Geopolitik trifft Chipindustrie China wirft Nvidia Kartellrechtsverstöße vor

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Chinas Marktaufsicht SAMR hat nach einer Vorprüfung einen Verstoß von Nvidia gegen das chinesische Kartellrecht festgestellt und eine vertiefte Untersuchung eingeleitet. Für Nvidia wächst damit der Druck im wichtigsten Auslandsmarkt, während in Madrid neue Handelsgespräche zwischen den USA und China laufen.

Nvidia H100: Speziell für den chinesischen Markt entwickelte Nvidia diesen KI-Chip, den Vorgänger des H20.(Bild:  Nvidia)
Nvidia H100: Speziell für den chinesischen Markt entwickelte Nvidia diesen KI-Chip, den Vorgänger des H20.
(Bild: Nvidia)

Nvidia dominiert den Markt für KI-Beschleuniger. In China steht der Konzern seit Monaten zwischen Exportauflagen der USA und wachsender Skepsis Pekings. Nun drohen Bußgelder und Auflagen, die Vertriebsmodelle und Lieferprioritäten in China verändern könnten.

Was SAMR beanstandet und was offen bleibt

Laut SAMR ergibt die Vorprüfung einen Verstoß gegen das Antimonopolgesetz sowie gegen Verpflichtungen aus der Mellanox-Entscheidung von 2020. Diese Auflagen sollten Machtmissbrauch vorbeugen. Sie untersagen Produktbündelungen, verlangen eine Versorgung zu fairen, angemessenen und nicht diskriminierenden Konditionen und sichern Interoperabilität mit Fremd-Hardware. Zudem enthalten sie Bestimmungen zu Open-Source-Kommunikationssoftware, Vertraulichkeit und organisatorischer Trennung zwischen GPU- und Interconnect-Geschäft. Die Behörde nennt heute keine konkrete Klausel, die Nvidia verletzt haben soll. Die vertiefte Prüfung läuft.

Risiken für Geschäft, Kunden und Preise in China

Für Nvidia steht mehr als ein Imageschaden im Raum. Nach chinesischem Kartellrecht drohen Geldbußen zwischen ein und zehn Prozent des Vorjahresumsatzes. Daneben sind Verhaltensauflagen denkbar: etwa eine striktere Entbündelung von GPU- und Netzwerkkomponenten, überprüfbare FRAND-Zusagen oder Berichtspflichten gegenüber der Aufsicht. China ist für Nvidia weiterhin bedeutend. Berichte nennen für das jüngste Geschäftsjahr rund 13 Prozent Anteil beziehungsweise etwa 17 Milliarden Dollar Umsatz aus China. Eine kartellrechtliche Auflage könnte Liefermodelle für Rechenzentrumsbauer wie Inspur oder Lenovo verschieben und zugleich chinesischen Alternativen im Netzwerk- und Beschleuniger-Ökosystem Rückenwind geben.

Politische Kulisse und das H20-Kapitel

Die Entscheidung fällt in eine Phase erhöhter politischer Reibung. Peking prüft parallel Sicherheitsfragen rund um Nvidias auf China zugeschnittenen H20-Chip. Die Cyberspace-Behörde hatte Nvidia dazu einbestellt und Unterlagen angefordert. Zugleich warnten Stellen in China Unternehmen, den H20 mit Blick auf mögliche Sicherheitsrisiken zu meiden. Kartell- und Sicherheitsverfahren laufen formal getrennt, verstärken aber den Druck in Summe.

Wie geht es nun weiter?

Kurzfristig zählt, wie konkret SAMR die Mellanox-Auflagen adressiert. Entscheidend wird, ob die Behörde Preis- und Lieferpraktiken, Bündelangebote oder Interoperabilität ins Visier nimmt. Für Rechenzentrumsprojekte in China wäre eine klarere Trennung von GPU- und Netzwerktechnik spürbar. Für Nvidia hängt viel davon ab, ob und in welcher Form der Konzern weiterhin KI-Hardware nach China verkaufen kann, ohne gegen US-Exportregeln zu verstoßen und ohne neue Auflagen aus Peking zu verletzen. Bis zur Begründung der Aufsicht bleibt die Lage unklar. (mc)

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