Geht bald das Gallium der Halbleiter-Branche aus? Das Germanium? Vielleicht auch Wolfram oder Antimon? Die chinesischen Exportkontrollen aus dem Jahr 2023 und weitere Restriktionen nehmen Einfluss auf die globale Verfügbarkeit kritischer Metalle. Die Preise für Germanium und Gallium haben sich laut Berichten innerhalb eines Jahres um mindestens 50 Prozent erhöht.
Bis in der Mine in Kiruna Seltenerdmetalle abgebaut werden dürfen, kann es noch bis zu 15 Jahre dauern.
Aufgrund ihrer begrenzten Verfügbarkeit, der steigenden Nachfrage und ihrer Bedeutung für verschiedene Schlüsselindustrien sind Gallium und Germanium von strategischer Bedeutung und werden als kritische Rohstoffe eingestuft. Ihre Versorgung ist oft auf wenige Länder konzentriert, was die Gefahr von Lieferengpässen und Preisschwankungen erhöht.
Germanium (Ge) ist ein Halbleiter, der hauptsächlich in Anwendungen wie optischen Bauelementen eingesetzt wird. Der größte Produzent des Metalls ist China mit einem Anteil von rund 60 Prozent an der Gesamtproduktion. Das weiche Metall Gallium (Ga) hingegen ist ein wichtiger Bestandteil von vielen Halbleitern, etwa als nützlicher Siliziumersatz. 80 Prozent der weltweiten primären Galliumkapazitäten niedriger Qualität entfallen auf China.
Wussten Sie schon, dass in China auch 80 Prozent der weltweit produzierten Menge des Übergangmetalls Wolfram (W) gewonnen wird? Und rund 50 Prozent der jährlich weltweit gewonnenen Menge Antimon (Sb)? Insbesondere letzteres könnte Ihnen in den vergangenen Tagen zumindest in den Nachrichten begegnet sein.
Antimon ist ein chemisches Element der Gruppe der Halbmetalle und wird hauptsächlich in Legierungen verwendet, um deren Härte und Festigkeit zu erhöhen; kommt auch in der Herstellung von Batterien oder als Flammschutzmittel und in verschiedenen chemischen Verbindungen zum Einsatz. Ab dem 15. September 2024 unterliegen nicht nur Gallium und Germanium chinesischen Exportkontrollen, sondern auch Antimon. Exporteure müssen sich dann um eine staatliche Erlaubnis bemühen, um ihren Handel mit den Metallen aufrechtzuerhalten. Experten erwarten, dass es bald ebenfalls zu Kontrollen des Wolframexports kommen wird.
Das bedeutet zwar nicht, dass die Elemente und die Elemente enthaltende Produkte überhaupt nicht mehr auf dem Weltmarkt erhältlich wären, allerdings teils in geringeren Mengen, berichtet etwa Financial Times. Ein Blick in die Exportstatistiken der GAC (General Administration of Customs of the People’s Republic of China) bestätigt diese These zumindest für verarbeitetes und nicht verarbeitetes Germanium.
In den Jahren 2022 und 2023 wurden aus China jeweils knapp 40 Tonnen des Halbleiters exportiert, im Jahr 2024 bis zum Juli erst etwas mehr als 15 Tonnen. 2023 betrug der Durchschnittspreis für Germanium aus China etwa 1,19 Millionen USD pro Tonne. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 lag der Durchschnittspreis bei etwa 1,37 Millionen USD pro Tonne. Es wurde bislang also weniger Germanium exportiert und der Preis ist gestiegen.
Bei verarbeitetem und nicht verarbeitetem Gallium ist die Exportmenge bereits von 2022 auf 2023 um rund die Hälfte gesunken (94,4 Tonnen im Jahr 2022, 44,7 Tonnen im Jahr 2023). Der Trend, dass 2024 im Vergleich zu 2023 weniger Gallium exportiert wird, wird von den offiziellen Daten der GAC nicht wiedergegeben. Der Preis ist indes leicht pro Tonne gestiegen.
Pro Jahr werden übrigens knapp 45.000 Tonnen Antimon-Produkte (vornehmlich Oxide) aus China exportiert. Über die Jahre 2022 und 2023 ließ sich dabei ein sinkender Preis beobachten, der in den ersten sieben Monaten des Jahres 2024 allerdings wieder gestiegen ist. Die Lager werden zur Sicherheit gefüllt, das kurbelt auch den Preis an. Dieses Jahr wurden auch bereits etwa 2.700 Tonnen Wolfram-Produkte aus China exportiert; nur für den Hinterkopf.
Wenn die Lager leer sind, sind die Lager leer
Eine Kontrolle der Exportdaten der Volksrepublik sagt allerdings nichts darüber aus, wie gefüllt die Lager der Unternehmen sind, die für ihre Produktion Gallium und Germanium benötigen. In der Hinsicht sei man von China abhängig. Bereits die Reduzierung der Gallium-Exportmenge von 2022 auf 2023 um die Hälfte wäre spürbar gewesen, so bestätigt es ein Mitarbeiter aus der Halbleiter-Branche gegenüber Financial Times; Zitat: „Wenn China die Galliumexporte wie in der ersten Jahreshälfte reduziert, werden unsere Reserven aufgebraucht sein und es wird zu Engpässen kommen.“
„Bis 2030 wird sich unser Bedarf an diesen Seltenerdmetallen verfünffachen“, sagte indes EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Jahr 2022. „Infolgedessen erleben wir einen globalen Wettlauf um die Versorgung mit und das Recycling von kritischen Rohstoffen.“ Im Anschluss wurde der Critical Raw Materials Act (CRMA) verabschiedet, in dem bis 2030 die folgenden Benchmarks entlang der strategischen Rohstoff-Wertschöpfungskette und für die Diversifizierung der EU-Versorgung erreicht werden sollen:
Stand: 08.12.2025
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mindestens 10 % des Jahresverbrauchs der EU für die Gewinnung
mindestens 40 % des Jahresverbrauchs der EU für die Verarbeitung
mindestens 25 % des Jahresverbrauchs der EU für das Recycling
nicht mehr als 65 % des Jahresverbrauchs der EU aus einem einzigen Drittland
Allerdings stellt sich dabei natürlich die Frage: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die Freude über das Auffinden von Seltenerdmetallen in der Mine in Kiruna, Schweden, war groß. Bis die Metalle allerdings abgebaut werden können, wird es aufgrund ausstehender Genehmigungsverfahren wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauern. Die Analysten von Deloitte prognostizierten bereits im Dezember 2023 mögliche Knappheiten bei Gallium und Germanium – und haben dabei zumindest einige mögliche Lösungen aufgetan, unter anderem das Recycling von Elektroschrott. (sb)