgt, dass das KI-Embargo negative Auswirkungen auf Supercomputing-Zentren „in mehreren EU-Mitgliedsstaaten“ haben könnte. Man sammele derzeit Feedback in der Union und wolle dann seine „Bedenken und Kommentare mit der US-Regierung teilen“, so Regnier.
Die „European High Performance Computing Joint Undertaking“ hat insgesamt den Bau von neun Supercomputern in Auftrag gegeben. Fünf davon entstehen in Ländern, die zu den 120 eingeschränkt importfähigen Tier-2-Ländern des Biden-Plans zählen würden, namentlich Luxemburg, die Tschechische Republik, Bulgarien, Slowenien und Portugal. (sb)